Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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26. Februar 2010

Prof. Hans Eberspächer, emeritierter Professor für Sportpsychologie an der Universität Heidelberg

Nicht nur die deutschen Nationalmannschaften im Eishockey und Fußball müssen in diesem Jahr zeigen, dass sie, „wenn es darauf ankommt“, punktgenau topfit Höchstleistung erbringen können. Auch Führungskräfte in den Sportorganisation stehen angesichts des komplexer werdenden Umfeldes und der gestiegenen Anforderungen an die Organisationen vermehrt vor ähnlichen Herausforderungen.

Dr. Hans Eberpächer, emeritierter Professor für Sportpsychologie an der Universität Heidelberg, hat schon viele Nationalmannschaften und Hochleistungssportler/innen auf große Wettkämpfe vorbereitet und gilt als einer der Pioniere angewandter Sportpsychologie und des mentalen Trainings.

RED: Herr Professor, wie schaffen es –Ihrer Erfahrung nach – Hochleistungssportler/innen, diese „Kunststück“ zu bewältigen?

Prof. EBERSPÄCHER: Am Anfang steht die Einsicht, dass jede Leistung neben externen Bedingungen, wie z.B. Material, Klima, Gegner u.a., natürlich auch von körperlichen Voraussetzungen, wie Trainingszustand oder Gesundheit, abhängt; aber nicht zuletzt eben auch von mentalen Bedingungen, also dem, was im Kopf abläuft. Hier spielen als die zwei zentralen  Prozesse Bewertungen und Gefühle eine ganz besonders wichtige Rolle. Das muss man wissen, um damit umgehen zu können, auch und besonders dann, wenn es gerade nicht wie von alleine läuft. Und um dieses „Kunststück“ zu können, muss man trainieren, mental trainieren. Mentales Training ist eine recht wirksame Trainingsmethode, mit der ich mich seit vielen Jahren beschäftige.

RED: Nicht jedem leuchtet sofort der Zusammenhang zwischen dem Selbstmanagement von Hochleistungssportler/innen und Führungskräften in Sportorganisationen ein. Können Führungskräfte von Sportler/innen etwas lernen, Herr Professor?

Prof. EBERSPÄCHER: Wichtig ist es zu lernen, sein Bestes dann zuzulassen, wenn es darauf ankommt - im entscheidenden Augenblick also. Dazu müssen eine Reihe von Bedingungen passen, aber eben auch die mentalen Prozesse im Kopf, die das Handeln unterstützen sollen und nicht stören. Das setzt Management voraus, verstanden als zielbezogene Steuerung, in diesem Falle eben der mentalen Prozesse: Selbstmanagement.

RED: Haben Sie ein Beispiel für uns?

Prof. EBERSPÄCHER: Beispiele gibt es da unüberschaubar viele. Denken Sie etwa an Olympische Spiele, wie wir sie jetzt gerade wieder sehen. Athletinnen und Athleten bereiten sich jahrelang darauf vor und müssen sich dann in ihrem Wettkampf auf den Punkt optimal selbst managen, um motiviert, fokussiert, entschieden und erfolgszuversichtlich genau das zu tun, was zu tun ist. Denken Sie an Biathleten beim Schießen, an Eiskunstläufer, Abfahrer oder Skispringer.

RED: Was konkret können Führungskräfte in ihrem Alltag berücksichtigen, um mit mehr Leichtigkeit ihre Aufgaben zu „schultern“?

Prof. EBERSPÄCHER: Leichtigkeit ist sicher ein wichtiger Aspekt. Für mich steht aber auch die optimale Nutzung des eigenen Potentials im Vordergrund, um bei der Arbeit und im Privaten einerseits Anforderungen zu schaffen, andererseits daraus auch Kraft zu ziehen. Konkrete Ansätze wären hier beispielsweise, angemessene Ziele zu verfolgen, mit Erfolg wie mit Misserfolg umgehen zu können, eine realistische Überzeugung in die eigenen Stärken zu entwickeln, aber auch sich entspannen und regenerieren zu können.

RED: Und meine letzte Frage: Was müssen aufgeschlossene Führungskräfte tun, um das zu lernen und um sich so ihren Führungsalltag zu erleichtern?

Prof. EBERSPÄCHER: Sie haben im Prinzip das gleiche Ziel wie Athleten: Gut zu sein, wenn es darauf ankommt. Das lässt sich mental trainieren, um sich immer besser selbst managen zu können.

RED: Herr Professor, wir freuen uns, Sie als Gastredner des Seminars „Selbst- und Zeitmanagement für Führungskräfte in Sportorganisationen“ am 18.-19.03.2010 begrüßen zu können.
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