Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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16. Dezember 2008

Luftsport-Präsident Klaus Koplin: „Wir wollen alle Luftsportler unter einem Dach vereinen“

Mit Unterstützung der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes wurde für den Deutschen Aero Club ein neues Modell für eine moderne, bedarfsgerechte Verbandsstruktur entwickelt. In dieser neuen Struktur bilden die Landesverbände und Sportfachverbände als gleichwertige Partner den Dachverband.

 

Bei der Jahreshauptversammlung 2008 stimmten die Verbandsvertreter des DAeC zwar mehrheitlich für die Fortsetzung der Arbeit an der Strukturreform des Verbandes und beschlossen dazu die Kernpunkte, für die geplante Satzungsänderung wäre jedoch eine dreiviertel Mehrheit notwendig. Für Klaus Koplin, Präsident des DAeC, wird es eine Herausforderung, die weitere notwendige Überzeugungsarbeit zu leisten, damit innerhalb der nächsten Monate die Arbeit an der Satzung zum Abschluss gebracht werden kann.

 

RED: Herr Koplin, am 6.12.gab es die Jahreshauptversammlung des DAeC, auf der die Kernpunkte der neuen Verbandsstruktur verabschiedet werden konnten. Für den Beschluss der Satzung muss aber eine noch größere Mehrheit stimmen. Was sind die aktuellen Herausforderungen für den DAeC?

 

KOPLIN: Der DAeC vereinigt nicht alle Luftsportler in Deutschland. Wir sind der Spitzenverband des deutschen Luftsports mit derzeit ca. 100.000 Mitgliedern. Etwa 65.000 Luftsportler sind außerhalb des DAeC organisiert und wir schätzen, dass 20.000 Luftsportler nicht organisiert sind. Wir wollen das Ziel erreichen, alle Luftsportler unter einem Dach zu vereinen. Gleichzeitig haben wir, wie viele Sportorganisationen, einen ständigen Mitgliederschwund von 1 bis 2 % jährlich zu verzeichnen. Wir müssen daher Strukturen entwickeln, die auch für Luftsportler attraktiv sind, die sich nicht den üblichen Vereinen anschließen wollen.

 

RED: Wie wollen Sie dieses wichtige Ziel erreichen?

 

KOPLIN: Die traditionelle Organisation im deutschen Luftsport geht über die Vereine, manchmal über Regionalverbände, Landesverbände und schließlich den Bundesverband. Es gibt seit langem die Tendenz, dass sich Luftsportler direkt in Fachverbänden auf Bundesebene organisieren. Solche Fachverbände konnten wir für einige Sparten an uns binden – für andere Sparten waren wir nicht attraktiv genug. Gleichzeitig fühlen sich die Fachverbände, die unsere Mitglieder sind, in den Gremien nicht ausreichend repräsentiert oder wollen die derzeitigen (gefühlt hohen) Beiträge nicht länger tragen. Zur Lösung dieser Probleme wollen wir uns eine neue Struktur geben, in der Landesverbände und Sportfachverbände als gleichberechtigte Partner auf gleiche Augenhöhe zusammenarbeiten.

 

RED: Nach mehreren Anläufen haben Sie nun eine Mehrheit hinter sich gebracht, wenngleich diese für eine Satzungsänderung noch nicht gereicht hätte. Wo liegen die Hauptknackpunkte und wie wollen sie diese überwinden?

 

KOPLIN: Der DAeC diskutiert seit vielen Jahren über neue Strukturen, ohne sich bisher auf neue Konzepte einigen zu können. Bei der Hauptversammlung 2006 wurde schließlich beschlossen, einen neuen Versuch zu starten und dabei die Hilfe der Führungs-Akademie des DOSB in Anspruch zu nehmen. Bei der Hauptversammlung 2007 wurden bereits neue Konzepte präsentiert, die aber auf heftigen Widerstand einiger Landesverbände trafen. Es wurde daher nur beschlossen, die Untersuchung weiterzuführen, ohne dass man sich auf irgendeine Detaillösung festlegen wollte.

 

RED: Zur Hauptversammlung 2008 wurden schließlich Grundsätze einer neuen Struktur und Satzung verabschiedet und ein Fahrplan für den weiteren Ablauf beschlossen. Dieser Beschluss erfolgte mit 2/3 aller Stimmen und ist damit verbindlich. Die für eine Satzungsänderung notwendige ¾ Mehrheit wurde jedoch nicht erreicht. Daher liegt noch viel Arbeit vor uns, die ablehnenden oder skeptischen Landesverbände zu überzeugen.

 

KOPLIN: Der Hauptknackpunkt ist die Wahlfreiheit der Vereine, sich einem Landesverband oder einem Fachverband anzuschließen. Mindestens 3 Landesverbände fürchten das Ausbluten ihrer Basis, wenn sich sehr viele Vereine direkt für den Fachverband entscheiden. Sie glauben nicht, dass ein Wettbewerb zwischen Landesverband und Fachverband sinnvoll wäre und wollen weiterhin die Zwangsmitgliedschaft der Vereine in Landesverbänden, damit die Leistungen auf Landesebene, die allen Luftsportlern zugute kommen, auch finanzierbar bleiben. Die diskutierten Kompromisse wurden bisher nicht akzeptiert und daher bleibt dieser Punkt zurzeit noch ungelöst.

 

RED: Was sind die nächsten Schritte?

 

KOPLIN: Nach dem Beschluss der Hauptversammlung am 6.12.2008 werden wir als nächsten Schritt eine 3. Fassung des Entwurfs der neuen Satzung diskutieren, um der endgültigen Form der neuen Satzung näher zu kommen. Außerdem wollen wir eine Verhandlungskommission bilden (aus Delegierten der HV und des Vorstandes), die mit den bereits bestehenden Fachverbänden (in und außerhalb des DAeC) über die Möglichkeiten des Beitritts verhandelt. Ich erwarte, dass sich daraus Möglichkeiten oder Einsichten zur Lösung der noch bestehenden Probleme ergeben. Außerdem wollen wir so den Fachverbänden die Möglichkeit geben, den Inhalt der neuen Satzung mitzubestimmen.

 

RED: Welche Vorteile hätte der DAeC als Dachverband aller Luftsportler?

 

KOPLIN: Der Verband würde etwa 170.000 Mitglieder repräsentieren und damit ein größeres Gewicht als bisher haben. Es gäbe keine Zersplitterung der Kräfte bei der Vertretung unserer Interessen auf Landes- und Bundesebene. Es wäre sichergestellt, dass es auch in Zukunft im DOSB, bei Europe Air Sports (EAS) und bei der Federation Aeronautique International (FAI) nur einen Verband gäbe, der für Deutschland spricht. Die finanziellen Lasten würden auf viele Schultern verteilt und damit könnten die Beiträge für den Zentralverband stabil bleiben und sich in einigen Sparten sogar verringern.

 

RED: Ein Kernpunkt der neuen Satzung ist: Jeder Luftsportler und jeder Verein soll die Möglichkeit haben, sich einem Landesverband oder wahlweise direkt einem Fachverband anzuschließen. Warum wird dieser Punkt so kontrovers diskutiert?

 

KOPLIN: Mindest 2 Landesverbände unterstützen derzeit die Wahlfreiheit der Vereine nicht und wollen die Zwangsmitgliedschaft in LV beibehalten. Die bestehenden Fachverbände lehnen aber diese Zwangsmitgliedschaft vehement ab und wollen dem Beitritt zum DAeC in keinem Fall unter diesen Bedingungen. Von der Führungs-Akademie des DOSB wurde als Kompromiss vorgeschlagen, dass es eine Wahlfreiheit gibt, aber zwischen Fachverbänden und Landesverbänden einen Informationsaustausch über Mitglieder und eine faire Verrechnung von Leistungen erfolgen soll, die für den jeweils anderen Verband erbracht werden. Die bisher ablehnenden LV befürchten, dass eine solche Verrechnung von Leistungen niemals zu Stande kommt.

 

RED: Was passiert, wenn man sich nicht auf eine neue Satzung einigen kann?

 

KOPLIN: Wenn es am Ende nicht zu einer neuen Satzung kommt, dann könnte dies das Ende des DAeC sein, denn es wird sehr wahrscheinlich folgendes passieren: Der DAeC wird einen Teil der mit ihm verbundenen Fachverbände (Hängegleiter, Fallschirmspringer, Ballonfahrer) verlieren. Das könnten bis zu 40.000 Mitglieder werden. Dazu könnte noch eine ungewisse Zahl von Vereinen kommen, die heute einem LV im DAeC angehören. Pessimisten erwarten bis zu 10.000 Mitglieder. Diese Verbände und Vereinen würden sich dann wahrscheinlich mit den 65.000 Modellfliegern des Deutschen Modell Flieger Verbandes (DMFV) zusammenschließen und wären dann größer (100.000 +) als der Rest – DAeC (50 - 60.000). Das hätte neben der Zersplitterung der Interessenvertretung auch europäische und weltweite Konsequenzen. In die EAS und die FAI müssten dann ein zweiter deutscher Verband aufgenommen werden. In der FAI wird in solchen Fällen immer der größte Verband zum NAC( National Airsport Coordinator). Der NAC vergibt die Sportlizenzen der FAI auf nationaler Ebene. Das würde bedeuten, dass der DAeC die für internationale Wettbewerbe erforderlichen Sportlizenzen beim größeren Konkurrenzverband beantragen müsste.

 

RED: Wo liegen die Chancen in der Durchsetzung der neuen Strukturen?

 

KOPLIN: Ich sehe noch eine realistische Chance auf eine ¾ Mehrheit, wenn wir die nächsten Monate intensiv nutzen und gemeinsam, Führungs-Akademie und DAeC Vorstand, Überzeugungsarbeit leisten. Die Nagelprobe wird bei der angestrebten außerordentlichen Hauptversammlung im Juni 2009 kommen. Als Optimist erwarte ich eine ¾ Mehrheit, aber keine hundertprozentige Zustimmung.