Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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10. Mai 2007

Transparent und effizient - neue Satzung für den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen

 

Bild oben: Carsten Jaksch-Nink, Bild unten: Her­mann Korf­macher

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen e.V. (FLVW) hat am 21. April 2007 seine neue Satzung mit überwältigender Mehrheit verabschiedet. Begleitet wurde der Umstrukturierungsprozess seit Herbst 2006 von der Führungs-Akademie. Im Interview geben der Präsident des Verbandes, Hermann Korfmacher, sowie Verwaltungsdirektor Carsten Jaksch-Nink Einblick in die Arbeit der vergangenen Monate.

 

Was gab den Ausschlag, die Satzung des Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen zu ändern?

 

Hermann Korfmacher: Wir haben uns schon lange mit der Situation auseinandergesetzt. Es gab viele Gründe, in die Zukunft zu schauen: Dazu zählt zum Beispiel der demographische Wandel, der dazu führt, dass in Zukunft weniger Menschen Fußball spielen werden. Zudem hatten wir im FLVW sehr viele Gremien, die trotz veränderter Voraussetzungen über die Jahre Bestand hatten. Auch unser Geschäftsführendes Präsidium mit sechs Personen und das Präsidium mit 14 Vertretern entsprach schon lange nicht mehr der Aufgabenstruktur des Verbandes. Im Beirat tagten wir mit 60 Personen, auf dem Verbandstag trafen 460 Delegierte zusammen. Ein effektives Arbeiten war so kaum möglich. Ein weiterer Aspekt: Mit der Kürzung öffentlicher Gelder wurden Kosteneinsparungen dringend notwendig, etwa im Bereich von Fahrtkostenzuschüssen und Tagegeld.

 

Wie ist die neue Satzung des Verbandes aufgebaut?

 

Hermann Korfmacher: Unsere neue Satzung sieht eine sehr schlanke Verbandsführung vor. Der Präsident steht an oberster Stelle und führt das Thema Qualifizierung an, daneben gibt es je einen Vizepräsidenten für die Bereiche Fußball, Leichtathletik und Breitensport. Insgesamt ist die neue Satzung wesentlich transparenter und die einzelnen Sparten des Vereins können eigenständiger arbeiten.

 

Herr Jaksch-Nink, welchen Einfluss hat die neue Satzung auf Ihre eigene Tätigkeitsbeschreibung als Verwaltungsdirektor des Verbandes?

 

Carsten Jaksch-Nink: Es gab sehr große Veränderungen. In der vergangenen Verfassung war der Verwaltungsdirektor nur beratend. Mit der neuen Verfassung habe ich als Präsidiumsmitglied auch eine Stimme. Damit gibt es eine direkte Verknüpfung zwischen Haupt- und Ehrenamt, bzw. der ehrenamtlichen Führung und der hauptamtlichen Geschäftsstelle des Verbandes.

 

Ab welchem Zeitpunkt der Überlegungen wurde die Führungs-Akademie in den Wandlungsprozess einbezogen? Und warum schien es notwendig außen stehende Fachkräfte einzubeziehen?

 

Hermann Korfmacher: Nachdem wir unsere Gedankengänge gegliedert hatten und Einigkeit herrschte, dass wir eine ranke, schlanke Satzung benötigen, die jeder lesen kann, ganz nach dem Motto "Alles was nicht in der Satzung steht ist gut", haben wir die Führungs-Akademie eingeschaltet.

 

Carsten Jaksch-Nink: Wir wussten, dass wir einen solchen Prozess nicht eigenständig gestalten können. Durch einen vorherigen Kontakt mit Frau Freytag wussten wir, dass sie ein Gespür für das Verbandsleben hat. Mit Herrn Wagner konnten wir zudem auf einen absoluten Satzungsexperten zählen.

 

Wie sah die Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie konkret aus?

 

Carsten Jaksch-Nink: Wir haben zunächst eine Strukturkommission gebildet mit Verantwortlichen aus allen Bereichen. Diese hat die Kernarbeit geleistet und Vorschläge erarbeitet. In der Lenkungsgruppe haben wir die Vorlage dann zur Beschlussfassung vorbereitet. Die Zusammenarbeit war sehr kooperativ und konstruktiv. Es gab keine vorgefertigten Strickmuster und wir haben sehr tiefgehende Gespräche geführt, die Spezifika des Verbandes thematisiert und daraufhin ein Satzungsmodell entwickelt. Die Führungs-Akademie hat den Prozess der Veränderungen moderiert, ohne dass sie zwanghaft etwas vorgegeben hat. Frau Freytag hat uns diskutieren lassen und darauf geachtet, dass unsere Auseinandersetzung zum Ziel führte. Sie war es auch, die die neue Verfassung dem Verbands-Beirat sehr kompetent vorgestellt hat.

 

Hermann Korfmacher: Ich kann nur bestätigen, dass das Miteinander von Anfang an sehr gut war und die Zusammenarbeit sehr konstruktiv. Frau Freytag hat alle Sitzungen geleitet und das war sehr hilfreich für uns. Der gesamte Prozess hatte auch eine sehr emotionale Komponente, denn es war klar, dass nicht alle Verantwortlichen ihre Positionen behalten werden. Frau Freytag war von Anfang an völlig neutral. Bei einer internen Person schwingt immer die Frage danach mit, ob diese Person sich vielleicht auch eigene Vorteile erhofft.

 

Gab es auch Widerstände bei der Einführung der neuen Satzung?

 

Carsten Jaksch-Nink: Natürlich gab es auch Widerstände. Neuerungen bedeuten ja auch immer, dass Einflussmöglichkeiten und lieb gewordene Tätigkeiten genommen werden. Insgesamt muss man jedoch den Mut aller Beteiligten würdigen, sich auf die Veränderungen einzulassen. Alle persönlichen Interessen wurden hinten angestellt. Schließlich wurde am 21. April die neue Satzung mit nur einer Gegenstimme verabschiedet. Ich denke, dass ist ein sehr großer Erfolg.

 

Wird es eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie geben?

 

Carsten Jaksch-Nink: Die neue Satzung muss jetzt mit Leben gefüllt werden und das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Gremien muss sich neu finden. Wir werden diesen Prozess sicherlich noch einmal gemeinsam mit der Führungs-Akademie reflektieren.

 

Hermann Korfmacher: Die Führungs-Akademie wird mit Sicherheit auch in Zukunft eine wichtiger Partner des Fußball und Leichtathletik-Verbandes Westfalen sein. Auch das ist ein wichtiges Fazit, dass ich aus der Zusammenarbeit mit Frau Freytag und Herrn Wagner gezogen habe. Es gibt verschiedene Themen, wie etwa die Zukunft der Vereine, die für uns eine große Relevanz haben werden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir das ein oder andere Seminar zu unterschiedlichen Themen durchführen werden.