Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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26. August 2009

Sportbund Rheinland – Fit für die Zukunft

Der Präsident des Sportbundes, Fred Pretz, zu den Perspektiven der Verbandsentwicklung und der Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie.

 

FRAGE: Der Sportbund Rheinland hat gerade erst sein 60jähriges Bestehen gefeiert. Die Rückschau auf die vergangenen 60 Jahre war wichtig und schön. Aber die weitere Existenz des Verbandes ist nur durch den Blick nach vorn zu sichern. Was unternimmt der Sportbund Rheinland in Sachen Zukunftsorientierung?

 

FRED PRETZ: Beim Feiern der Vergangenheit haben wir die Zukunftssicherung nicht vergessen. Sorgen bereitet uns, dass wir im Bereich der Ehrenamtlichkeit seit längerem leicht rückgängige Zahlen haben. Da für uns aber die Qualität und nicht die Quantität entscheidend ist, müssen wir die Defizite durch gesteigertes Qualitätsmanagement, durch Aus- und Fortbildung unserer Funktionäre ausgleichen. Nur mit Qualität ist eine gute Vereinsführung zu erhalten und sind die Vereine zukunftsfähig zu machen.

 

FRAGE: Grundsätzlich wird der unter dem Dach des DOSB organisierte Sport in Deutschland auf all seinen Ebenen durch ehrenamtlich wirkende Persönlichkeiten gelenkt. In seiner durch die Führungs-Akademie des DOSB veranstalteten KÖLNER SPORTREDE setzte sich Sportredner Hanns Michael Hölz für schlankere Organisationsstrukturen im Sport ein. In einer Zeit, in der an die Verwaltung des Sports immer höhere fachspezifische Anforderungen z.B. auf den Gebieten Juristerei, Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Umweltschutz etc. gestellt werden, würde der Bankkaufmann Hölz gerne hauptamtlichen Führungskräften mehr Kompetenz geben. Dadurch sähe er die Aufgabe der Ehrenamtlichen im Sport dennoch nicht gemindert. Im Gegenteil: In seiner Kontrollfunktion sieht Hölz das Ehrenamt sogar aufgewertet. Ist diese Überlegung für die Verbände und Vereine – hier speziell im Rheinland – akzeptabel?

 

FRED PRETZ: Wir haben im Rheinland einen Sportorganisationsaufbau, der auf die ehrenamtliche Arbeit zugeschnitten ist – das reicht vom kleinsten Verein auf Kreisebene bis ins Präsidium des Sportbundes hinein. Herr Hölz hat sicherlich gute Ideen in seine Rede eingebracht. Aber was er da vorgeschlagen hat, ist mit den Statuten und mit dem organisatorischen Aufbau im Sportbund Rheinland nicht vereinbar. Andererseits haben wir im Rheinland durchaus schon Dinge realisiert, die Herr Hölz in seiner Sportrede angesprochen hat. Wir verfügen bereits über eine komplexe Verbindung von Hauptamt und Ehrenamt. Man kann es als Symbiose bezeichnen, was zwischen dem Hauptamt und dem Ehrenamt in der Geschäftsstelle des Sportbundes abläuft. Es ist kein gegeneinander, sondern ein miteinander. Dazu bedarf es sehr intensiver Kommunikation und großer Transparenz. Ich glaube, wir sind hier im Rheinland auf dem richtigen Weg, beispielhaft für die gesamte Sportpolitik in Deutschland das positive Nebeneinander von Haupt- und Ehrenamt nicht nur zu predigen, sondern in der Praxis zu leben. Und dass wir das leben, bekommen wir immer wieder durch Rückmeldungen aus den Vereinen und den Sportfachverbänden bestätigt.

 

FRAGE: Erlauben Sie die Nachfrage: Sie haben zugestanden, dass es immer problematischer wird, Ehrenamtliche zu gewinnen. Und dennoch behalten Sie Ihren Optimismus?

 

FRED PRETZ: Der Hinweis von Herrn Hölz in seiner Kölner Sportrede, dass es für Ehrenamtler immer schwieriger wird, sich in Sachen Juristerei, Steuerrecht etc. zurecht zu finden, ist durchaus korrekt. Deshalb unternehmen wir auch alle Anstrengungen, unsere Ehrenamtler fit zu machen.

Wir haben im Sportbund Rheinland eigens eine Management-Akademie für die Vereine und Sportfachverbände aufgebaut. Wir geben Seminare in Steuerrecht, zu juristischen Problemstellungen, usw. Fachleute sollen den Vereinsvorständen die Angst vor Fehlern nehmen, die am Ende zu privat- oder gar strafrechtlichen Konsequenzen führen. Wir sind auf dem Weg, jedem Vorstand in unseren 3300 Vereinen entsprechende Weiterbildungsseminare anzubieten. Wir wollen den Vereinen kein Korsett überstülpen, sondern die Ehrenamtler fortbilden. Unsere Fortbildungsstrukturen werden inzwischen weit über die Grenzen unseres Sportbundes hinaus anerkannt. Auch aus benachbarten Verbänden bekommen wir bereits immer wieder Anfragen, ob wir unsere Akademieangebote nicht noch ausweiten können.

 

FRAGE: Auch im Download-Bereich der Website des Sportbundes Rheinland sind ja viele beispielhafte Hilfen zu finden.

 

FRED PRETZ: Wir sind noch einen Schritt weiter. Wir sind an die Vorstände der Vereine sowie der Fachverbände rangegangen und haben Vorstandsklausuren angeboten. Diese Vorstandsklausuren werden uns wie heiße Würstchen aus der Hand gerissen; wir haben schon Wartelisten. Alle unsere Angebote sind für das Jahr 2009 schon ausgebucht, so groß ist die Nachfrage.

Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, auch die Ehrenamtler so fit zu machen, dass sie entsprechend kompetent sind. Und ich bin stolz darauf, dass wir hier auf der Geschäftsstelle unter den 23 hauptamtlichen Mitarbeitern die einstimmige Auffassung haben, dass wir nur im Miteinander von Haupt- und Ehrenamt Erfolg haben werden.

 

FRAGE: Der Sportbund Rheinland, aber das gilt ja eigentlich auch für alle anderen Sportbünde, soll zukunftsfähig bleiben. In Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie des DOSB sollen Zukunfts- und Strategieworkshops stattfinden. Ganz spontan gefragt: Wo sieht der Präsident des Sportbunds Rheinland erste Aufgabenfelder? Haben sie auch schon Bewältigungsstrategien im Kopf?

 

FRED PRETZ: Ganz vorne steht die Mitgliederwerbung für die Vereine. Die Vereine müssen zielgruppenspezifische Angebote machen, mit denen man gleichermaßen die Jüngeren wie auch die Älteren ansprechen kann, um sie in die Vereine zu holen. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns auch mit den Konsequenzen der demographischen Entwicklung. Wir müssen erkennen, dass viele Senioren und Seniorinnen immer fitter sind und bleiben wollen. Auch diesen Mitgliedern müssen wir zeitgemäße Angebote unterbreiten. Das kann z.B. die Sitztanzgruppe oder der Sprechgesang mit leichter sportlicher Betätigung sein aber auch Präventions- und Reha-Sportangebote. Entsprechende neue attraktive Angebote müssen wir mit den Übungsleitern entwickeln.

Und dann ganz wichtig: Familiensportangebote! Wo Vater und Mutter den Sport vorleben, wird auch das Kind aktiv werden. Die Familie soll die Freizeit familiengerecht gemeinsam verbringen können. Die Familien müssen wir über den Breitensport ansprechen. Wir müssen verhindern, dass bereits Kinder vereinsamen, weil sie zwar alle Nintendospiele beherrschen, aber nicht in der Lage sind, auf einen Baum zu klettern. Sport muss in der Familie vorgelebt werden. Insgesamt kann man aufgrund heutiger Freizeitinteressen sagen, dass der Gesundheits- und Freizeitsport für alle Altersgruppen die Herausforderung im organisierten Sport für die Zukunft darstellt.

 

FRAGE: In diesen Tagen dreht sich alles mehr denn je ums liebe Geld. Ideen, wenn sie realisiert werden sollen, ziehen Folgekosten nach sich. Wie löst der Sportbund Rheinland dieses Problem?

 

FRED PRETZ: Um die Ideen, die wir haben, zu realisieren, brauchen wir Partner. Da nenne ich an erster Stelle den DOSB, und im Aufbau unserer Strukturen ganz konkret die kompetente Führungs-Akademie des DOSB. Wir dürfen nicht nur unser eigenes Süppchen kochen, wir müssen auch von außen neutrale Kompetenzen erwerben. Im Rahmen unseres Sportbund-Budgets haben wir immer eine größere Position für Entwicklungs- und Fortbildungsmaßnahmen veranschlagt. Das neue Projekt - die Förderung unserer Fachverbände - stellt hier eine zukunftsorientierte Ergänzung unseres Angebotes dar. Ich denke, das ist sehr gut investiertes Geld. Denn wenn unsere Fachverbände und unsere Vereine stark sind, dann sind auch wir stark. Und deshalb freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie das DOSB.

 

Die Fragen stellt Hanspeter Detmer (Köln).