Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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12. Mai 2015

Interview mit Andreas Klages und mit Prof. Dr. Franz Brümmer zum DOSB-Projekt: „Sport erleben – Biologische Vielfalt erhalten“

Seit zwei Jahren hat die Führungs-Akademie das DOSB-Projekt „Sport bewegt – Biologische Vielfalt erleben“ partizipativ begleitet und evaluiert (vgl. Bericht).

Für den Newsletter der Führungs-Akademie sprachen wir mit zwei in unterschiedlichen Rollen Beteiligte: mit Andreas Klages, dem stellv. Geschäftsbereichsleiter Sportentwicklung des DOSB, und mit Prof. Dr. Franz Brümmer, dem Präsidenten des Verbandes Deutscher Sporttaucher (VDST).

Andreas Klages unterstützte das Projekt in enger Absprache mit dem Projektleiter Karsten Dufft in seiner Eigenschaft als zuständiger Ressortleiter. Prof. Dr. Franz Brümmer war als Präsident des  VDST, der zu den Gewinnern des DOSB Förderwettbewerbs gehörte, als Projektteilnehmer involviert.

(1) Interview mit Andreas Klages,
dem stellvertretenden Geschäftsbereichsleiter des Deutschen Olympischen Sportbundes, zum Projekt „Sport erleben – Biologische Vielfalt erhalten“.

RED: Was war die Motivation des DOSB sich dem Thema „Erhalt der biologischen Vielfalt“ auseinanderzusetzen und es aktiv zu fördern?
Andreas Klages: Der Ausgangspunkt war die Verabschiedung der „Nationalen Strategie für biologische Vielfalt“ auf Bundesebene im Jahr 2007. Diese Strategie nimmt in besonderer Weise  Schutz und Nutzung der Natur gemeinsam in den Blick. Mit der Einbeziehung der Nutzung von natürlichen Räumen in einer solchen Strategie wird natürlich auch der Sport angesprochen. Es gibt in diesem Grundlagendokument vielfältige Bezüge zum Sport, der zu einer aktiven Mitarbeit eingeladen und gleichzeitig auch in die Pflicht genommen wird. Wir haben uns sehr intensiv mit der Strategie beschäftigt, da der Sport auch positiv erwähnt wird und nicht nur als potentieller Konfliktbringer dargestellt wird. Unsere Grundmotivation zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema liegt darin, die Chancen des Strategiepapiers für den Sport aufzugreifen und sich noch umfassender als strategischer Partner für Umweltschutzorganisationen zu positionieren. Mit ihnen gemeinsam wollen wir das Ziel verfolgen, die biologische Vielfalt zu erhalten.

RED: Und wie ist dann das Projekt „Sport erleben – Biologische Vielfalt erhalten“ aufgebaut worden?

A. KLAGES: Im Zuge der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ hat die Bundesregierung ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt, um alle relevanten Akteure zu unterstützen, sich mit eigenständigen Projekten zum Thema aktiv einzubringen. In diesem Sinne haben wir uns im DOSB zusammengesetzt, um ein Projekt zu konzipieren, das sich sowohl am Bedarf des organisierten Sports orientiert als auch innerhalb der Rahmenbedingungen der politischen Strategie liegt. Das Ergebnis war dann das Projekt „Sport bewegt – Biologische Vielfalt erleben“.

RED: Ohne auf die detaillierten Maßnahmen des Projekts eingehen zu wollen, was nehmen Sie aus diesem Projekt mit?

A. KLAGES: Das Projekt ist zurzeit noch nicht vollständig abgeschlossen. Sobald das geschehen ist, werden wir das Projekt und seine Ergebnisse im DOSB bewerten. Auch die neue  DOSB-Umweltkommission wird uns hierbei unterstützen. Schon heute nehmen wir eine Fülle von Anregungen und Ideen mit sowie die klare Aufforderung zu einer weiteren Beschäftigung und Vertiefung mit dem Thema. Insbesondere unsere Mitgliedsverbände und Partnerorganisationen haben uns dazu ausdrücklich aufgefordert. Wir konnten durch das Projekt Kontakte zu Umweltschutzorganisationen intensivieren bzw. neu aufbauen. Das Projekt hat das Beteiligungsspektrum innerhalb unserer Mitgliedsorganisationen erweitert, indem sich Sportverbände vertiefend oder sogar erstmals überhaupt mit naturschutznahen Themen beschäftigt haben. In vielen Fällen haben sich neue Optionen eröffnet. Ein Stück weit ist dieses Projekt auch ein Resonanztest gewesen. Die Resonanz ist jedenfalls viel größer als wir das erwartet haben. Hierdurch fühlen wir uns ermuntert und motiviert weiterzumachen.

RED: Was waren für Sie persönlich die Highlights des Projekts?

A. KLAGES: Für mich persönlich gab es drei Highlights: Das Erste war das große Interesse aus den DOSB-Mitgliedsverbänden zur Teilnahme an unserem Projekt. Wir haben mit ungefähr zehn Anträgen gerechnet und hatten letztlich weit über 20. Auch das Interesse an unserer Abschlussveranstaltung war mehr als doppelt so groß als prognostiziert. Das Zweite war, dass sich die fünf Förderprojekte mit sehr großem Engagement beteiligten. Da gab es viel Energie. Und das dritte Highlight war, dass die Naturschutzorganisationen durchweg sehr positiv auf unser Projekt reagiert haben. Wir spüren heute eine veränderte Wahrnehmung des organisierten Sports bei weiten Teilen der Umweltszene.

RED: Was würden Sie Verbänden und Vereinen mit auf den Weg geben, die sich in Zukunft mit dem Thema beschäftigen wollen?

A. KLAGES: Es lohnt sich, sich mit dem Thema zu beschäftigen! Es erweitert die Handlungsspielräume und Kooperationsmöglichkeiten der Sportorganisationen. Beispielsweise ermöglicht das Thema neue Wege, um Zielgruppen zu erreichen, oder es eröffnet andere finanzielle Fördermöglichkeiten. Das Thema bietet den Vereinen und Verbänden die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit in zusätzlichen Kontexten darzustellen und damit positiv zum Image beizutragen. Sportorganisationen müssen sich dazu auch auf das Thema einlassen und es sich häufig zuerst erschließen, denn es ist ein durchaus anspruchsvolles Thema. In unserem Projekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit in diesem Themenfeld enorm durch Kooperationen innerhalb der Sport- und der Umweltszene unterstützt wird. Das bedeutet wiederum, dass man Kooperationen auch wagen und sich auf sie einlassen muss!

RED: Wie will der DOSB in Zukunft mit dem Thema umgehen, wie will er z.B. seine Verbände und Vereine in Kooperationen unterstützen?

A. KLAGES: Das Projekt ist noch nicht zu Ende, wir gehen im Moment auch davon aus, dass es um zwei Monate verlängert wird, weil wir sehr viele Ergebnisse zu verarbeiten haben. Wir haben in Berlin bei der Abschlussveranstaltung in Aussicht gestellt, dass sich der DOSB auch weiterhin mit dem Thema „Biologische Vielfalt“ als festen Bestandteil seines Arbeitsprofils auseinandersetzt. Wie genau das aussehen wird, werden wir in naher Zukunft sorgfältig und mit Unterstützung der DOSB-Umweltkommission aufarbeiten.

RED: Wie hat der DOSB im Jahre 2025 dazu beigetragen, die biologische Vielfalt zu erhalten?

A. KLAGES: Wir werden im Jahr 2025 durch den Sport hoffentlich einen Beitrag geleistet haben, um die Ziele der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ zu erreichen. Zudem wird der Sport seinen Teil geleistet haben, den Natur- und Umweltschutzgedanken stärker in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Das ist ein sehr anspruchsvolles Ziel, aber ich bin persönlich davon überzeugt, dass gerade der organisierte Sport das Potenzial dazu hat. Man könnte auch bei der Konzeptentwicklung der Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele das Thema „biologischen Vielfalt durch und im Sport“  konkret verankern, um ihm ein positives und sportbezogenes Gesicht zu gegeben. Als Zwischenschritt könnte ich mir vorstellen, dass ein Vertreter oder eine Vertreterin des Sports einen Hauptvortrag beim Deutschen Naturschutztag 2018 oder 2020 bestreiten könnte. Das sind Ideen, die ein wenig in die Zukunft blicken.

RED: Herr Klages, ich bedanke mich vielmals für dieses Interview.

 

(2) Interview mit Prof. Dr. Franz Brümmer,
dem Präsidenten des Verbands Deutscher Sporttaucher (VDST), zum Thema „Erhalt der biologischen Vielfalt durch den Sport“.

RED: Aus welchen Gründen hat der VDST am Wettbewerb „Sport bewegt - Biologische Vielfalt erleben“ teilgenommen?

Prof. F. BRÜMMER: Bei uns Tauchern steckt das Thema ja schon im Begriff BioDIVERsität. Unser Sport lebt von einer vielfältigen Umwelt, da es einfach spannender ist in Gewässern zu tauchen, in denen viel Leben, mehr biologische Vielfalt, ist.

RED: Können Sie kurz zusammenfassen, was das Besondere an ihrem Projekt war?

Prof. F. BRÜMMER: Wir haben gemeinsam mit externen Fachleuten eine evolutionäre Weiterentwicklung des Verbandes zur Unterstützung der biologischen Vielfalt angestoßen. Letztlich ging es darum, von der Natur zu lernen und zwar hier speziell aus dem Aspekt der Evolution. Die Frage lautete: Wie kann man einen Sportverband, den man aus einer evolutionstheoretischen Sichtweise als Organismus oder Ökosystem betrachtet, zukunftsfähig weiterentwickeln? Wo müssen Anpassungsstrategien entwickelt werden, wo sind Schwachstellen und wo sind Alleinstellungsmerkmale? Letztendlich ist ein Organisationsentwicklungsprozess vergleichbar mit dem, was in der Evolution bzw. in der Ökologie passiert.

RED: Was waren für Sie persönlich die Highlights des Projekts?

Prof. F. BRÜMMER: Erstens ist mir das Interesse der Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf der Abschlussveranstaltung in Berlin sehr positiv in Erinnerung geblieben, denn es gab viel Anerkennung und Lob dafür, dass sich der VDST so intensiv mit der Biodiversität beschäftigt. Für viele ist die biologische Vielfalt unter Wasser ja eher unbekannt, da der Blick oft an der Wasseroberfläche endet. Wir haben auch viele positive Rückmeldungen bekommen zu unserer Herangehensweise, durch die wir für die einzelnen Ebenen des VDST jetzt konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln konnten. Gleichzeitig haben wir auch deutliche Hinweise bekommen, an welchen Stellen wir auf- und anpassen müssen. Zweitens hat sich der Austausch über Erfahrungen und Erkenntnisse mit den anderen teilnehmenden Verbänden und Vereinen des DOSB-Förderwettbewerbs als sehr aufschlussreich erwiesen.

RED: Was hat das Projekt im VDST angestoßen bzw. verändert?

Prof. F. BRÜMMER: Das kann ich heute leider noch nicht genau sagen, weil wir ja am Ende des Projekts zuerst einmal nur ein Maßnahmenbündel auf dem Papier stehen haben. Diese Maßnahmen müssen in einem nächsten Schritt konkret umgesetzt werden. Aber für unsere Vereinsentwicklung haben wir ja bereits ein weiteres Projekt mit Evolutionsmanagement über den Innovationsfonds des DOSB laufen.

RED: Inwiefern ist das Thema „Biologische Vielfalt“ und Ihr Projekt auch interessant für Ihre Mitglieder, zum Beispiel für ihre Tauchsportvereine?

Prof. F. BRÜMMER: Das Erleben und Beobachten der Unterwasserwelt ist letztendlich nichts anderes als eine Aufforderung zum Mitmachen und Mitforschen. Diese Entwicklung, am besten vielleicht als „Citizen Science“ bezeichnet, soll in Zukunft auch ein Schwerpunkt im VDST werden und an dem Thema „Biodiversität“ ansetzen.

RED: Wie können ihre Mitgliedsorganisationen dort anknüpfen?

Prof. F. BRÜMMER: Anknüpfen würde ja bedeuten, dass sie bei Null stehen. Da wir schon einiges gemacht haben, müssen wir Themen fördern, um die Mitglieder immer wieder zu begeistern und binden zu können. Wir müssen mal etwas Neues bringen. Wenn man von Null anfängt, ist es viel einfacher, die Leute zu begeistern. Aber wenn sie auf einem hohen Niveau sind, dann muss man die Menschen immer wieder erneut begeistern. Das ist im Sport ja bekannt.

RED: Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Hinblick auf den Umgang mit dem Thema seitens des DOSB, des VDST oder anderer Fachverbände?

Prof. F. BRÜMMER: Das Thema „Biodiversität“ darf nicht nur zu einem relevanten Thema für Großveranstaltungen begrenzt werden. Es muss in den Alltag des Sportgeschehens und der Bildungs- und Qualifizierungsarbeit der Mitgliedsorganisationen des DOSB Eingang finden. Für mich ist die Biodiversität und hier vor allem auch die Dienstleistungen der biologischen Vielfalt nicht beschränkt auf Natursportarten und Natursportverbände, sondern für alle und daher muss es im Rahmen des Grundlagenmoduls der Trainer C-Ausbildungen eine Einheit „Biodiversität“ geben.

RED: Wie hat der VDST im Jahr 2025 dazu beigetragen, die biologische Vielfalt zu erhalten?

Prof. F. BRÜMMER: Indem der VDST durch verschiedene „Citizen Science“ Projekte die Unterwasserflora und -fauna beobachtet hat und diese Beobachtungen sowohl der Allgemeinheit als auch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hat. Darüber hinaus sind die Taucher noch besser ausgebildet, um Veränderungen in der biologischen Vielfalt der Unterwasserwelt frühzeitig erkennen und darauf umweltgerecht reagieren zu können.

RED: Herr Prof. Brümmer, vielen Dank für dieses Interview.