Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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20. Dezember 2007

Nach Analysen Athen 2004: Umstrukturierungen im deutschen Spitzensport

Die deutsche Medaillen-Bilanz vor allem bei Olympischen Sommerspielen fällt immer geringer aus. Gerade die Analysen aus Athen 2004 führten zu erheblichen Umstrukturierungen mit mehr Eigenverantwortung für die jeweiligen Fachverbände. Zuvor werden aber Zielvereinbarungen abgeschlossen. Diesen Prozess, in den die Führungs-Akademie von Beginn an involviert war, erläutert der stellvertretende DOSB-Leistungssport-Direktor Jörg Ziegler im Interview.

 

 

Im Dezember 2006 hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes die Eckpunkte für ein neues Steuerungsmodell für den Leistungssport beschlossen. Was waren die Auslöser für diesen Beschluss?

 

Jörg Ziegler: „Auslöser für den Beschluss waren die Analysen der vergangenen Olympischen Spiele, vor allen Dingen die Analysen zu Athen 2004, die einen weiteren Leistungseinbruch im olympischen Sommersport in vielen Bereichen konstatierte.

 

Weitere Gesichtspunkte waren die Überlegungen und Analysen der Strukturkommission von NOK und DSB zur Fusion. Für die organisatorische Landschaft des Leistungssports wurden eine nicht mehr zu vertretende Vielzahl an Gremien, unzureichend ausgeprägte Wahrnehmung von Steuerungsfunktionen, unklare Kompetenzverteilungen und eine diffuse Verantwortungsverteilung besonders im Übergang aus der Bundes- in die Landeszuständigkeit festgestellt. Abgeleitet wurde daraus eine Straffung der Organisationsstruktur des Leistungssports, die u.a. auch durch klare Verantwortungsübernahmen und Verbindlichkeiten im Rahmen einer gemeinsam definierten Zielstellung gekennzeichnet sein sollten und die Steuerung des Leistungssports neu definieren musste.“

 

Welche inhaltlichen Forderungen sind mit dem Aktionsplan verbunden? Wie sieht das neue Steuerungsmodell aus?

 

Jörg Ziegler: „Inhaltlich legte der Aktionsplan eine Wendung von der bisherigen Detailsteuerung in eine Wirkungssteuerung im Leistungssport nahe. Dies war verbunden mit der eindeutigen Zuordnung einer strategischen, übergeordneten Führungsrolle des DOSB, der Einführung verbindlicher Steuerungsinstrumentarien auf freiwilliger Basis, der neuen und definierten organisatorischen Zuordnung für die strategischen und operativen Aufgaben der Dachorganisation und der Stärkung der Eigenverantwortung der jeweiligen Partnerorganisationen.

 

Das neue Steuerungsmodell legt die sportlichen übergreifenden strategischen Zielstellungen für den olympischen Sommer- und Wintersport fest. Die Instrumentarien und Prinzipien der Steuerung sind der Kern des Neuen Models. Über Ziel- und Kooperationsvereinbarungen mit den unterschiedlichen Partnern – auch dem Bundesinnenministerium – werden zukünftig auf Basis der gemeinsamen Zielstellung unter Wahrnehmung der Autonomie der Verbande Teilzielstellungen und Inhalte zur Umsetzung festgelegt und regelmäßig gemeinsam auf ihre Umsetzung und Wirksamkeit hin geprüft.

 

Eine besondere Rolle bei diesen Überlegungen spielte die Stärkung der Eigenverantwortung und Erhöhung der Gestaltungsspielräume der Verbände und die Befähigung der Spitzenverbände zur möglichst optimalen Gestaltung des Leistungssports in ihren Sportarten und Disziplinen. Auch der Abschluss einer Zielvereinbarung mit dem Bundesinnenministerium und die inzwischen erreichte Erhöhung der Ressourcen zur Zielerreichung über zusätzliche Bundes-Mittel oder die Anhebung der Anzahl der Sportlerstellen u.a. bei der Bundeswehr und Bundespolizei sind im Steuerungsmodell verankert.“

 

Zentrales Moment im neuen Steuerungsmodell sind Zielvereinbarungen. Nach einem Pilotprojekt mit dem Deutschen Schwimmverband und dem Snowboard Verband Deutschland wurde ein Leitfaden entwickelt. Welches sind die Kernpunkte des Leitfadens?

 

Jörg Ziegler: Der Leitfaden für den Zielvereinbarungsprozess beschreibt und legt die Elemente des Zielvereinbarungsprozesses, den Ablauf zur Erstellung der Zielvereinbarungen, den Ablauf einer Verhandlung zu den Zielvereinbarungen und das Controlling sowie die Bestandteile des Berichtswesens fest. Es werden detaillierte Angaben aller notwendigen Teilschritte des Gesamtprozesses aufgeführt. Um das „Handling“ zu verbessern, sind Beispiele einzelner Zielvereinbarungen oder auch Festlegungen für den Fall einer Nichteinigung im Rahmen eines Eskalationsmodells beschrieben.

 

Die Erfahrungen im Rahmen des Pilotprojektes brachten unersetzbare Hinweise und Erfahrungen für die Beschreibung der zukünftigen Abläufe ein. Inzwischen fließen auch laufend die Erfahrungen aus Zielvereinbarungsgesprächen mit ein.“

 

Seit September 2006 ist die Führungs-Akademie in den Umstrukturierungsprozess eingebunden. Wie sieht die konkrete Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie aus und worin liegen die Vorteile dieser Zusammenarbeit?

 

Jörg Ziegler: „Die Zusammenarbeit mit der FA gestaltet sich vielfältig. Von der Pilotprojektierung über die Durchführung des Projektes bis zur Abrechnung hat die FA dem DOSB wesentliche Arbeits- und Planungsschritte abgenommen. Die qualifizierte fachliche Beratung zur inhaltlichen Gestaltung und die zur Verfügungsstellung von im Spitzensport bewanderten exzellenten Referenten, Experten und Moderatoren waren der Garant für die zügige und vor allen Dingen qualitativ hochwertigen Ergebnisse des Gesamtprojektes.

 

Ungewöhnlich war aus meiner Sicht für einen so schwierigen Prozess das unkomplizierte und von Anfang an vertrauensvolle Zusammenarbeiten mit den Experten und Moderatoren, denen es gelang, notwendige Distanz im Diskussionsprozess und inhaltliche Beratung direkt zu verbinden.

 

Ein weiterer Vorteil der Zusammenarbeit liegt in der Einbindung der FA in den weiteren Prozess der Umsetzung der Zielvereinbarungen, die eine Schulung sowohl der Spitzenverbände als auch der Koordinatoren des DOSB nach sich zieht. Hier kann ohne weitere inhaltliche oder aufwendige organisatorische Vorbereitung die Zusammenarbeit nahtlos weitegeführt werden.“