Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Nachrichten - Details

24. Februar 2011

Im INTERVIEW: „Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer des LSB Thüringen, zu den Zielen der Entwicklung eines neuen Leitbildes für den LSB Thüringen

 

Frage:
Der Landessportbund Thüringen hat sich Ende 2009 die Aufgabe gestellt, ein Leitbild für den organisierten Sport in Thüringen zu entwickeln. “Mitten im Sport“ lautet das Motto des Leitbildes, das beim Hauptausschuss des Landessportbundes Thüringen nun kürzlich verabschiedet wurde. Was war der Anlass für den Landessportbund, den Entwicklungsprozess für ein Leitbild anzugehen?

 

Rolf Beilschmidt:
Vorrangiges Ziel der Überlegungen für ein neues Leitbild des Landessportbundes war der Anspruch, die Sportentwicklung in Thüringen weiterhin erfolgreich und aktiv gestalten zu können und sie nicht dem Zufall zu überlassen. Uns ist sehr bewusst, dass sich in der Zukunft die Rahmenbedingungen für den Vereinssport stark ändern werden bzw. zum Teil auch schon geändert haben. Seien das nun demographische Entwicklungen, der zunehmende Rückgang öffentlicher Förderungen oder eine Individualisierung der Gesellschaft und damit auch des Sporttreibens. Aber auch sportintern müssen wir uns mit einigen Fragestellungen stärker auseinandersetzen ‑ sei es unser struktureller Aufbau, das Zusammenwirken mit unseren Mitgliedsorganisationen oder die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

 

Frage:
Sie haben ‑ z.B. durch das Instrument der Regionalkonferenzen ‑ auf eine breite Beteiligung von Funktionsträgern, Mitgliedern und Mitarbeiter an diesem Leitbildprozess gesetzt. Welche Erfahrungen haben sie mit dem Angebot, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen, bei den unterschiedlichen Gruppen gemacht?

 

Rolf Beilschmidt:
Wir haben mit diesem Instrument durchweg positive Erfahrungen gemacht. Anfangs, das muss ich zugeben, war ich skeptisch, ob die Diskussionsbereitschaft zu einem eher theoretischen Thema groß genug ist. Doch ich habe mich gern eines Besseren belehren lassen und bin sehr froh, dass wir diesen aufwendigen, aber sehr fruchtbringenden Weg, auf dem wir über 150 Vertreter und Vertreterinnen der Thüringer Sportstrukturen mitnehmen konnten, gegangen sind. Sehr viele Anregungen aus den fünf Regionalkonferenzen konnten wir in das Leitbild aufnehmen.

 

Frage:
Kommen wir zu den „handfesten“ Ergebnissen des Prozesses. Was sind für Sie die Kernaussagen des Leitbildes? Was ist vielleicht auch das Spezifische für den organisierten Sport in Thüringen?

 

Rolf Beilschmidt:
Ein wesentlicher, und durchaus auch nicht ganz unumstrittener, Punkt liegt in unserem definierten Sportverständnis. Hier nimmt der Wettkampfsport eine große Rolle ein, ohne dass wir die Motive Gesundheit und Gemeinschaft als wesentliche Beweggründe für das Sporttreiben im Verein außer Acht lassen wollten. Aber wir denken schon, dass im vergleichenden Kräftemessen, in der Freude an der körperlichen Leistung essentielle Wesenszüge des Vereinssports, auch bezogen auf das Land Thüringen, liegen. Außerdem war uns wichtig, unseren Vereinen,  uns selbst, ebenso wie auch anderen Dachorganisationen zu verdeutlichen, dass im Mittelpunkt unseres Handelns und Wirkens die Interessen unserer Sportvereine stehen müssen.

 

Frage
Wie sieht es mit der Umsetzung aus? Welche Perspektiven und Chancen geben Sie dem Leitbild auch über den LSB hinaus?

 

Rolf Beilschmidt:

In welchem Maße es uns gelingen wird, das nun entworfene Leitbild mit Leben zu erfüllen, das wird die Gretchenfrage bleiben. Natürlich hoffen wir, mit dieser breiten Diskussion über unser Selbstverständnis, unsere Werte und unsere Zusammenarbeit und mit der aufgezeigten Notwendigkeit, sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen, auch aktive Entwicklungsprozesse der Verbände und Vereine angeschoben zu haben. Denn Fakt ist doch auch: Nicht was der Zeit widersteht, ist dauerhaft, sondern was sich kluger- und richtigerweise mit ihr ändert. Das Leitbild stellt eine gute Basis dar, sich nun verbands- oder vereinseigene Ziele zu setzen, um gemeinsam eine weiterhin aufstrebende Sportentwicklung in Thüringen aktiv zu gestalten.

 

Frage
Bereits mit dem Einstieg in die Leitbilddiskussion war für Sie klar, dass einem Leitbild noch weitere strategische Überlegungen folgen müssen. Was sind für Sie nun die nächsten wichtigen Aufgaben, die vor Ihnen liegen?

 

Rolf Beilschmidt:

Jetzt geht es an die Feinarbeit. In einem Konzept für das LSB-Präsidium, seine Geschäftsstelle sowie seine Kreis- und Stadtsportbünde sollen die Aussagen des Leitbildes in konkrete Ziele und Maßnahmen übersetzt werden. Es wird hoffentlich wieder leidenschaftliche und nutzbringende Diskussionen und eine aktive Mitwirkung vieler geben. Wir müssen noch klarer definieren, welches unsere Kernaufgaben im Interesse unserer Mitglieder sind, und uns vielleicht auch von dem ein oder anderen Weg, den wir früher einmal eingeschlagen haben, wieder verabschieden.

 

Frage:
Nach über einem Jahr der Begleitung durch die Führungs-Akademie stellt sich natürlich auch die Frage, ob sich die Erwartungen, die Sie an die Unterstützung durch die Führungs-Akademie geknüpft haben, erfüllt haben.

 

Rof Beilschmidt:
Ich denke, da kann ich im Namen aller am Diskussionsprozess Beteiligten sprechen, dass gerade Gabriele Freytag eine hervorragende Impulsgeberin, Beraterin, Moderatorin und manchmal auch Mediatorin ist. Breite und Tiefe des Wissens und der Erfahrungen auf den vielfältigen Gebieten des organisierten Sports in Deutschland schließen sich bei ihr einfach nicht aus. Beim Prozess der Entwicklung des Leitbildes war sie, gemeinsam mit Jochen Wolff und seinem wertvollen Blick und seinen umfangreichen Kenntnissen auch über die Organisationen des Sports hinaus, eine absolute Bereicherung und nicht umsonst gehen wir den weiteren Weg Richtung LSB-Konzept auch weiterhin gern mit der Beratung und Unterstützung der Führungs-Akademie.