Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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14. September 2006

"Hobbyköche sollten kein Gourmetrestaurant führen" - Die Bedeutung von professionellem Finanzmanagement für Verbände

Mittlere und große Verbände stehen immer häufiger vor sehr komplexen Steuerungs- und Führungsaufgaben. Dabei spielt der Finanzbereich eine ganz entscheidende Rolle. Doch professionelles Finanzmanagement ist äußerst komplex. Fredi von Gunten ist derzeit Geschäftsführer der Schweizer Wanderwege SAW und Inhaber der NPO Support GmbH in Thun/Schweiz. Der diplomierte Bankfachmann berät zudem seit einigen Jahren Non-Profit-Organisationen (NPO´s).

 

Die Führung von NPO’s wird immer komplexer. Welche Bedeutung muss einem professionellen Finanzmanagement zugemessen werden?

 

Von Gunten: Fakt ist, dass sich ohne ausreichende finanzielle Mittel Visionen und Ziele einer NPO kaum verwirklichen lassen. Dies trifft auf kleinere Sportvereine genauso zu wie auf Sportverbände von nationaler und internationaler Ausstrahlung. Entsprechend hohe Bedeutung muss dem Finanzmanagement beigemessen werden. Je nach Grösse und Bedürfnisse einer Sportorganisation sind profunde Kenntnisse in der Finanzbuch-haltung und in der Mittelbeschaffung notwendig. Das Bild des klassischen Vereinskassiers oder Säckelmeisters, welcher einzig die Mitgliederbeiträge einzukassieren hat, gehört immer mehr der Vergangenheit an.

 

Welche Voraussetzungen müssen in den NPO’s für ein professionelles Finanzmanagement vorhanden sein?

 

Von Gunten: Grundsätzlich müssen die Ziele und Aufgaben einer NPO mit deren finanziellen Perspektiven in Einklang gebracht werden. Dies bedingt periodische Standortbestimmungen durch die Vereinsführung, damit finanzielle Engpässe rechtzeitig erkannt und verhindert werden können. Voraussetzung dazu ist eine seriöse Finanzplanung, welche sich auf realistische Erfahrungswerte und überprüfte Daten abstützt. In Anlehnung an die Planung müssen die täglichen Einnahmen und Ausgaben laufend erfasst und Abweichungen kommentiert werden, um entsprechende Massnahmen einleiten zu können. Parallel dazu erfordern die gesetzliche Buchführungspflicht, die Buchhaltungsprogramme (EDV) sowie die Finanzanalyse von den verantwortlichen Personen immer mehr Fachwissen, welches allein mit ehrenhaftem Einsatz nicht kompensiert werden kann. Persönlich bin ich deshalb der Überzeugung, dass ab einem bestimmten Umsatz diese Aufgaben an ausgebildete und erfahrene Fachleute übertragen werden sollten. Anders gefragt: Wer würde schon einem Hobbykoch ohne Berufsausbildung die Führung der Küche eines Gourmetrestaurants anvertrauen?

 

In Deutschland finanzieren sich die Sportverbände stark über die Erlöse aus Sportwetten. Können Sie kurz im Vergleich die Situation in der Schweiz und die Vor- oder Nachteile beschreiben?

 

Von Gunten: Die Einnahmen aus Sportwetten sind auch für die Schweizer Sportverbände sehr bedeutungsvoll. Allein im Jahre 2005 flossen dem Schweizer Sport über 100 Millionen Franken aus dem Sport Toto zu. Allerdings relativieren sich diese Zahlen bei der Vielzahl von über 22.000 Sportvereinen, welche in der Schweiz aktiv sind. Die Verbände und Vereine sind deshalb bestrebt, ihre Finanzierung auf verschiedene Quellen abzustützen, u.a. durch Mitgliederbeiträge, Lizenzen und Teilnehmergebühren, Sponsorengelder, Verkauf von Werbeflächen und Inseraten, Mäzenatentum, Entschädigungen für individuelle Leistungen, spezifische Sammelaktionen (z.B. Vereinsfeste, Tombolas, Warenverkäufe). Zunehmend treten in letzter Zeit Sportverbände, welche gemeinnützige Aufgaben wahrnehmen, auch auf dem klassischen Spendenmarkt mittels adressierten Bittschreiben auf.

 

Auf welche Anforderungen müssen sich die Verbände in Zukunft verstärkt einstellen?

 

Von Gunten: Heute kann festgestellt werden, dass Sportvereine zunehmend nach ihren Erfolgen und (Service-) Leistungen beurteilt werden. Vergleiche sind überall und immer möglich, auch mit professionellen Institutionen, welche sich ausserhalb der klassischen Vereinsstrukturen befinden (z.B. Fitnesscenter, Sportschulen, Sportarenen, Kletterhallen). Fehlleistungen und strafbare Handlungen werden durch die Medien rascher publik gemacht und schaden dem Image gewaltig. Dazu gesellt sich tendenziell eine kritische Haltung gegenüber einer Vereinsmitgliedschaft, was sich durch stagnierende bzw. abnehmende Mitgliederzahlen manifestiert. Sportverbände und Sportvereine sind deshalb gefordert, vermehrt Umfeldanalysen durchzuführen und sich auf die neuen Gegebenheiten einzurichten und mit innovativen und unbürokratischen Leistungen das Interesse (potenzieller) Mitglieder und Geldgeber zu sichern.

 

Welche Wege können und sollten Verbände ihrer Meinung nach bei der internen Strukturierung des Finanzbereiches denn gehen?

 

Von Gunten: Dem Finanzbereich sollte sowohl im strategischen als auch im operativen Management ein hoher Stellenwert beigemessen werden. Als Teil einer Balanced Scorecard sind die Finanzen gegenüber den Bedürfnissen der Mitglieder und übrigen Stakeholder, gegenüber einer effizienten Leistungserbringung sowie der Innovation des Vereins gleich zu setzen, da eine gegenseitige Abhängigkeit besteht. Der Finanzbereich muss vornehmlich bei der Planung entsprechend gewichtet werden, was nicht bedeutet, dass die Ansprüche des Sports zwangsläufig an Bedeutung verlieren. Wichtig sind auch die Entflechtung zwischen strategischer und operativer Führung sowie eine klare und umsetzbare Regelung der Kompetenzen.