Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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23. November 2016

Managementkompetenz für Wissenschaftskoordinatorinnen und -koordinatoren: Karl Heinz Waibel und Wolfgang Killing im Interview

Abschluss der Qualifizierungsreihe für wissenschaftliche Koordinator(inn)en – was wurde erreicht? Die Initiatoren Karl Heinz Waibel (Deutscher Skiverband e.V.) und Wolfgang Killing (Deutscher Leichtathletik-Verband e.V.) ziehen ein Fazit und wagen einen Ausblick.

RED: Herr Waibel, Herr Killing, Sie waren die Initiatoren des Weiterbildungsprogramms „Managementkompetenz für die Wissenschaftlichen Koordinator(inn)en“. Was war damals der Auslöser, eine Qualifizierungsreihe über zwei Jahre für die Wissenschaftlichen Koordinator(inn)en anzubieten?

Waibel/Killing: Grundsätzlich haben wir mit der Qualifizierungsreihe zwei Ziele verfolgt:
Zum einen die fachliche inhaltliche Stärkung der einzelnen Wissenschaftskoordinatoren. Viele der Wissenschaftskoordinatoren haben sich bzgl. Projektmanagement, Netzwerken und Gesprächsführung autodidaktisch aufgestellt. Wir wollten sie hierbei unterstützen und einen gemeinsamen Rahmen sowie ein Portfolio an Themen anbieten, um die Rolle des Wikos als Wissens- und Innovationsmanager zu stärken.
Neben dieser Stärkung des ICH, beabsichtigten wir zudem eine Stärkung des WIR. Es ging uns darum, die Wissenschaftskoordinatoren als Gruppe zu stärken. Es gab zwar bereits seit einigen Jahren informelle Wiko-Treffen, diese haben aber nicht ausgereicht, um aus Einzelnetzwerken einen großen Austausch herzustellen. Daher diese Qualifizierungsreihe, in der wir die Wissenschaftskoordinatoren alle an einen Tisch bringen, einen dynamischen Austausch herstellen und dies aus nach Außen und sukzessive in den Verband weitertragen.
Die Qualifizierungsreihe, die wir dann gemeinsam mit der Führungs-Akademie konzipiert haben, erstreckte sich über 1,5 Jahre und gliederte sich in vier Themenblöcke: Wissens- und Netzwerkmanagement, Gesprächs- und Verhandlungsführung, Innovations- und Changemanagement, Projektmarketing und –evaluierung. Teilgenommen haben dann 18 wissenschaftliche Koordinatoren.

RED: Was hat sich seitdem verändert?

Waibel/Killing: Wie bereits die Abschlussrunde gezeigt hat, konnten die Teilnehmer(innen) sehr viel aus den einzelnen Modulen mitnehmen und in der täglichen Arbeit einsetzen. Vor allem die Module „Gesprächsführung“ mit dem Thema „aktives Zuhören“ sowie das Modul „Netzwerkmanagement“ waren ein wertvoller Input für alle Teilnehmer.
Interessant war es auch, dass wir Wissenschaftskoordinatoren durch diese Qualifizierungsreihe als Gruppe zusammengefunden haben, zusammengewachsen sind und nun auch über den kurzen Dienstweg zusammenarbeiten können. Durch die Kooperation und den Erfahrungsaustausch in bestimmten Themengebieten entstehen zusätzliche Synergieeffekte. So kamen beispielsweise unterschiedliche Verbände wie der Deutsche Skiverband und der Deutsche Schwimm-Verband miteinander in Kontakt, die sich trotz der Unterschiedlichkeit der Sportarten doch mit den gleichen Themen, wie beispielsweise der Funktionalität von Lichtanlagen, beschäftigen.
Aus der Gruppe heraus ist ein Positionspapier entstanden, das sich mit der Frage beschäftigt, was wir als Netzwerk leisten können und was mögliche Entwicklungsschritte sein können.
Vor einigen Jahren noch war dies undenkbar, sich als Wissenschaftskoordinator(inn)en zusammenzusetzen und Ideen gemeinsam zu generieren. Der Netzwerkgedanke ist also eine der großen Errungenschaften dieser Qualifizierungsreihe. Dieser Zusammenhalt hat letztlich auch dazu geführt, dass nun die Gruppe der Wissenschaftskoordinator(inn)en in der Sportwissenschaft und der Leistungssport-Landschaft spürbar anders wahrgenommen wird.

RED: Der Leistungssport in den Spitzenverbänden ist angesichts einer umfassenden Leistungssportreform stark in Bewegung. Wie sieht vor diesem Hintergrund die aktuelle Situation der Wissenschaftskoordinator(inn)en in den Verbänden aus? Welche Themen sind hier aktuell/relevant?

Waibel/Killing: Eines der relevantesten Themen ist sicherlich der Wissenschaftskoordinator/die -koordinatorin als Rolle, Person und Institution im Verband. Der Sport muss erkennen, dass dem Wissenschaftskoordinator/der –koordinatorin eine Schlüsselrolle zukommt, wenn man als Verband weiterkommen möchte. Es gab in der Vergangenheit bereits einige Versuche, die Rolle des Wikos auszubauen, dies ist aber nur partiell erfolgt. Der Nutzen einer festen Verankerung des Wikos/der Wiko im Verband und der Bildung von entsprechenden Netzwerken muss erkannt und flächendeckend ausgebaut werden.

RED: Die Berufsbezeichnung der wissenschaftlichen Koordinator(inn)en ist ja noch nicht so alt. Was wäre denn Ihre Vision, wie das Berufsbild in 10 Jahren aussieht?

Waibel/Killing: Unsere Zukunftsvision ist es, dass in 10 Jahren die Wissenschaftskoordinator(inn)en untereinander bestens vernetzt und institutionell eingebunden sind. Sie fungieren dann als Knotenpunkt zwischen Sport, Wissenschaft und Wirtschaft und profitieren dabei wiederum von Netzwerken und Ressourcen.

RED: Wie geht es nun weiter? Was sind aus Ihrer Sicht wichtige nächste Schritte für die wissenschaftlichen Koordinator(inn)en nach der Qualifizierungsreihe und nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Leistungssportreform?

Waibel/Killing: Die Wissenschaftskoordinator(inn)en sollten in die Prozesse einbezogen werden. Es hat sich ja bereits gezeigt, dass es jemanden braucht, der die Netzwerke ausweitet und sukzessive vorantreibt. Auch und gerade im Zuge des Leistungssportreform muss die Position der Wissenschaftskoordinator(inn)en im Verband und darüber hinaus gestärkt werden. Dabei müssen dann auch wir Wikos selbst mitwirken, denn letztendlich liegt es ja an uns, wie genau die wissenschaftliche Unterstützung dann aussehen kann.
Die Qualifizierungsreihe hat hier auf jeden Fall einen wertvollen Beitrag geleistet und nicht nur den einzelnen Teilnehmer, sondern auch die Gruppe der Wissenschaftskoordinatoren als bedeutendes Netzwerk für den organisierten Sport gestärkt.

RED: Herr Waibel, Herr Killing, vielen Dank für das Gespräch.