Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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18. Juli 2007

Erfolgreicher Umstrukturierungsprozess in NRW - Walter Schneeloch im Interview

Am 2. Juni hat der LandesSportBund Nordrhein-Westfalen eine Strukturreform verabschiedet - und das mit einer außerordentlich hohen Zustimmung der Mitglieder von 95 Prozent. Erheblichen Anteil an der Umstrukturierung hat die Führungs-Akademie, welche den Prozess seit 2005 begleitet hat. Walter Schneeloch, Präsident des LandesSportBundes Nordrhein-Westfalen und Vorstandsvorsitzender der Führungs-Akademie erklärt im Interview, warum es zuvor so schwierig war Veränderungen anzuschieben und gibt Einblick in die Zusammenarbeit.

 

Welches sind die Eckpfeiler der Neuausrichtung des Verbandes?

 

Walter Schneeloch: Einer der wichtigsten Eckpunkte der Strukturreform liegt in dem zukünftigen Selbstverständnis des LandesSportBundes als Verbundsystem der Fachverbände, der Stadt- und Kreissportbünde und des LSB. Neu daran ist vor allem, dass die Stadt- und Kreissportbünde keine Untergliederungen mehr sind, sondern als stimmberechtigte Mitglieder aufgenommen wurden. Weitere Eckpunkte betreffen die Konzentration auf Kernthemen und Kernaufgaben des LSB, die in der neuen Satzung geregelt sind, die Aufgabenverteilung im Verbund mit den Fachverbänden und Bünden, die Organe und Gremien sowie die Gender-Regelung. Bezüglich der Organe und Gremien konnten wir uns erheblich verschlanken. Zukünftig werden nur noch sechs statt bisher 18 Mitglieder dem Präsidium angehören. Einen Hauptausschuss wird es nicht mehr geben. Bezüglich der Gender-Regelung legt die neue Satzung fest, dass zukünftig im Präsidium und in den neuen Präsidialausschüssen mindestens je zwei Mitglieder dem weiblichen und zwei Mitglieder dem männlichen Geschlecht angehören. Insgesamt kann man sagen, dass die Strukturreform eine wesentlich effizientere Arbeitsweise ermöglichen wird.

 

Nachdem frühere Reformversuche in Eigenregie weniger erfolgreich war, wurde die Führungs-Akademie mit der Moderation und Koordination beauftragt. Warum war es so schwierig, in Eigenregie eine Strukturreform anzustoßen?

 

Walter Schneeloch: Der LSB hat schon in der Vergangenheit mehrfach vergeblich versucht, eine neue Struktur auf den Weg zu bringen und ihn für die Zukunft fit zu machen. Aber der Prophet und auch der Reformator gelten nichts im eigenen Land. Der LSB besteht seit 60 Jahren und in dieser Zeit war auch seine Struktur immer gleich. Es gelang einfach nicht, die Entscheidungsträger zu überzeugen. Solche Prozesse tun natürlich einigen auch weh. So ein Umstrukturierungsprozess kann nur mit externer Moderation und externen Beratern und Experten gelingen.

 

Welche Vorteile bot die Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie?

 

Walter Schneeloch: Wir brauchten eine Beratung, die im Sport angesiedelt ist. Eine herkömmliche Unternehmensberatung weiß einfach zu wenig über die spezifischen Bedürfnisse eines Sportverbandes. Die Entscheidung für die Führungs-Akademie hatte daher nichts damit zu tun, dass ich deren Vorstandsvorsitzender bin. Aber die Führungs-Akademie hat das notwendige Know-how in diesem Bereich. Die Führungs-Akademie hat die Möglichkeit, in ganz unterschiedlichen Bereichen Experten hinzuzuziehen, wie etwa in Bezug auf Satzungsfragen, wo wir sehr von Stefan Wagner profitiert haben. Man selbst schmort sehr im eigenen Saft. Analysen von außen können wesentlich schonungsloser sein. Wenn man sich selbst analysiert, dann versucht man möglichst gut auszusehen und ist nicht wirklich objektiv. Von außen ist es auch leichter Vorschläge anzubringen, die dem einen oder anderen weh tun können. Schließlich ist eine Strukturreform kein Wunschkonzert, bei dem es um persönliche Empfindlichkeiten geht. Die Zukunftsfähigkeit ist das Ziel.

 

Wie sah die konkrete Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie aus?

 

Walter Schneeloch: Wir haben in 2005 mit der Analyse begonnen und uns etwa ein halbes Jahr lang genau zusammengetragen, wie wir arbeiten, wie die Gremien aussehen, welche Arbeitsgruppen und welche nachträglichen Konstrukte es gibt, die ich Bypässe nenne. In dieser Diagnosephase, die bis Ende 2005 ging, wurden wir von der Führungs-Akademie vor allem befragt. Dann, in der Konzeptionsphase, entwickelte die Führungs-Akademie bis Herbst 2006 Vorschläge, die das Präsidium danach diskutiert hat und in einem eigenen Konzept verarbeitete. Wir sind zum Beispiel der Frage nachgegangen, ob der Präsident hauptberuflich oder, wie bisher, ehrenamtlich sein sollte. Wir haben letztendlich entschieden, beim Ehrenamt zu bleiben, aber das Hauptamt stärker in die Pflicht zu nehmen.

 

Schließlich war ein wichtiger folgender Part, die neuen Ideen zu kommunizieren. Niemand sollte uns den Vorwurf machen können, dass die Umstrukturierung in einem Hauruck-Verfahren vonstatten ging. Ich selbst habe sehr viele persönliche Gespräche geführt, um zu sehen, wie weit uns die Mitglieder folgen würden und wo wir Verständigung brauchten. Wir haben immer wieder unsere Kompromissbereitschaft gezeigt und Veränderungen möglich gemacht.

 

Gab es auch interne Widerstände gegen die Neuerungen?

 

Walter Schneeloch: Es gab teilweise erhebliche Widerstände. Für viele Verbandsvertreter lag ein Problem darin, dass die Stadt- und Kreissportbünde nun Mitglied werden sollten. Den Stadt- und Kreissportbünden war ihr Gewicht nicht groß genug. Die Großvereine kämpften um ihr Mitbestimmungsrecht über ihren bisherigen Beirat.

 

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der Strukturreform?

 

Walter Schneeloch: Wir stehen ja noch am Anfang. Der Prozess der Struktur- und Organisationsentwicklung ist durch die Verabschiedung der neuen Satzung auf dem richtigen Weg. Wir haben ein hervorragendes Ergebnis von 95 Prozent Zustimmung erreicht. Dabei muss ich insbesondere vor denjenigen Kolleginnen und Kollegen den Hut ziehen, die eine verkürzte Amtszeit des Präsidiums in Kauf nehmen, obwohl klar ist, dass sie hinterher darin keine Funktion mehr haben werden.