Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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17. Februar 2009

Jan Pommer: „Es muss kostenbewusster und konservativer kalkuliert werden!“ - Interview mit Jan Pommer, dem Geschäftsführer der Basketball Bundesliga

Die wirtschaftliche Situation und eine daraus resultierende Kosten-Kalkulation ist für Bundesligisten auch außerhalb des Fußballimmens wichtig, wie gerade die Erfahrungen im Handball zeigen. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, Jan Pommer, plädiert im Interview für einen konservativen Umgang mit den Finanzen. Sein Know-How stellt er auch in einem speziell auf die Situation von Bundesligavereinen zugeschnittenen Seminar der Führungs-Akademie vor (Thema: "Quick-Check für Bundesligisten").

 

RED: Sie haben in einem Gespräch, das Sie vor fast genau 1 Jahr mit dem General-Anzeiger aus Bonn geführt haben, zur Situation der Basketball Bundesliga gesagt: „Die Liga ist gesund“. Stimmt diese Einschätzung – aus Ihrer Sicht - auch heute noch?

 

POMMER: Ja, die BBL ist sehr stabil. Dass es vereinzelt Klubs gibt, die gerade in Zeiten einer Wirtschafts- – und Finanzkrise, deren Folgen nicht absehbar sind, in unruhigeres Fahrwasser gelangen, kann niemanden überraschen. Entscheidend ist aber, wie man solche Situationen bewältigt. Da sind wir gut aufgestellt.

 

RED: Welche Möglichkeiten hat die Liga, um die Arbeit der Vereine zu unterstützen und nicht zuletzt auch, um deren finanzielle Basis abzusichern?

 

POMMER: Wir begleiten unsere Vereine beratend. So haben wir auf unserer jüngsten Liga-Tagung die aktuelle wirtschaftliche Lage diskutiert und gemeinsam festgestellt, dass gerade in diesen schwierigen Zeiten noch kostenbewusster und konservativer kalkuliert werden sollte. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft lässt sich nicht belastbar prognostizieren. Was die Etats der Klubs angeht, so müssen diese im harten Wettbewerb am Markt erwirtschaftet werden. Das gilt im übrigen auch für die Liga. Zudem sorgen wir natürlich für die Schaffung und Einhaltung der Rahmenbedingungen, letztlich also für das Fairplay.

 

RED: Was sind die zentralen Anforderungen im Lizenzierungsverfahren der BBL an die Vereine?

 

POMMER: Die Vereine müssen einen Mindestetat von einer Million Euro nachweisen. Zehn Prozent davon sind gezeichnetes Stamm- bzw. Grundkapital. Des Weiteren müssen die Klubs belegen, dass sie acht Prozent des Spieleretats in die Nachwuchsförderung investieren. Darüber hinaus werden ein Jahresabschluss des abgelaufenen Geschäftsjahres und ein Zwischenabschluss des laufenden Geschäftsjahres sowie ein Lagebericht verlangt. Außerdem ist die Einreichung der Arbeitsverträge zwingend. Wichtig für die Lizenzerteilung ist zudem, ob ein Klub die Hallenstandards erfüllt. Dazu gehört z.B., dass die Halle eine Mindestkapazität von 3.000 Zuschauern aufweist- gerade bei den Aufsteigern ist das oft ein bedeutungsvolles Thema.

 

RED: Welche Bedeutung haben Lizenzierungsverfahren für die Wirtschaftlichkeit der Liga insgesamt, aber auch für die Wirtschaftlichkeit und wirtschaftliches Handeln der einzelnen Vereine?

 

POMMER: Durch das Festlegen von Spielregeln und Standards wird ein qualitativ hochwertiger und fairer Wettbewerb gewährleistet. Natürlich gibt es innerhalb der festgelegten Normen zum Teil sehr erhebliche Unterschiede – dies ist in jeder anderen Mannschafts-Sportart auch der Fall. Insgesamt gesehen befindet sich aber mehr Geld im System. Die Etats steigen. Warum? Weil beispielsweise durch den Bau von größeren und modernen Arenen mehr Zuschauer- und Sponsoreneinahmen erzielt werden können. Investitionen in Infrastruktur oder Personal sind die Folge – das Produkt wird weiter optimiert.

 

RED: Unterscheidet sich das Lizenzierungsverfahren der BBL von den Verfahren in anderen Sportarten? Und wenn ja, worin liegen die Vorteile dieser Regelungen?

 

POMMER: Jedes Lizenzierungsverfahren ist anders ausgestaltet. Dies gilt für die Deutsche Fußball-Liga, die Deutsche Eishockey-Liga und für die TOYOTA Handball-Bundesliga; diese haben aber mit dem unsrigen auch viele Gemeinsamkeiten. Ich denke, dass wir unseren Vereinen einerseits schon einiges abverlangen, um eine größtmögliche Sicherheit herzustellen. Auf der anderen Seite werden ihnen aber nicht die Daumenschrauben angelegt. Die richtige Balance zu finden – das ist entscheidend. Wir müssen uns mit unserem sehr eng führenden Verfahren wahrlich nicht verstecken.

 

RED: Gibt es Regelungen, die im aktuellen Lizenzierungsverfahren noch nicht aufgenommen sind, die aus Ihrer Sicht aber wichtig wären, damit die Basketballliga auch für die Zukunft gut aufgestellt ist?

 

POMMER: Wir sollten die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht zum Anlass nehmen, das Lizenzierungsverfahren weiter zu verschärfen. Unsere Instrumente sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig ausreichend – zumal uns die Vereine über die gesamte Saison über ihre finanzielle Situation Auskunft geben müssen.

 

RED: Sie bezeichnen die BBL als lernende Organisation. Was ist im Veränderungsprozess, was ist zukünftig an Änderungen vorstellbar?

 

POMMER: Wir haben zuletzt wichtige Pflöcke für die Weiterentwicklung der Liga und der Klubs in den kommenden Jahren eingeschlagen. So muss beispielsweise jeder Verein ab der Saison 2010/2011 einen hauptamtlichen Mitarbeiter für den Bereich PR und Marketing beschäftigen. Zudem kommen Jahr für Jahr unsere Standards auf den Prüfstand. Was müssen wir verändern? Wo müssen wir optimieren?

 

RED: Müssen neue Wege eingeschlagen werden, um Basketball für die Medien noch attraktiver zu machen? Was schwebt der Liga vor?

 

POMMER: Wir verfügen bereits über ein attraktives und hochwertiges Produkt – ohne Frage: Wir zeigen mit unserem Partner Sportdigital über 100 Spiele über Satellit und Kabel und im Internet sowie bei Premiere. Dies übrigens für sehr kleines Geld. Und natürlich wünschen wir uns, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten von der Bereitstellung des Bewegbildmaterials durch unseren Partner sportdigital noch intensiver Gebrauch machen würden. Wir werden aber weiter hart für einen Ausbau unserer TV-Präsenz arbeiten.

 

Einen vertiefenden Einblick in die Aufgaben und Möglichkeiten von Lizensierungsverfahren wird Jan Pommer auch im Seminar: „Quick-Check für Bundesligisten“ vorstellen, das die Führungs-Akademie am 5. und 6. März in Köln anbietet. Informationen zum Seminar finden Sie hier.