Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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18. Dezember 2013

Felix Arnold, Vorstandsvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh), zum neuen Leitbild des Verbandes

Um für alle Ebenen des Verbandes und die Hochschulsporteinrichtungen vor Ort einen verlässlichen Rahmen für die strategische Ausrichtung und das Handeln zu schaffen, hat der adh, unterstützt durch die Führungs-Akademie, im Rahmen eines breit angelegten Strukturprozesses im Jahr 2013 ein neues Leitbild entwickelt.

Im Gespräch mit dem FA-Newsletter nimmt Felix Arnold – gerade als erster Student seit 50 Jahren an die Spitze des adh gewählt – Stellung zum neuen Leitbild des adh und zur Entwicklung eines modernen, die aktuellen Herausforderungen des Sports im speziellen Umfeld der Hochschullandschaft aufgreifenden Sportverbandes.

RED:   Als Sprecher der Strukturkommission waren Sie von Beginn an mitverantwortlich für einen Diskussionsprozess, der mit der Annahme eines neuen Leitbildes auf der adh-Vollversammlung ein überzeugendes Ergebnis gefunden hat. Was war der Ausgangspunkt für den adh, einen strukturierten Diskussionsprozess, in den alle Bereiche des Verbandes einbezogen wurden, in Gang zu setzen?

F. ARNOLD: Es waren verschiedene Aspekte entscheidend. Die veränderten Rahmenbedingungen an den Hochschulen, die der Bologna-Prozess mit sich bringt, wirken sich nicht nur auf die Hochschulen, sondern natürlich auch auf den Hochschulsport insgesamt und die einzelnen Einrichtungen vor Ort aus. Besonders zu betrachten ist die Situation der Personen, die unsere Arbeit gestalten, sprich die Ehrenamtlichen. Durch die zunehmende Verschulung des Studiums sahen wir die Notwendigkeit über unsere Partizipationsstrukturen zu sprechen und den adh entsprechend zukunftsfähig zu machen.

RED.:  Was waren – vor dem Hintergrund der heterogenen Mitgliederstruktur von sehr großen und kleinen Hochschulen mit unterschiedlich verankerten Hochschulsportstrukturen, dem studentischen Engagement und den hauptberuflichen Mitarbeiter(inne)n sowie der bewegten Geschichte des adh – die größten Diskussionspunkte?  

F. ARNOLD:   Wir haben zu Beginn des Prozesses eine Analyse verschiedener Teilbereiche des Verbands vorgenommen. Da zählte die Situation der kleinen Hochschulen ebenso dazu wie die Studierenden und die Gremienstruktur des Verbands. Währenddessen machten wir gewisse prozessuale Schwachstellen aus und restrukturierten daraufhin unseren Prozess und entschieden uns, aufbauend auf den Analysen ein Leitbild zu entwickeln. Der Weg hin zu einer neuen Prozessarchitektur war sehr spannend und intensiv. Hier haben wir auch richtungsweisende Entscheidungen getroffen, die unseren Prozess positiv beeinflusst haben. In der unmittelbaren Entwicklung des Leitbilds sind sehr viele Themen intensiv diskutiert worden und es fällt mir schwer, hier einzelne Aspekte hervorzuheben. Es sind noch einige Themen im Koffer, die noch nicht abschließend diskutiert worden sind.

RED.:  Der adh, dem aktuell 190 Hochschulen mit rund 2,4 Millionen Studierenden und 550.000 Beschäftigten angeschlossen sind, ist nicht nur Teil der Sportlandschaft, sondern auch Teil der akademischen Hochschullandschaft. In beiden Bereichen gibt es derzeit sehr viel Bewegung. Worin liegen die besonderen Herausforderungen für ein Leitbild, das beiden Bereichen gerecht wird?

F. ARNOLD: Natürlich darin, genau diesem beschriebenen Spagat gerecht zu werden. Der adh versteht sich gleichermaßen als Sportverband und Hochschulverband. Wir haben unser Leitbild so geschrieben, dass es sowohl für den Verband im engeren Sinne gilt, als auch für die Hochschulsporteinrichtungen in den Hochschulen. Die Entwicklungen beider Systeme zu berücksichtigen ist eine besonders spannende Aufgabe. Da alle Beteiligten diesen Spagat täglich leben, ist uns das hervorragend im Leitbild gelungen. Spannend wird dann die Umsetzung in konkrete Maßnahmen und Strukturen, da ist noch mehr Fingerspitzengefühl von Nöten. Hier werden auch die Besonderheiten der beiden Systeme noch stärker zum tragen kommen. 

RED.:  Was nehmen Sie für sich in Ihre neue Rolle als Vorsitzender des adh aus dem Leitbildprozess mit?

F. ARNOLD:  Für mich war und ist dieser Prozess sehr wertvoll. Ich bin erst seit knapp zwei Jahren im adh dabei und bekomme durch diesen Prozess die Möglichkeit, ganz viele Diskussionen zu führen und damit erhalte ich auch einen tiefen Einblick in den Verband. Besonders spannend war es, die Kommunikationsschleifen nach dem ersten Entwurf des Leitbilds zu führen und zu beobachten. Da habe ich sehr viel gelernt. Zudem wurde mir die Bedeutung der Strukturkommission sehr bewusst. 

Für die kommenden zwei Jahre gibt es nichts Wichtigeres für unseren Verband als diesen Prozess!

Zudem sehe ich eine große Chance für unseren Verband einen Studierenden als Vorstandsvorsitzenden zu haben. Durch die zahlreichen teils Grundsatzdiskussionen habe ich die Möglichkeit, die Perspektive unserer Hauptzielgruppe, der Studierenden, stärker an dieser Stelle einzubringen und nachhaltig zu verankern. Das nehme ich nicht nur in die zweite Hälfte des Prozesses mit, sondern auch in alle anderen Bereiche meines Amts.

RED.:  Mit der Entwicklung des Leitbildes ist die erste Phase abgeschlossen. Der Diskussionsprozess wird aber weitergeführt. Welche Schritte sind als nächstes geplant?

F. ARNOLD:  Jetzt gilt es das Leitbild in die Praxis zu bringen. Das bedeutet Handlungsfelder, Strategien und Maßnahmen abzuleiten bzw. zu entwickeln. Die Zeitschiene dafür ist mit der Vollversammlung im Jahr 2015 eine durchaus sportliche. Aber schließlich sind wir alle Sportler(innen) und somit dieser Aufgabe gewachsen. Wichtig wird sein, unsere Mitglieder noch stärker in diesen Prozess einzubeziehen und an den Diskussionen zu beteiligen. Das wird eine Herausforderung der besonderen Art, aber ich bin mir sicher, dass wir im November 2015 auf ein fertiges Produkt schauen können, das uns alle begeistern wird!