Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Nachrichten - Details

20. Dezember 2005

Betriebswirtschaftliche Orientierung der Verbände - Ergebnisse der Befragung von Sportverbänden

In Zusammenarbeit der Führungs-Akademie des DSB und der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel (Sportmanagement; Leitung: Prof. Dr. Ronald Wadsack) wurden insgesamt 35 Sportverbände (Bundesfachverbände, DSB) befragt. Damit wurde eine sehr gute Rücklaufquote von ca. 60 % erreicht. In den Antworten waren Großverbände wie der Deutsche Turner-Bund oder der Deutsche Fußball-Bund genauso vertreten wie der Deutsche Rugby-Verband.

 

Leitender Gedanke der Erhebung war, mehr über den Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente in der Verbandsführung zu erfahren. Besonders in den Veranstaltungen der Führungs-Akademie hatten sich sehr unterschiedliche Situationen bei den Verbänden gezeigt. Auf der anderen Seite ist die wirtschaftliche Situation für die meisten Verbände nicht einfach und Instrumente und Vorgehensweisen aus dem Management von Wirtschaftsbetrieben haben in angemessener Form ihre Berechtigung und sogar Notwendigkeit für die Verbandsführung.

 

So wurde die Wichtigkeit der "wirtschaftlichen Verbandsführung" auch in der Frage der Erfolgsfaktoren für die Verbandsarbeit (TOP-2: 100 %) noch vor der "Mitgliederzufriedenheit" (94,3 %) und dem "sportlichen Erfolg" (91,4 %) bewertet. Schaut man jedoch in die einzelnen Ergebnisse um zu sehen, inwieweit dieser Anspruch mittlerweile seinen Niederschlag in der Verbandsarbeit gefunden hat, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den teilnehmenden Verbänden.

 

Zu erwartende Standardinstrumente, wie Controlling, Liquiditätsplanung, kaufmännische Buchführung oder Budgetierung haben eine hohe Verbreitung. Umfang und Intensität des Einsatzes kann jedoch noch deutlich variieren, wie die Erfahrung aus Veranstaltungen der Führungs-Akademie zeigt.

 

Instrumente wie Projektmanagement, Kostenträgerrechnung und Deckungsbeitragsrechnung scheinen dagegen in deutlich weniger Verbänden zum Führungs-Werkzeug zu gehören. Dies erstaunt, da es sich dabei um etablierte und auch im Nonprofit-Bereich bekannte Instrumente handelt. Noch mehr erstaunt, dass nur 47,1 % der befragten Verbände (n=34) sich zu einem vorliegenden schriftlichen Sponsoringkonzept bekennen.

 

Die in den letzten Jahren auch im Sport aufkommende Balanced Scorecard als Strategie- und Zielkontrolle sowie das Umfassende Qualitätsmanagement haben nur eine sehr geringe Verbreitung. Das dies - zwar in etwas geringerem Maße - auch für Risikomanagement gilt, erstaunt auf Grund des wirtschaftlichen Umfeldes der heutigen Verbandarbeit schon.

 

Diese Einschätzung wird durch die Ergebnisse auf die Frage nach den Perspektiven der Verbandsarbeit bis zum Jahr 2010 unterstützt. Die Auswirkungen der finanziellen Situation auf die Bedingungen des Verbandes wird mit 68,6 % (TOP-2, n=35) deutlich hervor gehoben. Die Notwendigkeit der Vermarktung von Leistungen gegenüber den Mitgliedern erreicht einen ähnlich hohen Wert (65,7 %), die Präsentation als Dienstleister gegenüber den Mitgliedern (60,0 %) oder die Überprüfung der Verbandsstrukturen im Hinblick auf ihre Funktionalität (62,9 %).

 

Die Bearbeitung der mit diesen Perspektiven verbundenen Aufgaben der Verandsführung kann mit betriebswirtschaftlichen Instrumenten in jedem Fall sinnvoll unterstützt werden. Insofern ergeben sich daraus unmittelbar Anforderungen für den Qualifikationsbedarf und die Qualifikationsangebote für Verbandsmitarbeiterinnen und Verbandsmitarbeitern.

 

Prof. Dr. Ronald Wadsack, Salzgitter