Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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29. Oktober 2013

Was macht Sportvereine attraktiv? Wie sieht das Bild des Sportvereins im 21. Jahrhundert aus?


„Lust auf Sport und Gemeinschaft“ war der diesjährige Titel der DOSB-Bundeskonferenz Sportentwicklung, die sich mit den Fragen beschäftigte: „Was ist der Kern eines Sportvereins und was macht einen Sportverein attraktiv?“ Was also ist es, was den organisierten Vereinssport auszeichnet und das ihn unverwechselbar macht und das ihn gewissermaßen auch zu einer Marke macht?

Dieser Frage hat sich die Führungs-Akademie im Rahmen einer umfangreichen Interview-Studie mit Expertinnen und Experten genähert. Mit der Anmeldung zur Bundeskonferenz konnten sich Teilnehmer(innen) vorab freiwillig für ein solches Interview melden. Insgesamt konnten auf diese Weise 21 Interviews mit Verbandsvertreter(inne)n realisiert werden, die fundiert Auskunft zu der Frage geben konnten, was einen Sportverein attraktiv macht.

Zur Durchführung und Auswertung der Interviews wurde das so genannte Repertory Grid Verfahren eingesetzt – eine innovative Methode, die bisher vor allem im Bereich der Marktforschung genutzt wird. Das Repertory Grid Verfahren hat aber auch schon Eingang in den Sport gefunden. Unter anderem bei der Teamentwicklung im Spitzensport wird diese Methode bereits mit Erfolg eingesetzt.

Was sind nun die zentralen Ergebnisse dieser Studie? Erstens konnten wir feststellen, dass eine Orientierung an kommerziellen Anbietern und anderen Organisationen aus Sicht der Befragten nicht sinnvoll und gewünscht ist. Das, was einen Sportverein ausmacht, unterscheidet sich fundamental von dem, was ein Fitness-Studio auszeichnet oder beispielsweise auch den ADAC ausmacht. Eine verstärkte Orientierung an Kunden, Dienstleistung und Marktförmigkeit ist demzufolge keine Perspektive für Sportvereine.

Zweitens konnten wir im Rahmen der Untersuchung die zentralen Aspekte festhalten, die aus Sicht der Befragten den Markenkern eines Sportvereins ausmachen. Dazu gehört vor allem „Entfaltung ermöglichen“, also Freiräume zu bieten für die Entwicklung und Ausbildung von Potenzialen. Potenziale hier verstanden als Potenziale in sportlicher Hinsicht, aber auch in Hinblick auf Engagement und Einsatz. Ein weiterer wichtiger Ansatz lautet „aus Überzeugung engagiert“. Der Sportverein ist diesem Motiv folgend ein Ort, an dem Menschen aus tiefstem Innern heraus für eine Sache eintreten, die Ihnen am Herzen liegt und für die sie sich engagieren wollen. In diesem Sinne ist ein Sportverein eine Art „zweite Heimat“, für die es sich einzutreten lohnt.

Fragt man danach, was einen Sportverein, so wie er heute ist, von dem unterscheidet, wie er idealerweise sein könnte – wird Entwicklungspotenzial hinsichtlich „Flexibilität und Individualität“ gesehen. Damit ist vor allem eine Orientierung an den Interessen der Mitglieder und Anspruchsgruppen gemeint, die den Verein ausmachen, sowie eine generelle Bereitschaft, flexibel auf unterschiedliche Interessen und Erwartungen einzugehen und dafür Lösungen zu finden. „Neue Wege gehen“ wurde hier als ein zentrales Motiv genannt, das die Entwicklung deutlich macht.

Neben vielen anderen Ergebnissen und Erkenntnissen aus der Studie hat sich auf die Frage, was aus Sicht der Befragten einen Sportverein attraktiv macht,  t vor allem die Möglichkeit, im Sportverein den Raum für Sport und Engagement in einer Gemeinschaft zu bekommen, herauskristallisiert. Das Gegenmodell dazu, also die Frage, was macht einen Sportverein nicht attraktiv, ist aus Sicht der Befragten den Sport als Konsumgut zu verstehen und Gemeinschaft umzudeuten in eine „Verpflichtung zu Geselligkeit“.

Mit dieser Erkenntnis sollten sich die Sportverbände und -bünde weiter auseinandersetzen, wenn sie passende Unterstützungsleistungen für die Mitgliederentwicklung in ihren Vereinen anbieten wollen [Link zur Ergebnispräsentation].

Als nächsten Schritt planen wir nun, weitere Personen zu dieser Frage zu interviewen, die nicht aus dem Verein kommen, um zu erfahren, was den Verein aus Sicht von Nicht-Sportlern attraktiv machen könnte bzw. was sie bislang abhält, den Zugang zu Sportvereinen zu suchen. [DI]

[Mehr zur DOSB Bundeskonferenz]