Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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20. Juli 2011

Sportentwicklungsbericht: Sport – der „soziale Kitt“ unserer Gesellschaft


Auch die dritte Auflage zeigt die gesellschaftspolitisch bedeutsamen Dimensionen und Leistungen der gemeinnützigen Vereine und Organisationen

(DOSB-PRESSE) Der Sport – und damit meinte Walter Schneeloch als DOSB-Vizepräsident in erster Linie den gemeinnützig im DOSB organisierten Vereinssport – ist und bleibt der „soziale Kitt“ in unserer Gesellschaft. Was Walter Schneeloch bei der Vorstellung des nach 2007 und 2009 nunmehr dritten Sportentwicklungsberichts am Freitag in Köln als den „gesellschaftlichen Mehrwert der Vereine“ bezeichnete, bestätigte Prof. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln in deren Senatssaal eindrucksvoll. Weiterhin ist im Verhältnis zu den kommerziellen Sportstudios das Angebot der herkömmlichen Sportvereine vielfältiger und preiswerter. Auch haben die Vereine eine für weitere Gesellschaftsfelder wichtige Signalfunktion, denn die Geselligkeit im Verein bremst in unserer Gesellschaft den Trend zur Individualisierung und Vereinsamung. Zudem sind seine Kooperationsangebote an Schulen ebenso wie Krankenkassen, oder Senioreneinrichtungen und vielen anderen Institutionen vorbildlich.

Integrationseffekte von Sportvereinen sind stark 

Vorreiter sind die Vereine auch mit ihren Migrationsangeboten. Im Vergleich mit dem Vorgängerbericht 2007/2008 konnte Breuer nachweisen, dass Personen mit Migrationshintergrund in verstärktem Maße beginnen, Vereinsfunktionen in Vorständen oder auf der Ausführungsebene zu übernehmen. Schneeloch: „Das ist gelebte Integration. Die Integrationseffekte von Vereinen sind drei Mal so stark wie die von kommerziellen Sporteinrichtungen. Da wächst etwas zusammen.“

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Prof. Breuer stellte ausgerechnet im Jahr der Freiwilligentätigkeit fest: „Die Gewinnung von Ehrenamtlichen steht im Focus der Probleme.“ Ausgemacht wurde ein Ost-West-Gefälle. In den östlichen Bundesländern ist die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement größer als im Westen. Immerhin führten neun Prozent der Vereine die mangelhafte Rekrutierung von Ehrenamtlern als Existenz bedrohend an.

Prof. Breuer formulierte dazu aber gleichzeitig auch eine Lösungsmöglichkeit: „Je mehr ein Verein in Geselligkeit investiert, desto größer wird unter seinen Mitgliedern die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement.“

Rund 20.000 Vereine lieferten Daten für die Zusammenstellung des jüngsten Sportentwicklungsberichts. Breuer: „Nicht nur die Sportpolitiker von der kommunalen Ebene bis hin zur Bundesregierung brauchen diese Informationen zur Reflexion und Planung. Diese Vereinsdaten haben einen gesellschaftspolitischen Mehrwert, der weit über Breiten-, Wettkampf- und Leistungssport hinausgeht.“

So wird auf das Spannungsverhältnis zwischen Sport und Schulreform hingewiesen. Klagen, wie sie aus den Reihen des Sports im Verhältnis zu den Offenen Ganztagsschulen sowie die Einführung des achtjährigen Gymnasiums vernommen wurden, ließ Prof. Breuer bei der Vorstellung des Berichts jedoch nicht unkommentiert: „Das ist zweifelsfrei für den Sport eine große Herausforderung. Der Sport, seine Verbände und Vereine, müssen hinzulernen.“ DOSB-Vizepräsident Schneeloch nahm den Ball auf: „Ich bin mir sicher; wir werden es schaffen.“

Probleme der Sportstättensanierung wachsen

Immer größer werden die Probleme der Sportstättensanierung sowie dem Bau neuer Sportanlagen für zeitgemäße Sportarten. Walter Schneeloch bezifferte den Sanierungsstau der Sportstätten inzwischen auf 42 Milliarden Euro. „Wir sind im Bereich des Sportstättenbaus vom Weltmeister zum Kreisligisten abgestiegen.“ Die Vergabe olympischer Winterspiele 2018 hätte sicherlich dem gesamten deutschen Sport einen positiven Schub verpasst. Er hoffe, sagte Schneeloch, dass die Politik den organisierten deutschen Sport aber auch ohne Highligths in den nächsten Jahren nicht hängen lasse, was die Bereitstellung notwendiger Finanzmittel zur Basisstärkung betreffe.

Mit dem Konjunkturpaket II, stellte Andreas Klages als Referatsleiter Sportstättenentwicklung im DOSB fest, sei ein Schritt in die richtige Richtung eingeschlagen worden. Vereine und Verbände müssten aber auch findig sein, was EU-Fördermittel betreffe. Zumal die weitere Förderung des Sports auch unter volkswirtschaftlichen Aspekten wichtig sei.

Der neueste Sportentwicklungsbericht weist aus, dass Sportvereine in wachsendem Maße Arbeitgeber sind, dass die steuerlichen Rückflüsse der Vereine an Bund, Länder und Kommunen rund 822 Millionen Euro im Jahr ausmachen und dass die ehrenamtlichen Leistungen in den Vereinen einer jährlichen Wertschöpfung von 6,7 Milliarden Euro entsprechen.

Kehrseite der Medaille sind die existenziellen Probleme, die nahezu jeder dritte Verein bei seiner Datenmeldung an die Wissenschaftler meldete. Veronika Rücker von der Führungs-Akademie des DOSB: „Man muss jedoch genau analysieren. Die Probleme im Westen sind andere als im Osten. Auch klagen Vereine in Großstädten mehr über Sportstättenprobleme als Vereine in der Provinz.“ Und Vereine aus vergleichsweise bescheidenen Randsportarten haben weniger Probleme als Fußballvereine, die bei den Problemmeldungen überproportional vertreten waren, weil offenbar manche Probleme vor allem in untersten Ligen hausgemacht sind, wenn Sportler zu hoch materielle Vorteile erhalten.

Führungs-Akademie hilft, Probleme zu analysieren

Was die Problemanalyse betrifft, so wurde der Deutsche Schützenbund, der sich der Unterstützung der Führungs-Akademie des DOSB bediente, als vorbildlich vorgestellt. Seine Probleme kommen nicht aus dem Bereich der Mitglieder und des Sports, sondern basieren auf immer neuen durch die Politik erlassenen Gesetze und Verordnungen. Auch die Reiterliche Vereinigung (FN) erstellt derzeit mit Hilfe der Führungs-Akademie eine Analyse, die in Kürze unter dem Titel „Vorreiter Deutschland“ veröffentlicht werden soll.

Auftraggeber zum 3. Sportentwicklungsbericht waren das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sowie die Landessportbünde. Aufmerksamkeit findet der Sportentwicklungsbricht inzwischen weit über Deutschland hinaus. Schon der 2. Sportentwicklungsbericht wurde ins Japanische übersetzt. An der Vorstellung des jüngsten Sportentwicklungsberichts nahmen jetzt sogar Südkoreaner und Chinesen teil.

Weil mit dem 3. Sportentwicklungsbericht erneut die gesellschaftspolitisch bedeutsamen Dimensionen und Leistungen der gemeinnützigen Sportvereine und Sportorganisationen bewiesen werden, freute sich DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch, dass auch die nächsten drei Erhebungswellen bis ins Jahre 2017 bereits gesichert seien.

Hanspeter Detmar
(Erstveröffetnlichung DOSB-Presse)