Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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26. März 2007

Führungs-Akademie bei größtem Forschungsvorhaben zur kommunalen Sportentwicklung in Deutschland dabei

Prof. Dr. Christian Wopp, Sportwissenschaftler an der Universität Osnabrück, leitet das bis dato größte Forschungsvorhaben in der deutschen Geschichte zur kommunalen Sportentwicklung. Beauftragt vom Senat von Berlin untersucht Prof. Wopp mit einem Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, wie sich der Sport in der Hauptstadt in den kommenden Jahren entwickeln wird. Bestandteil der Studie ist auch die Entwicklung eines Leitbildes, in das die Führungs-Akademie (FA) des DOSB in Person von Vize-Direktorin Gabi Freytag eingebunden ist. Voraussichtlich im September 07 wird die Führungs-Akademie dieses Projekt ausführlich in einer Veranstaltung zur Sportentwicklungsplanung vorstellen. Informationen zur Veranstaltung werden im Mai veröffentlicht. Interessenten können sich bereits vormerken lassen.

 

 

Herr Professor Wopp, können Sie zunächst einmal die Rahmendaten wie Volumen, Dauer, etc, dieses Forschungsvorhabens ein wenig erläutern?

 

Das Projekt hat eine Laufzeit von genau einem Jahr. Es endet am 31.08.2007. In dem Projekt arbeiten sehr viele studentische Hilfskräfte, Stadtplaner/-innen und Wissenschaftler/-innen zusammen. Hinzu kommen Hilfen durch die Berliner Senatsverwaltung, die mehrere Personen mit der Betreuung des Projekts beauftragt hat.

 

Das Projekt untergliedert sich in vier unterschiedliche Bereiche, können Sie diese nennen und inhaltlich anreißen?

 

In einer Bevölkerungsbefragung wollten wir wissen, wie sportlich die Berliner/-innen sind. Dazu wurden 30.000 Fragebögen in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Landesamt verschickt. Der Rücklauf liegt bei über 40%, was in einer Großstadt wie Berlin schon sensationell ist. Erste Ergebnisse werden im April vorliegen.

In einer Arbeitsgemeinschaft, der Vertreterinnen und Vertreter aus den Sportorganisationen, der gewerblichen Sportanbieter, von Verwaltungen, Hochschulen und nicht organisiert Sporttreibenden angehören, wird ein Leitbild für den Sport in Berlin entwickelt. Dieses Leitbild enthält nicht nur schöne Formulierungen, sondern auch zahlenmäßig genaue Angaben über den Sport, wie er in Berlin im Jahr 2020 sein soll.

In den drei Pilotbezirken Mitte, Pankow und Lichtenberg führen wir modellhaft eine Sportentwicklungsplanung durch. Mit Hilfe eines dialogischen Verfahrens versuchen wir nicht nur Probleme zu analysieren, sondern auch zu lösen.

Schließlich versuchen wir noch ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich der zukünftige Bedarf an Sporträumen ermitteln lässt. Dabei haben wir nicht nur die traditionellen Sportanlagen im Blick, sondern auch Parks, Bolzplätze oder Schulhöfe, die zunehmend häufiger für sportliche Aktivitäten genutzt werden.

 

Bei der Entwicklung des Sportleitbildes für Berlin beteiligt sich die Führungs-Akademie. Warum?

 

Die Akademie übernimmt vor allem vorbereitende und moderierende Funktionen. Das ist besonders deshalb hilfreich, weil in der Akademie ein sehr guter Überblick zu den Sportentwicklungen besteht und gleichzeitig die Moderationsverfahren fachkompetent eingesetzt werden.

 

Die Studie belässt es nicht „nur“ bei Handlungsempfehlungen sondern wird in drei Modellbezirken in Berlin auch Ergebnisse der Studie konkret umsetzen. Wie wird das aussehen?

 

Wir haben uns dazu, auf einige besonders drängende Problemfelder konzentriert, wie z. B. den geplanten Abriss von Sportanlagen, Anliegerkonflikte bei Sportfreiflächen oder die Ausweitung von Sportangeboten in sozialen Brennpunkten. Es sollen Spielregeln entwickelt werden, wie mit solchen Problemen zukünftig umgegangen werden kann. Zukünftig sollen diese Spielregeln zur Anwendung kommen.

 

Ziel der Studie ist ein modellhafter Leitfaden zur Sportstättenentwicklungsplanung, der auf alle Kommunen in Deutschland angewendet werden kann. Wo liegen dabei für sie die Herausforderungen und wann wird dieser Leitfaden vorliegen?

 

Die Schwierigkeit besteht darin, dass es zurzeit kein Verfahren zur Sportstättenentwicklungsplanung gibt, dass einfach zu handhaben, für Laien nachvollziehbar und lösungsorientiert ist. Dieses Defizit versuchen wir bis zum August 2007 mit der Vorlage eines Modells zu beheben.