Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Nachrichten - Details

30. Juni 2015

„Es gab viele tolle Momente und spannende Aufgaben“ Interview mit Gabriele Freytag zum Wechsel von der Führungs-Akademie zum Senat von Berlin

Nach mehr als 20 Jahren, in denen Gabriele Freytag für die Führungs-Akademie zunächst als Wissenschaftliche Referentin, später als stellvertretende Direktorin und ab 2008 als Direktorin im Einsatz war, wird sie die Führungs-Akademie verlassen und sich in Berlin einer neuen Aufgabe stellen. Ab 1. Juli übernimmt sie in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport die Referatsleitung Standortmarketing und Sportentwicklung.

Ein Wechsel nach mehr als zwei Jahrzehnten Arbeit und Engagement für die Führungs-Akademie und damit für den organisierten Sport öffnet nicht nur den Blick für neue Aufgabenfelder und Gestaltungsmöglichkeiten in der Sportverwaltung eines Bundeslandes, sondern bietet auch eine gute Gelegenheit, einen Blick zurückzuwerfen auf die eigene Entwicklung wie auf den Weg, den die Führungs-Akademie in dieser Zeit eingeschlagen hat.

 

RED.: Frau Freytag, was hat Sie 1992 bewogen, sich bei der Führungs-Akademie – die sich damals noch unter dem etwas sperrigen Namen Führungs- und Verwaltungsakademie (FVA) – Willi-Weyer-Akademie“ präsentierte, zu bewerben?

G. FREYTAG: Als klassische Vereinssportlerin habe ich das Wettkampfwesen eines Sportverbandes über Jahre miterlebt. Ich war selber als Übungsleiterin aktiv und hatte zudem im Rahmen meines Studiums der Sportökonomie an der Universität Bayreuth – damals der erste Studiengang seiner Art, der Sportpraxis mit betriebswirtschaftlichem Know-how kombiniert hat – u. a. ein Praktikum in einer Verbandsgeschäftsstelle geleistet. Zudem war ich als deutsche Vertreterin bei der Internationalen Olympischen Akademie in Griechenland intensiver mit der Olympischen Bewegung in Kontakt gekommen. Da hat mich die Ausschreibung für eine Wissenschaftliche Referentenstelle im organisierten Sport mit Veranstaltungen mit Teilnehmer(inne)n aus dem ganzen Bundesgebiet und auch mit internationalen Foren sehr angesprochen.

RED.: Was hat das Profil der Akademie zu den Berliner Zeiten geprägt?

G. FREYTAG: Zu Beginn meiner Tätigkeit war die Arbeit der Akademie zum einen durch Aus- und Weiterbildungen, und da vor allem durch die Lizenz-Ausbildung zum Vereinsmanager (die anfangs noch Organisationsleiter-Ausbildung hieß und immer über eine ganze Woche ging), geprägt. Zum anderen war die „FVA“ mit einem umfangreichen Projekt zum Aufbau demokratischer Vereinsstrukturen in den neuen Bundesländern betraut. Drei Jahre nach dem Mauerfall – mitten in Berlin gelegen und damit auch mitten im Zentrum des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs – übernahm die Akademie damit im Prozess des Zusammenführens zweier unterschiedlich Sportsysteme eine wichtige Rolle.

RED.: Ein wichtiger Einschnitt für die Führungs-Akademie war der Wechsel von Berlin nach Köln im Jahr 2003, der durch den Wegfall der Förderung durch das Land Berlin notwendig geworden war. Welche Auswirkungen hatte der Wechsel auf die Arbeit der Akademie?

G. FREYTAG: Zunächst mussten in Köln beinahe komplett neue Strukturen aufgebaut werden. Sowohl der Mitarbeiterstamm als auch die Inhalte der Arbeit änderten sich doch erheblich. Die Akzeptanz für neue Seminare am neuen Standort galt es erst wieder aufgebaut werden. Der Wegfall der Bezuschussung für die Vereinsmanager-Ausbildung und wenig später auch der Ausstieg der Führungs-Akademie aus der Lizenzausbildung veränderten das Profil im Bereich der Weiterbildung. Gleichzeitig wurde die FA aber auch mobiler und das noch in Berlin zunächst langsam angeschobene Geschäftsfeld der Verbandsberatung nahm Dynamik auf. Wir gingen damit auch mehr auf die Mitgliedsorganisationen zu.

RED.: Was zählt zu Ihren persönlichen Highlights in 23 Jahren Tätigkeit der FA?

G. FREYTAG: Es gab viele tolle Momente und spannende Aufgaben – und manchmal auch unerwartete Erfolge. Einzelne herauszugreifen fällt mir da gar nicht leicht. Etwas Besonderes war z.B. wenn es gelungen ist, in der Konzeption und Durchführung von Veranstaltungen besondere Noten zu setzen, wie der bei der Tagung „Kirche und Sport“ gemeinsam mit allen Teilnehmer(inne)n intonierte Bildungskanon, oder eine Open Space Veranstaltung mit über 100 Teilnehmer(inne)n durchzuführen. Dazu gehören auch die Führungskräfte-Programme für die Generalsekretäre der Spitzenverbände, die zu sehr tragfähigen kollegialen Netzwerken geführt haben. Eine besondere Bedeutung hatte sicher auch der erste umfangreiche Organisationsentwicklungsprozess beim Landessportbund Nordrhein-Westfalen, der sich als Grundstein für die erfolgreiche Aufstellung des LSB erwiesen hat. Und last but not least möchte ich hier auch das Projekt zur Neupositionierung des Deutschen Sportabzeichens mit allen damit verbundenen Herausforderungen nennen. Unabhängig von einzelnen Highlights: Für die vielfältige Unterstützung und angenehme Zusammenarbeit während meiner ganzen Zeit an der FA, für die spannenden Diskussionen, für viele heitere Erlebnisse und prägende Begegnungen bleibe ich allen Wegbegleitern über mein Ausscheiden hinaus dankbar.

RED.: So wichtig und oftmals auch notwendig ein Blick zurück ist, mindesten genauso spannend ist der Blick, auf das, was einen erwartet und auf das, was man in der neuen Funktion bewegen möchte. Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihrer neuen Rolle beim Senat von Berlin?

G. FREYTAG: Berlin ist für mich eine besondere Stadt, nicht nur aufgrund ihrer Größe, sondern auch mit ihrer ganzen Vielseitig- und Vielschichtigkeit. Sie hat sich mit zahlreichen sportlichen Großereignissen international profiliert. Zudem ist sie – wenn man z.B. in den öffentlichen Räumen und auf den Sportflächen sieht, welche Sportkultur sich dort entwickelt – Trendsetter für die Sportentwicklung.

Sportbegeisterung nicht nur als Zuschauer ausleben zu können, sondern auch Begeisterung und Motivation für das eigene Sporttreiben in der Berliner Bevölkerung auszubauen und dafür die Rahmenbedingungen zu gestalten, finde ich eine sehr spannende Aufgabe.

RED.: Vielen Dank für das Gespräch und vor allem auch: Viel Glück und alles Gute für Berlin!