Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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19. Mai 2014

Im Interview: Dr. Martin Engelhardt, Präsident DTU

Triathlon hat in Deutschland eine sehr dynamische Entwicklung erlebt. Kennzeichen sind u.a. steigende Mitgliedszahlen ebenso wie eine Zunahme professionell organisierter Rennen in ganz Deutschland. Um dies auch für die Zukunft zu sichern hat das Präsidium der Deutschen Triathlon-Union (DTU) einen umfassenden Strategieentwicklungsprozess angestoßen, in dem auch die Landesverbände direkt eingebunden waren. Für den FA-Newsletter erläutert der Präsident der Deutschen Triathlon-Union, Martin Engelhardt, Aufgaben, Ziele und Erwartungen des Prozesses.

RED: Wo sehen Sie für den Verband die größten Herausforderungen? 

M. Engelhardt: Der Sport wird in Deutschland auch weiterhin maßgeblich von ehrenamtlichen Funktionsträgern getragen. In der heutigen Arbeitswelt steht für Menschen, die in einem anspruchsvollen Berufsleben eingespannt sind, die damit verbundene zunehmende Leistungsverdichtung der Ausübung von ehrenamtlichen Funktionen im Wege. Darüber hinaus lässt in der heutigen Zeit leider die gesellschaftliche Anerkennung hinsichtlich der Ausübung eines Ehrenamtes zu wünschen übrig. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in vielen Vereinen und Verbänden, so auch innerhalb der Deutschen Triathlon Union und ihren angeschlossenen Landesverbänden, wichtige Positionen nicht mehr besetzt werden können. 

Um verlässlich die Aufgaben des Verbandes zu erfüllen, müssen wir mit Hauptamtlichkeit in der DTU-Zentrale und zumindest Teilhauptamtlichkeit in den Geschäftsstellen der Landesverbände für eine professionelle Arbeit sorgen. Wenn ehrenamtliche Funktionsträger von Routinetätigkeiten, die viel Zeit beanspruchen, befreit werden, sind sie unter Umständen wieder eher dazu bereit, überschaubare ehrenamtliche Funktionen zu übernehmen. 

RED: Sie haben die Landesverbände direkt in den Strategieentwicklungsprozess eingebunden. Welche Vorteile sehen Sie in diesem Vorgehen?

M. Engelhardt: Damit unser Verband sich erfolgreich weiterentwickeln kann, müssen aus meiner Sicht alle maßgeblichen Entscheidungsträger aus den Landesverbänden in den Strategieentwicklungsprozess eingebunden werden. Gemeinsam müssen wir uns auf die anzustrebenden Verbandsziele und die sich daraus ergebenden Umsetzungsmaßnahmen einigen. Nur wenn es gelingt, möglichst viele Menschen gemeinsam auf einen positiven Weg mitzunehmen, kann das Vorgehen erfolgreich enden. Aufeinander zuzugehen und gegenseitige Zugeständnisse zu machen, sind für das Erreichen der Ziele in der Zukunft von großer Bedeutung. 

RED: Wo haben Sie Gemeinsamkeiten und wo auch Unterschiede in den Vorstellungen zur strategischen Ausrichtung der DTU ausgemacht? 

M. Engelhardt: Bei unserer Klausurtagung Mitte Februar in Weimar gab es hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung der Deutschen Triathlon Union erstaunlicherweise sehr viele Gemeinsamkeiten unter den Vertretern der Landesverbände, des Präsidiums der Deutschen Triathlon Union und den beteiligten hauptamtlichen Personen. 

Wir haben uns auf einige strategische Verbandsziele bis zum Jahr 2020 geeinigt. Diese Ziele werden noch einmal mit Handlungszielen, Zwischenzielen und konkreten Maßnahmen spezifiziert, um einen Prozess zu generieren. Im Sinne der Sache gab es keine unüberwindbaren Konflikte untereinander. 

RED: Wie geht es jetzt weiter im Rahmen des Strategieentwicklungsprozesses? 

M. Engelhardt: Für uns war die externe Begleitung durch Frau Rücker und Frau Freytag von der Führungs-Akademie sehr wichtig. Mit ihrer Erfahrung und Professionalität haben sie die Klausurtagung sehr gut vorbereitet und mit uns gemeinsam zielorientiert durchgeführt. Im Anschluss an die Klausurtagung erfolgte eine professionelle Nachbereitung. 

Jetzt werden wir uns im nächsten Schritt noch einmal in einer kleineren Runde mit den Vertretern der Landesverbände zusammensetzen und das Zukunftskonzept weiter verdichten, insbesondere zur Verständigung auf erste konkrete Maßnahmen. Ziel ist es, dass das gemeinsam erarbeitete Konzept auf dem Verbandstag der Deutschen Triathlon Union am 08.11.2014 im Rathaus des Westfälischen Friedens in Osnabrück verabschiedet wird. In den Folgejahren wird ein kontinuierlicher Evaluationsprozess erfolgen, um zu gewährleisten, dass die Ziele, bspw. auch mit veränderten Rahmenbedingungen, korrespondieren.

RED: Konzeptentwicklung ist das eine, die Umsetzung das andere. Worin sehen Sie Erfolgsfaktoren, um die gemeinsam entwickelten Ziele zu erreichen? 

M. Engelhardt: Zunächst einmal ist es eine große Leistung, wenn es ein Verband schafft, sich auf ein Zukunftskonzept mit gemeinsamen Zielen zu einigen, und dies auch in schriftlicher Form - und damit verbindlich - niederlegt. Die noch größere Herausforderung besteht natürlich dann in der schrittweisen Realisierung der Ziele. Es sollten zwar anspruchsvolle, aber nicht unrealistische Ziele sein. Auf dem Weg zur Erreichung der Ziele sind Zwischenziele sowie ein konkretes Pflichtenheft als geeignete Indikatoren vorgesehen. 

Auch die konkrete Übertragung von Verantwortung auf geeignete Personen wird sicherlich über den Umsetzungserfolg entscheiden. 

Wir sind zuversichtlich, mit einem verständlichen und nachvollziehbaren Zukunftskonzept alle Mitwirkenden mitnehmen und uns auf die vereinbarten Ziele besser konzentrieren zu können. Allein durch diesen Verständigungsprozess und die Verdichtung der Interessen sollten die Ergebnisse positiv beeinflusst werden.

RED: Vielen Dank für das Gespräch!