Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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31. Mai 2009

"Der Sport sollte besser sein als die Gesellschaft". Hanns Michael Hölz lenkt in der 3. KÖLNER SPORTREDE den Blick auf die Vorbildfunktion des Sports

Wenn von der 3. Kölner Sportrede, initiiert durch die Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes mit Sitz in Köln und vorgetragen im Historischen Rathaus zu Köln, Impulse für die Zukunft des deutschen Sports ausgehen, dann kann der Sport mit großem Optimismus nach vorne blicken. „Der Sport sollte besser sein als die Gesellschaft.“ Das war einer der herausfordernden Kernsätze bei der 3. Kölner Sportrede, die der Kuratoriumsvorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur und Deutsche Bank-Direktor Hanns Michael Hölz vor knapp 200 Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Sport, Wirtschaft und Politik hielt.

 

Von Anfang an hat sich die von der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes ins Leben gerufene Kölner Sportrede als Plattform für richtungsweisende Auseinandersetzungen mit nationalen und internationalen Sportthemen entwickelt. Darauf nahm auch Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma Bezug, indem er die Bedeutung der Kölner Sportrede betonte – sie solle mithelfen „das Potential des Sportes für unsere Stadt, unsere Region und für unser ganzes Land weiter zu entfalten.“

 

Erster Kölner Sportredner war im Jahre 2006 Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble zum Thema Sport und Politik. Ihm folgte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen mit Aussagen zum Verhältnis von Sport und Medien. Hanns Michael Hölz, Mann der Wirtschaft einerseits und Mitstreiter um den Erhalt sportlicher Werte als NADA-Kuratoriumsvorsitzender andererseits, bewegte sich mit seiner Rede „Sport – Wirtschaft – Verantwortung“ auf vertrautem Terrain.

 

Schon bei der Begrüßung der Gäste, die zwei Tage vor Pfingsten ins Kölner Rathaus gekommen waren, setzte der ehemalige Hockey-Bundesligaspieler und aktuelle nordrhein-westfälische Innen- und Sportminister Dr. Ingo Wolf Eckdaten: „Wir brauchen Fairness in Sport und Wirtschaft. Wir brauchen aber auch eine Kultur der Anstrengung in Wirtschaft und Sport. Nur so kommen beide, Sport und Wirtschaft, aus der Krise heraus.“

 

In mehreren Kapiteln zeigte dann Hanns Michael Hölz die Netzwerk artige Verknüpfung von Sport – Wirtschaft – Verantwortung auf.

 

„Sport braucht Wirtschaft und Wirtschaft braucht Sport“, stellte Hölz als erste These in den Raum. In Erinnerung an einige dürftige deutsche Ergebnisse bei noch nicht allzu lang zurückliegenden sportlichen Großereignissen musste Hanns Michael Hölz feststellen: „Ich hätte es begrüßt, wenn der Sport zur Zeit besser wäre als die Wirtschaft. Gerade jetzt müsste der Sport für Wirtschaft und Gesellschaft eine Vorbildfunktion übernehmen.“

 

„Gesundheit braucht Sport und Sport braucht Gesundheit“ – These Nummer 2. Wo anders als in der Schule werden die Voraussetzungen geschaffen für eine Lebens-Selbstverständlichkeit? Und wo kann man am besten lernen, wie bedeutsam Sport für das ganze Leben ist? Daraus leitete Hanns Michael Hölz seine Forderung ab: „Schulsport, Schulsport.“

 

Das Kapitel „Ethik ist Sport und Sport ist Ethik“ hatte Walter Schneeloch als Vorsitzender der gastgebenden Führungs-Akademie des DOSB bereits in seiner Begrüßung angesprochen: „Die in letzter Zeit erkennbar werdenden besorgniserregenden Tendenzen schaden dem Sport und seinem Wertegefüge im Kern. Dabei denke ich in erster Linie an Doping und Bestechung.“ Darauf ging auch Hanns Michael Hölz in seiner Sportrede ein: „Mit seiner Aussage ,Erlaubt ist, was nicht gefunden wird‘ hat der Springreiter Ludger Beerbaum nicht nur seinem Sport, sondern unserem ganzen Land geschadet. Diese hoffentlich unbedachte Äußerung zeugt von nicht ausreichender Verantwortung.“ Für den sportlichen Nachwuchs wünscht sich der NADA-Kuratoriumsvorsitzende, dass Unterrichtseinheiten zur Doping-Prävention zu Pflichtveranstaltungen werden.

 

„Bildung braucht Sport und Sport braucht Bildung“ – ausdrücklich forderte Hanns Michael Hölz die Arbeitgeber auf, den Leistungswillen motivierter junger Sportlerinnen und Sportler auch in der Wirtschaft und somit in der Ausbildung und im Berufsleben zu nutzen.

 

Schließlich setzte sich Hölz in seiner Rede mit den Strukturen des Sports auseinander: „Wir brauchen schlankere Strukturen. Wir müssen nicht alles mehrmals analysieren. Ich bin mehr auf der Seite der Spitzensportverbände als auf der Seite der Landessportbünde.“ Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, antwortete nur knapp, weil er eiligst zu einem nächsten Termin fliegen musste: „Da kann man sicherlich noch viel verbessern. Aber es gibt auch Grenzen.“ Der Wirtschaftsmann Hölz würde jedenfalls gerne hauptamtlichen Führungskräften mehr Kompetenz geben und sieht in der Kontrollfunktion das Ehrenamt sogar aufgewertet.

 

„Gesellschaft ist Sport und Sport ist Gesellschaft“ – in der vielzitierten momentanen Krise sieht Hanns Michael Hölz die Chance der Rückbesinnung nicht nur auf die Familie, sondern auch auf den Verein: „Das brauchen wir. Wo besser als im Verein wird der Generationenvertrag, der Ausgleich zwischen Jungen und Alten, noch praktiziert?“

 

Wer über den Dreiklang „Sport Wirtschaft – Verantwortung“ nachdenkt, hat sich auch dem Thema 'Leadership' zu stellen. Auch hier bezog Hölz eine klare Position. ‚Leadership‘ verstanden als die Bereitschaft zur Übernahme einer Führungsrolle ist, so Hölz, gerade auch im Sport unverzichtbar, sei sie doch ein Teil seines Charakters. Dabei schlug er einen Bogen zur aktuellen Diskussion um die Bewerbung Münchens als Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2018. „Gerade jetzt in dieser wirtschaftlichen Situation brauchen wir die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele in München. Und wenn wir dieser Bewerbung zum Erfolg verhelfen wollen, dann brauchen wir Leute aus allen gesellschaftlichen Gruppen, die mit großem emotionalem Einsatz aus der Mitte der Gesellschaft das Engagement für München 2018 vorantreiben. Wir brauchen in Deutschland so große Veranstaltungen. Das hat etwas mit Verantwortung für unser Land zu tun.“

 

Gabriele Freytag, die Direktorin der Führungs-Akademie des DOSB, kündigte ihn ihrem Schlusswort die Fortsetzung der Sportrede-Serie an. Mit der Kölner Sportrede will die Führungs-Akademie des DOSB auch einen Beitrag zum gesellschaftlichen und sportpolitischen Leben der Stadt Köln leisten, in der sie seit 2003 ihren Sitz hat.

(Hanspeter Detmer)