Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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10. Dezember 2007

Neues Steuerungsmodell Leistungssport

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat im vergangenen Jahr ein „Neues Steuerungsmodell“ für den Leistungssport entwickelt, das auf Zielvereinbarungen zwischen DOSB und Spitzenverbänden aufbaut und konsequent auf die Erfüllung der sportlichen Zielsetzungen bei verbessertem Ressourceneinsatz ausgerichtet ist. Die Gremien des DOSB haben dieses Konzept diskutiert, Anregungen eingebracht und verabschiedet. Das neue Steuerungsmodell ist verknüpft mit einer Zielvereinbarung des BMI und des DOSB über die Zusammenarbeit im Rahmen der Spitzensportförderung, die von beiden Seiten erarbeitet wurde.

 

Aufgabe des Geschäftsbereichs Leistungssport im DOSB war es, dieses Steuerungsmodell auf die Bedingungen der Sportverbände abzustellen und die Umsetzung einzuleiten. Dabei war zu berücksichtigen, dass mit dem neuen Steuerungsinstrument „Zielvereinbarung“ eine Veränderung der Zusammenarbeit und des Rollenverständnisses von DOSB und Spitzenverbänden einhergeht. Wichtig war es deshalb, ein gemeinsames Verständnis der Steuerungsinstrumente und übergreifende Verfahrensstandards zu entwickeln, die zugleich auch die Unterschiedlichkeit der Handlungsbedingungen der Sportfachverbände berücksichtigen.

 

In einem vom BMI geförderten Projekt hat die Führungs-Akademie seit Anfang dieses Jahres den Geschäftsbereich Leistungssport des DOSB bei der Entwicklung eines geeigneten Verfahrens unterstützt. Die damit verbundene Aufgabenstellung war anspruchsvoll, da mit diesem institutionellen Zielvereinbarungskonzept, das das Neue Steuerungsmodell Leistungssport anstrebt, in einer Reihe von Themenbereichen Neuland betreten wurde. Darüber hinaus stellte sich auch die Aufgabe, von bisher gewohnten Vorstellungen und Praktiken der Zusammenarbeit zwischen DOSB und Spitzenverbänden zumindest in Teilbereichen Abschied zu nehmen und ein neues Verständnis aufzubauen. Transparenz des zu konzipierenden Verfahrens wie auch der Weg dorthin sind deshalb wesentliche Erfolgsfaktoren des neuen Steuerungssystems.

 

Wesentliche Voraussetzung dafür war es, den Konsens für ein gemeinsames Steuerungsverständnis herzustellen und im Laufe des Projektes weiter zu stabilisieren. Dazu wurde zunächst in Workshops mit den Verbandskoordinatoren, den Ressortleitern und dem Direktor des Geschäftsbereichs Leistungssports des DOSB das Zielvereinbarungs- und Controllingkonzept entwickelt. Das neue Rollenverständnis der Verbandskoordinatoren und die Controllingfunktion des DOSB im Steuerungsprozess wurden intensiv diskutiert und geklärt. In weiteren Workshops mit zwei Spitzenverbänden, dem Deutschen Snowboardverband und dem Deutschen Schwimmverband, wurde der konzipierte Zielvereinbarungsprozess in „Pilotprojekten“ im Simulationsverfahren getestet. Die in beiden Pilotprojekten gewonnen Erkenntnisse flossen in das Konzept ein. Im Juli 2007 wurde es vom Präsidium verabschiedet.

 

Kern des Neuen Steuerungsmodells ist in der ersten Stufe ein Zielvereinbarungsprozess zwischen DOSB und dem jeweiligem Spitzenverband, der vom DOSB angestoßen wird und der in einer Vereinbarung über die zu erreichenden Ziele mündet. Ziele sind dabei Medaillen-Ziele bei den Olympischen Spielen sowie spezifische Unterziele. Im nachfolgenden Controlling-Prozess wird der Zielerreichungsgrad über vereinbarte (Früh)Indikatoren geprüft und in „Meilensteingesprächen“ gemeinsam bewertet. Je nach Situation werden bei Zielabweichungen Korrekturmaßnahmen vereinbart, die die weitere Zielerreichung gewährleisten sollen.

 

Die Rahmenbedingungen für die Zielvereinbarungsgespräche sind günstig: Der Bundesminister des Inneren hat mehr Mittel für den Leistungssport für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt. Der DOSB führt die Zielvereinbarungsgespräche mit den Olympischen Wintersportverbänden noch in diesem Jahr durch; die Gespräche mit den Sommersportverbänden finden im März und April 2008 statt.

 

Um die Verbandskoordinatoren des Geschäftsbereichs Leistungssports bei ihrer veränderten Aufgabenstellung zu unterstützen, sind Weiterbildungsmaßnahmen für 2008 geplant. Die Führungs-Akademie bietet an, das Weiterbildungskonzept zu entwickeln und umzusetzen.

 

Siehe auch: Interview mit Jörg Ziegler - Nach Analysen Athen 2004: Umstrukturierungen im deutschen Spitzensport

 

Koordiniert hat das Projekt Gabriele Freytag. Berater der Führungs-Akademie in diesem Projekt sind:

 

Dr. Zoltán Jákli, Wiesbaden
Zoltán Jákli ist für die Führungs-Akademie seit 2001 als Organisationsberater und Coach tätig.

Dietmar Kaletsch, Hanau
Dietmar Kaletsch ist Organisationsberater und u.a. Experte für Zielvereinbarungssysteme und Controllingkonzepte.