Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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24. Oktober 2008

Projektworkshop zu „Prozessen der Sportentwicklungsplanungen in Großstädten“ (Köln, Führungs-Akademie, 15.-16. Sept. 08)

Die Frage, wie der Sport in den Städten und Gemeinden geplant, organisiert und gefördert wird, ist zentral für den gesamten organisierten Sport in Deutschland. Während das Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Sportvereinen in kleineren Gemeinden meist überschaubar ist, gestaltet sich die Sportentwicklungsplanung, mit dem Ziel eines Interessenausgleichs zwischen allen Beteiligten, in Großstädten weitaus komplizierter. Und nicht nur, dass ein Interessenausgleich in Großstädten immer schwieriger wird – vor dem Hintergrund knapper Kassen in den Kommunen, eines demographischen Wandels, eines großen Modernisierungsstatus bei vorhandenen Sportanlagen und weiteren Feldern kommunaler Sportpolitik mit hohem Steuerungsbedarf – wird eine zukunftsfähige und nachhaltige Planung der Sportentwicklung für die Städte entscheidend, um die bestehenden und begrenzten Ressourcen optimal einsetzen zu können. Da die Planungen der Großstädte auch die Entwicklung des Sports vor Ort bestimmen, ist es das ureigenste Interesse des organisierten Sports bei den kommunalen Sportentwicklungsplanungen als Akteur vertreten zu sein, um so die Prozesse der Umsetzung sowie die Auswirkungen der Planungen beobachten und gegebenenfalls

 

Mittlerweile liegen eine Vielzahl von Sportentwicklungsplanungen für verschiedene Städte und Gemeinden in Deutschland vor und auch zunehmend Landkreise oder Regionen beschäftigen sich mit der Frage, wie Sportentwicklung gesteuert werden kann. Gerade die großen Städte in Deutschland haben in den letzten Jahren zunehmend damit begonnen, durch externe Experten geleitete Sportentwicklungsplanungen durchzuführen. Hinsichtlich der Ziele, der thematischen Schwerpunkte und Strategien sowie der wissenschaftlichen Methoden weisen sie sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf. So wichtig diese Initiativen für die initiierenden Kommunen bzw. Regionen war, bleibt auch festzustellen, dass ein umfassender Austausch zu diesem Thema bislang nicht stattfand. Diese „Leerstelle“ zu füllen, war das Ziel des ersten Projektworkshops zum Thema „Prozesse der Sportentwicklungsplanungen in Großstädten“, der von der Führungs-Akademie des DOSB gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Sportentwicklung des DOSB vom 15. - 16. September in Köln organisiert und durchgeführt wurde.

 

Nach einer umfassenden Bilanzierung der Prozesse durch Vertreter der einzelnen Großstädte Deutschlands, die eine Sportentwicklungsplanung durchgeführt haben bzw. gerade durchführen sowie durch die wissenschaftlichen Leitungen dieser Planungsprozesse wurden anschließend aktuelle Themenfelder kommunaler Sportentwicklungsplanung (z.B. Finanzierung, Sozialraumorientierung, Methoden, etc.) diskutiert. Abschließend wurden dann die Konsequenzen besprochen, die sich aus diesem erstmals durchgeführtem Veranstaltungsformat für die Zukunft ergeben.

 

Im Fokus der Veranstaltung standen die relevanten Erfolgs- und Engpassfaktoren einer Sportentwicklungsplanung sowie der sich daraus ergebende Mehrwert für die Städte, die Vereine sowie für die Verbände. Im ersten Schritt einer umfassenden Bilanzierung wurden die Prozesse der Sportentwicklungsplanung aus insgesamt 12 Großstädten aus wissenschaftlicher und sportpolitischer Sicht vorgestellt. Deutlich wurde dabei, dass sich die verfolgten Ansätze zur Sportentwicklungsplanung zwar in einigen Aspekten deutlich voneinander unterscheiden, im Kern jedoch vielfach auf bewährte Methoden der Erhebung und Planung zurückgreifen. Nach dieser ersten Workshopphase wurden aktuelle Themen der Sportentwicklung behandelt. Themen waren unter anderem Fragen zur Methodik von Sportentwicklungsplanungen, zu methodischen Instrumenten zur Erfassung von Sportengagement in einer Kommune und zur Erfassung von Sportinfrastruktur sowie zum Beispiel Fragen zur Finanzierung und Finanzierbarkeit. Insgesamt wurde hier deutlich, wie wichtig es ist, vor der Umsetzung einer Sportentwicklungsplanung eine eindeutige und transparente Zieldefinition vorzunehmen.

 

In der abschließenden Diskussion um die Konsequenzen, die sich nun aus diesem in dieser Form erstmals durchgeführten Workshop ergeben, wurde die hohe Relevanz eines systematischen Austauschs deutlich. Aber es wurden auch konkrete Anforderungen für die Zukunft gefordert. Denn einhellig war die Meinung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass eine Definition von Mindestanforderungen an das Themengebiet „Sportentwicklungsplanung in Großstädten“ dringend vonnöten ist. Der DOSB wurde schließlich als entscheidende Instanz dazu aufgefordert, ein Handbuch auf den Weg zu bringen, in dem solche Mindestanforderungen bzw. Standards der Sportentwicklungsplanung formuliert werden.

Eine ausführliche Dokumentation des Workshops ist in Planung.