Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Nachrichten - Details

07. Mai 2007

Fundraising für den Sport? Möglichkeiten und Grenzen eines lange vernachlässigten Themas zur Finanzierung im Sport (Prof. Dr. Ronald Wadsack)

Einschlägige Statistiken, wie den Spendenmonitor oder die Zahlen des Deutschen Spendenrates, beschreiben das Sammeln von Spenden als eine Erfolgsstory für gemeinnützige Organisationen. Für den Erhebungszeitraum 2006 werden 3,4 Mrd. Euro als das Spendenvolumen genannt, das an gemeinnützige Organisationen geflossen ist. Und da größere Naturkatastrophen als typischer Auslöser von Spenden in dem Zeitraum nicht vorkamen, ist das eine Zahl, die nicht zuletzt auch als Erfolg der Fundraising betreibenden Organisationen gesehen werden kann.

 

Gingen die Gelder an alle gemeinnützigen Organisationen? Sie gingen an viele, sicher zum Teile auch an den Sport. Allerdings fällt der Sport bei der Statistik der Spendenverteilung in der Regel unter "sonstige Organisationen", da er - seinem Anspruch als größte Personenvereinigung in Deutschland zum Trotz - dieses Thema bislang nicht angemessen besetzt hat. Humanitäre Hilfe, Kultur- und Denkmalschutz, Umweltschutz und Tierschutz sind die großen Themen für den Spendenfluss. Und dies auch nicht ohne Grund! Abgesehen von der gesellschaftlichen Relevanz dieser Themen haben die betreffenden Organisation schon seit langer Zeit die Professionalisierung der Fundraising-Arbeit voran getrieben.

 

Wenn der Sport dieses Segment der Einnahmenerwirtschaftung für sich erschließen will, ist es eine dringende Notwendigkeit, den immensen Vorsprung der anderen Non-Profit-Organisatio¬nen rasch aufzuarbeiten. Die Chancen hierfür stehen gut, schließlich ist die gesellschaftliche Relevanz und das Image des Sportes eine sehr gute Basis für Fundraising. Und ganz so unerfahren ist der Sport ja auch nicht, wie z.B. die guten Ergebnisse der Stiftung Deutsche Sporthilfe als ebenso relevante wie wichtige Fundraising-Organisation zeigen.

 

Warum tut sich der Sport mit dem Thema "Fundraising" so schwer?

 

Aus meiner Sicht gibt es darauf vor allem folgende Antworten:

  • Durch die lange Zeit enge Kopplung an die Unterstützung aus öffentlichen Kassen ist man im Sport von der Suche nach und der Auseinandersetzung mit alternativen Einnahmequellen entwöhnt worden.
  • Das Aufkommen des Sponsoring im Sport führte bis in die untersten Vereinsebenen zu einer Fixierung auf dieses Wunderding der Einnahmenerwirtschaftung.
  • Das Management in vielen Sportvereinen und -verbänden ist von seiner Arbeitskapazität so eng ausgelegt, dass die grundlegende Erschließung eines neuen Tätigkeitsfeldes, wie des Fundraisings z.B., in den Hintergrund geriet.

 

Ein großes Hindernis war darüber hinaus, dass der fundierte Einstieg in das Fundraising nicht besonders leicht ist, sondern durchaus auch mit Aufwand verbunden ist. Schlüssige Fundraisingkonzepte müssen erstellt und vor allem konsequent umgesetzt werden. Und bevor Erfolge erzielt werden können, muss zunächst sowohl Zeit investiert als auch ein fachspezifisches Marketing-Know-How - sofern es nicht schon entwickelt wurde - aufgebaut werden.

 

Die positiven Beispiele im Sport - die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist dabei ja nur das bekannteste - zeigen indes, dass sich der Aufwand in jedem Falle lohnt und mit dazu beitragen kann, die Finanzierungsbasis zu erweitern und damit sicherer zu machen.