Nachrichten - Details
Sportentwicklungsbericht 2005/2006: Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland (von Prof. Dr. Christoph Breuer, Deutsche Sporthochschule Köln - DSHS)
Sportorganisationen werden vor vielfältige Herausforderungen gestellt, die aber auch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Um die damit verbundenen Entscheidungen zu erleichtern, bedarf es einer umfangreichen und systematischen Informationsgewinnung. Mehr Wissen verbessert die Handlungsfähigkeit von Sportorganisationen. Mit dem Sportentwicklungsbericht wurde ein nutzbares wissensbasiertes Steuerungsinstrument für die Sportentwicklung eingeführt, der für die Sportorganisationen zahlreiche grundlegende Erkenntnisse zur Gestaltung der Zukunft im Sport bietet.
Ziel der Sportentwicklungsberichte für Deutschland ist eine kontinuierliche sportpolitische Beratung, Langzeitbeobachtung und Interventionsabschätzung, wie sie in anderen Staaten und Politikfeldern bereits etabliert ist. Der Wert solcher Instrumente steigt naturgemäß mit der Anzahl an Messzeitpunkten. Doch zeigt bereits der erste Sportentwicklungsbericht 2005/2006 zahlreiche Befunde und Handlungsempfehlungen für die Sportpolitik Deutschland und die 16 Bundesländer:
Befunde
- Die Sportvereine in Deutschland leisten einen bemerkenswerten Beitrag zum Gemeinwohl. Ohne sie wäre eine adäquate Sportversorgung der Bevölkerung kaum denkbar. Mit knapp 90.000 Vereinen bieten sie eine enorme Trägerfunktion für die Bereiche des Leistungs-, Freizeit- und Gesundheitssports. Neben der quantitativen Bedeutung ist qualitativ hervorzuheben, dass die Sportvereine als Nonprofit-Organisationen ein besonders gemeinwohlorientiertes Sportangebot bereitstellen. So ist es den deutschen Sportvereinen unter einer Vielzahl möglicher Vereinsziele besonders wichtig, (1) Werte wie Fair Play und Toleranz zu vermitteln, (2) eine preiswerte Möglichkeit zum Sporttreiben anzubieten, (3) sich sehr stark in der Jugendarbeit zu engagieren und (4) Wert auf Gemeinschaft und Geselligkeit zu legen. In dieser Hinsicht dürften sie sich maßgeblich von anderen Sportanbietern unterscheiden.
- Dass diese Ziele nicht nur proklamiert, sondern auch tatsächlich umgesetzt werden, zeigt sich exemplarisch an den Beitragsstrukturen der Sportvereine. 50 % der Sportvereine in Deutschland verlangen lediglich einen Montagsbeitrag von 3,- € oder weniger für Kinder, von 3,60 € oder weniger für Jugendliche und von 6,50 € oder weniger für Erwachsene. 61 % der Sportvereine in Deutschland bieten überdies spezielle Tarife für Familien an. Bei 50 % der Sportvereine liegen diese bei monatlich 12,- € oder darunter. Damit werden ökonomische Barrieren für angeleitete sportliche Aktivität vermieden.
- Ihre Gemeinwohlfunktion im Rahmen der Sportversorgung unterstreichen die Sportvereine auch dadurch, dass sie einen bemerkenswerten Anteil an der Sportstätteninfrastruktur selbst bereitstellen. Dadurch ermöglichen sie häufig erst spezifische sportliche Aktivitäten im lokalen Raum. So besitzen in Deutschland allein etwa 8.100 Vereine eigene Turn- und Sporthallen, 10.200 Vereine eigene Sportplätze für Fußball/Hockey, 3.300 Vereine eigene Sportplätze für Leichtathletik sowie 10.100 Vereine eigene Tennisplätze. Mehr als 31.000 Verei-ne mit eigenen Vereinsheimen verdeutlichen überdies, dass die Sportvereine häufig zugleich auch die Infrastruktur für gesellige Angebote selbst bereitstellen. Insgesamt stellen die Sportvereine damit 10.300 Turn- und Sporthallen bereit, knapp 18.000 Sportplätze für Fußball und Hockey, 49.000 Tennisplätze sowie 38.400 weitere Sportanlagen. Die Analysen des Sportentwicklungsberichts belegen ferner, dass eine Investition in eigene Sportplätze das finanzielle Risiko des Sportvereins nicht erhöht. Eine Investition in Sporthallen erhöht das finanzielle Risiko des Sportvereins dagegen leicht. Hier wären entsprechende Unterstützungsleistungen angebracht. Auffällig ist, dass hinsichtlich des Besitzes eigener Sportanlagen in Deutschland ein deutliches Nord-Süd- sowie Ost-Süd-Gefälle vorliegt.
- 68 % der bundesdeutschen Sportvereine nutzen kommunale Sportanlagen. Hochgerechnet auf alle Sportvereine sind dies knapp 61.000 von 90.000 Vereinen, die kommunale Sportanlagen nutzen. Vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Haushalte sowie neuer Steuerungsmodelle scheint sich allerdings die Struktur dieser Subventionierung zu wandeln. So ist lediglich für 28 % der Vereine, die kommunale Sportanlagen nutzen, deren Nutzung kostenfrei bzw. nicht an Gegenleistungen wie Schlüsselgewalt, Pflegeverantwortung etc. gebunden. 52 % der Vereine erbringen sonstige Gegenleistungen für die Nutzung kommunaler Sportanlagen. 48 % der Vereine bezahlen Nutzungsgebühren für die von ihnen genutzten kommunalen Sportanlagen.
- Die Bedeutung der Sportvereine für Deutschland wird aber auch an ganz anderen Befunden ersichtlich. So begnügen sich die Sportvereine nicht mit klassischen Sportangeboten, sondern leisten einen expliziten Beitrag zur Gesundheitsver-sorgung der Bevölkerung. 12 % aller Vereinsangebote beziehen sich auf allgemeine gesundheitliche Beeinträchtigungen, knapp 4 % auf spezifische Aspekte der Rehabilitation und 6 % richten sich an Behinderte bzw. chronisch Kranke. Insgesamt zielt somit mehr als ein Fünftel aller Sportvereinsangebote explizit auf die Vermeidung, Beseitigung oder Linderung gesundheitlicher Beeinträchtigungen ab.
- Für den hohen Gemeinwohlcharakter der Vereinsangebote spricht auch, dass die Sportvereine in der Bundesrepublik zahlreiche Kooperationen mit anderen Akteuren des Gemeinwohls eingegangen sind. So kooperiert knapp zwei Drittel der Sportvereine mit einer Schule, ein Viertel erstellt gemeinsame Angebote mit Schulen. Auch mit Kindergärten, Krankenkassen und Jugendämter bestehen zahlreiche Kooperationen. Bundesweit existieren dadurch knapp 23.000 gemeinsame Angebote mit bzw. für Schulen, etwa 8.500 mit bzw. für Kindergärten, fast 8.000 mit Krankenkassen sowie 4.100 mit Jugendämtern.
- 35 % der deutschen Sportvereine engagieren sich stark bzw. sehr stark im Bereich leistungssportlicher Talentförderung. Daraus resultieren allerdings spezifische Probleme. So haben im Bereich der leistungssportlichen Talentförderung engagierte Vereine signifikant größere Probleme der Kosten des Wettkampfbetriebs sowie der finanziellen Situation insgesamt. Einen Teil dieser Finanzrisiken können diese Vereine allerdings durch ihre höheren Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden kompensieren.
- Neben dem eigentlichen Sportangebot verstärken gesellige Veranstaltungen und Angebote die Gemeinwohlbedeutung der Sportvereine. Dass derlei Angebote von den Mitgliedern tatsächlich aufgegriffen werden und sich das entsprechende Gemeinwohlpotenzial somit grundsätzlich entfalten kann, belegen folgende Befunde: Im Durchschnitt nimmt in den Sportvereinen fast jedes zweite Mitglied an geselligen Veranstaltungen teil. Hochgerechnet haben im Jahr 2004 14,4 Mio. Menschen an geselligen Veranstaltungen ihres Vereins teilgenommen.
- Ein zentrales und angebotsübergreifendes Gemeinwohlmoment stellt der Beitrag der Sportvereine zum bürgerschaftlichen Engagement dar. Hochgerechnet auf alle Sportvereine in der Bundesrepublik engagieren sich dort Mitglieder in etwa 2,8 Mio. ehrenamtlichen Positionen, rund 1,2 Mio. auf der Vorstandsebene und 1,6 Mio. auf der Ausführungsebene (z. B. Trainer, Übungsleiter, Schieds- und Kampfrichter). 1,9 Mio. sind Männer, 900.000 Frauen. Damit dürfte der organisierte Sport den quantitativ bedeutsamsten Träger bürgerschaftlichen Engagements darstellen. Die Ehrenamtlichen im Sport leisten einen beachtlichen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, der mit rd. 8,5 Mrd. Euro pro Jahr beziffert werden kann. Hinzu kommen weitere 4,7 Mio. Mitglieder, die in den Vereinen für die gelegentliche Mithilfe bei Veranstaltungen und andere Aufgaben aktiviert werden können. Insgesamt sind damit rund 29 % der Mitglieder in Sportvereinen für die gelegentliche Mithilfe oder eine regelmäßige Mitarbeit mobilisierbar.
- Mit den ehrenamtlichen Strukturen geht einher, dass Sportvereine auch als „Schulen der Demokratie“, insbesondere für Jugendliche, bezeichnet werden. Demnach ist die entsprechende Gemeinwohlfunktion umso höher, je umfassender entsprechende Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche bestehen. Diese Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche sind in den Sportvereinen insgesamt recht ausgeprägt. So hat in knapp 50 % der Sportvereine ein Jugendvertreter einen Sitz im Gesamtvorstand. In 35 % der Vereine wird die Jugendvertretung durch die Jugendlichen gewählt. In 34 % der Vereine haben die Jugendlichen Stimmrecht in der Hauptversammlung. In 27 % aller Vereine wird ein Jugendlicher als Jugendsprecher gewählt und in 20 % der Vereine existiert sogar ein eigener Jugendvorstand bzw. Jugendausschuss. Bundesweit stellen die Sportvereine somit mehr etwa 60.000 Orte mit demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche bereit.
- Zudem beschäftigt knapp 40 % aller Sportvereine in Deutschland bezahlte Mitarbeiter. 2.400 Vereine stellen Ausbildungsplätze bereit, 1.700 weitere planen, dies zukünftig zu tun. Insgesamt gibt es in den deutschen Sportvereinen – zusammen mit den Honorarkräften – 240.000 bezahlte Stellen. Arbeitsmarktpolitisch bedeutsam sind davon die 36.000 vollzeitäquivalenten Stellen. Diese Zahlen liegen erheblich höher als die meisten Berechnungen aus der Vergangenheit. Dies verdeutlicht die Bedeutung einer regelmäßigen Ermittlung solcher Daten. Damit liegt der arbeitsmarktpolitische Stellenwert der Sportvereine genau so hoch wie der der kommerziellen Fitnessstudios.
- Bei allen bemerkenswerten Leistungen der Sportvereine darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Situation der Sportvereine nicht völlig problemfrei ist. Probleme stellen vor allem die Bindung bzw. Gewinnung (1) ehrenamtlicher Mitarbeiter, (2) jugendlicher Leistungssportler sowie (3) von Mitgliedern dar. Unterstützungsbedarf besteht ferner hinsichtlich (4) der Anzahl an Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften für die Sportvereine, die vielfach als zu hoch bzw. zu belastend eingestuft wird. Bürokratieabbau scheint somit auch hier vonnöten zu sein.
- Die meist positiven Durchschnittswerte dürfen auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es gleichwohl eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Vereinen gibt, die existenzielle Probleme haben. Dies sind bundesweit 13,4 % aller Sportvereine bzw. hochgerechnet etwa 12.000 von 90.000 Vereinen in Deutschland. Blickt man auf die Problemursachen, so sind neben den bereits genannten Problemen Bindung bzw. Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter, jugendlicher Leistungssportler, von Mitgliedern sowie Anzahl an Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften vor allem drei weitere Problembereiche virulent: (a) die finanzielle Situation des Vereins, (b) die zeitliche Verfügbarkeit an Sportstätten sowie (c) der Zustand der genutzten Sportstätten. Hier liegen in mehreren Fällen doch massivere Problemlagen des organisierten Sports vor.
- Die Sportvereine in Deutschland stehen diesen Problemen jedoch nicht untätig gegenüber. So reagieren fast alle Vereine, die von Finanzproblemen betroffen sind, auf diese. Bei Problemen des Arbeitsablaufes sind dies 87 %, bei Ehrenamtsproblemen 84 %, bei Problemen im Bereich bezahlter Mitarbeit 82 % und bei Problemen im Bereich der Mitgliederbindung und -gewinnung immerhin noch 72 %. Auf Probleme im Bereich der Bindung/Gewinnung jugendlicher Leistungssportler reagieren 65 % der betroffenen Vereine. Während Finanzprobleme noch recht häufig erfolgreich gelöst werden können (58 %), ist die Erfolgsquote zur Behebung von Problemen im Bereich der Mitgliederbindung und -gewinnung (27 %) sowie im Bereich Bindung jugendlicher Leistungssportler (20 %) deutlich geringer.
- Blickt man auf die konkreten Maßnahmen und deren Erfolg, so zeigt sich zunächst einmal, dass die Sportvereine mit unterschiedlichen Strategien den jeweiligen Problemen entgegen wirken. So begegnet Finanzproblemen knapp ein Viertel der reagierenden Vereine mit Beitragserhöhungen und je 16 % mit intensivierter Sponsorensuche bzw. Spendenaufrufen sowie der Suche nach zusätzlichen kommunalen Fördermitteln. Während die Maßnahme Beitragserhöhung meist erfolgreich ist, werden eine intensivierte Sponsorenakquise bzw. Spendenaufrufe sowie Gespräche mit Kommunen bzw. die Beantragung weiterer Fördermittel durchschnittlich weniger erfolgreich bewertet.
- Die Hauptstrategie zur Lösung von Problemen der Mitgliederbindung und -gewinnung stellen Maßnahmen der Werbung bzw. der Öffentlichkeitsarbeit dar. Diese Maßnahmen sind allerdings nur selten erfolgreich. Gleiches gilt für Gespräche mit den Mitgliedern bzw. potenziellen Mitgliedern. Die erfolgreichste, allerdings vergleichsweise selten eingesetzte Strategie zur Lösung von Problemen der Mitgliederbindung und -gewinnung stellt die Angebotserweiterung dar.
- Vereine mit Problemen der Bindung/Gewinnung jugendlicher Leistungssportler machen dafür insbesondere die Nachfrageseite verantwortlich. 58 % der Probleme werden im Bereich zu weniger Jugendlicher bzw. zu geringen Interesses bei den Jugendlichen verortet. Knapp 15 % sehen Probleme durch die Ab-werbung anderer Vereine, 13 % durch beruflich bedingte Abwanderungen, 12 % durch eigene Finanzprobleme des Vereins. Als weitere Probleme werden angeführt: fehlende Trainer und Übungsleiter (8 %), Zeitprobleme der Jugendlichen bzw. Zeitextensivität des Leistungssports (5 %) sowie mangelnde Unterstützung durch Eltern bzw. die Schule (3 %). Als erfolgreichste Maßnahmen zur Behebung von Bindungsproblemen jugendlicher Leistungssportler haben sich die Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten sowie die Kooperation mit der öffentlichen Hand herauskristallisiert.
- Die Analysen des Sportentwicklungsberichts zeigen, dass gegenwärtig bereits 40.000 Sportvereine in Deutschland (45 %) in ihrem Handeln von den Auswirkungen der demographischen Entwicklung betroffen sind. In den neuen Bundesländern liegt der Anteil der betroffenen Vereine über 50 %. Besonders deutlich spüren mittelgroße und große Mehrspartenvereine den demographischen Wandel. Dabei müssen allerdings vier Aspekte berücksichtigt werden: (1) So ist für 1,7 % der Sportvereine in Deutschland die demographische Entwicklung gegenwärtig Existenz bedrohend (bei regionalen Spitzen bis 6,7 %). Hochgerechnet sind dies immerhin 1.500 Sportvereine in Deutschland, die aufgrund der demographischen Entwicklung existenziell bedroht sind. (2) Zudem verschärft die demographische Entwicklung ihrerseits maßgeblich andere Vereinsprobleme wie die Gewinnung neuer Mitglieder sowie jugendlicher Leistungssportler. (3) Darüber hinaus darf nicht übersehen werden, dass die Sportvereine zu einer Unterschätzung der Intensität des demographischen Wandels und seiner Auswirkungen tendieren. Dadurch laufen sie Gefahr, auf diese zentrale gesellschaftliche Veränderung nicht hinreichend vorbereitet zu sein. (4) Erfreulich ist, dass drei Viertel der betroffenen Sportvereine in Deutschland aktiv auf die demographische Entwicklung reagieren. 60 % davon tun dies durch verstärkte Werbemaßnahmen, 50 % durch die Erstellung neuer Vereinsangebote, 45 % durch Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und nur knapp 7 % durch eine Reduktion von Vereinsangeboten.
- Probleme im Bereich ehrenamtlicher Mitarbeit versuchen die meisten Vereine durch Gespräche, Bitten und Hinweise auf die Notwendigkeit der Mitarbeit zu lösen. Dieses Vorgehen ist allerdings selten erfolgreich. 12 % der reagierenden Vereine suchen Hilfe von außen und intensivieren die Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf ehrenamtliches Engagement – eine ebenfalls eher wenig erfolgreiche Strategie. Meist erfolgreich dagegen war eine einschlägige Änderung der Vereinssatzung, indem z. B. Pflichtarbeitstunden in der Satzung verankert wurden. Insgesamt sind 92 % der Sportvereine der Meinung, dass Staat und Öffentlichkeit ehrenamtliches Engagement stärker fördern sollten. Blickt man auf die Bereiche, bei denen nach Ansicht der Sportvereine Verbesserungen besonders wichtig wären, so stechen ökonomische und rechtliche Aspekte hervor.
- Die DSB-Kampagne „Sport tut Deutschland gut“ wird ambivalent bewertet. 45 % der Vereine, denen die Kampagne bekannt ist, stufen diese als geeignete Unterstützung der Vereinsarbeit ein. Ein Drittel der Vereine ist der Ansicht, dass die Kampagne keine geeignete Unterstützung ihrer Vereinsarbeit darstellt. Deutlich positiver fällt das Urteil darüber aus, ob die Kampagne eine sinnvolle Möglichkeit sei, die gesellschaftliche Bedeutung des Sports in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Knapp drei Viertel der Vereine, die die Kampagne kennen, stimmen dem zu. Lediglich 11 % verneinen dies.
Bereits nach der ersten Welle des Sportentwicklungsberichts lassen sich folgende Handlungsempfehlungen festhalten:
Handlungsempfehlungen für Staat und Politik:
- Die deutschen Sportvereine sind institutionelle Garanten für die sportbezogene Gemeinwohlproduktion. Sportliche Aktivität im Verein erzeugt aufgrund der institutionellen Rahmenbedingungen des Vereins zugleich deutlich mehr positive Externalitäten als Sporttreiben in anderen institutionellen Arrangements (z.B. informelles Sporttreiben oder sportliche Betätigung in kommerziellen Einrichtungen). Somit ist sportliche Betätigung im Verein keinesfalls eine rein private Angelegenheit, sondern im gesellschaftlichen Interesse. In ordnungspolitischer Hinsicht sind Staat und Politik somit gut beraten, den organisierten Sport weiter zu fördern – sei es mit direkten Zuwendungen, mittels der Gewährung von Steuervorteilen oder durch kostengünstige Möglichkeiten der Nutzung öffentlicher Sportanlagen. Ohne diese Förderung würden die meisten Sportvereine nicht überleben und Sport fände mit deutlich geringeren Gemeinwohleffekten weniger und in anderen institutionellen Arrangements statt.
- Im Rahmen dieser Förderung können aber durchaus Ansätze verfolgt werden, den organisierten Sport in einigen Bereichen zur teilweisen oder kompletten Übernahme einiger öffentlicher Aufgaben (z.B. im Bereich Sportinfrastruktur) bzw. zu neuen Kooperationen mit anderen Akteuren des Gemeinwohls (Schulen, Kindergärten, Jugendeinrichtungen etc.) zu motivieren.
- Im Bereich der spezifischen Förderung ehrenamtlichen Engagements in den Sportvereinen werden die (bessere) steuerliche Freistellung von Aufwandsentschädigungen, die (bessere) steuerliche Absetzbarkeit von Kosten sowie die (bessere) Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung als besonders wichtig erachtet.
- Da die Anzahl an Gesetzen, Vorschriften und Verordnungen von vielen Vereinen als Belastung empfunden wird, sollten Entbürokratisierungsbemühungen von Staat und Politik auch den Bereich der Sportvereine mit berücksichtigen.
- Zur Behebung von Bindungsproblemen jugendlicher Leistungssportler sollten neue Kooperationsformen mit den Sportvereinen etabliert werden, in deren Rahmen insbesondere auch die Trainingsbedingungen für die jugendlichen Leistungssportler verbessert werden.
Handlungsempfehlungen für den organisierten Sport:
- Der Deutsche Olympische Sportbund und die Landes¬sportbünde sollten ihre Beratungs- und Unterstützungsleistungen für die Sportvereine optimieren – insbesondere auf den Feldern (a) finanzielle Unterstützung der Vereinsarbeit generell, (b) Information und Beratung in Sachen Mitgliederbindung und -gewinnung, (c) Information und Beratung bei Marketing/Sponsoring/Öffentlichkeitsarbeit, (d) politische Lobbyarbeit für den Vereinssport sowie (e) Information und Beratung bei Sportstättenbau und –management. Dabei sind die im Sportentwicklungsbericht dargelegten regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen.
- Die Landessportbünde sollten in ihren Vereinsberatungen das nun vorliegende Wissen hinsichtlich erfolgreicher und weniger erfolgreicher Vereinsstrategien bei bestimmten Vereinsproblemen nutzen.
- Im Bereich der Unterstützung und Bindung jugendlicher Leistungssportler sollten neue Kooperationsformen mit der öffentlichen Hand etabliert werden, in deren Rahmen insbesondere auch die Trainingsbedingungen für die jugendlichen Leistungssportler verbessert werden.
- Hinsichtlich der Herausforderungen des demographischen Wandels für die Sportvereine bedarf es weiter an Aufklärungsarbeit.
- Auch sollten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, den Anteil an Sportvereinen mit konkreten Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche weiter auszubauen.



