Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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24. Oktober 2008

„Orte des Wissenstransfers“

Vom 01.-02.10.2008 fand das zweite Fachsymposium der Wissenschaftskoordinatoren mit dem Titel „Orte des Wissenstransfers“ in der Sportschule des Lsb Hessen in Frankfurt statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Führungs-Akademie gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Leistungssport des DOSB und mit Unterstützung durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

 

Ziel war es, Prozesse des Wissenstransfers zu diskutieren, die sich in der Wechselwirkung von Theorie und Praxis ausbilden oder die sich in dem Zusammenspiel von universitärer Forschung und den Spitzenverbänden des organisierten Sports zeigen. Denn Wissenstransfer im Leistungssport findet an verschiedenen Orten statt: Zum Beispiel in einer Trainer-Athleten-Beziehung, im wissenschaftlichen Diskurs, in der Kommunikation zwischen Wissenschaftskoordinatoren und Hochschulen, in Schulen (Eliteschulen des Sports), auf Tagungen und Konferenzen sowie auf einer organisationalen Ebene (zwischen DOSB, IAT FES, BISp und den Spitzenverbänden) etc.

 

Wie aktuell das Thema ist, belegen aktuelle Untersuchungen der Universität Tübingen im Rahmen eines vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) geförderten Forschungsprojekts. Wissen, Information und deren sachgerechte Nutzung, so wird in den Untersuchungen von Muckenhaupt von der Universität Tübingen deutlich, kann ein erheblicher Wettbewerbsvorteil im Spitzensport sein. Eine gute Vorlage also für das Thema „Orte des Wissenstranfers“, das nicht nur hochkarätige Referenten zu bieten hatte, sondern auch einen ebenso hochkarätigen Teilnehmerkreis aus dem Bereich der wissenschaftlichen Koordinatoren der Spitzenverbände.

 

Die eingeladenen Referenten thematisierten in ihren Vorträgen verschiedene Örtlichkeiten von Wissenstransfer. Prof. Dr. Andreas Hohmann hielt den einführenden Vortrag zur „Praxisberatung des Leistungssports in der Trainingswissenschaft“ und schuf damit einen tragfähigen Rahmen für das gesamte Symposium, indem er für einen kooperativen Ansatz in der praxisorientierten Evaluationsforschung plädierte, welcher eine verstärkte Kooperation auf Augenhöhe zwischen den Verbänden und der Wissenschaft vorsieht.

 

In den folgenden Referaten sprach Prof. Dr. Harald Lange zum Thema „Pädagogik und Leistungssport?! Erfahrungen aus der Seminararbeit an der Trainerakademie Köln“ und PD Dr. Christian Haas zum Thema „Neurowissenschaftliche Aspekte von Koordination und Sensomotorik – zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischer Umsetzung“.

Von Ihrer Praxis aus den Verbänden berichteten Dr. Wolfgang Killing vom Deutschen Leichtathletikverband und Dr. Bodo Ungerechts vom Deutschen Schwimmverband. Dr. Killing berichtete von einer erstmals durchgeführten bundesweiten Konferenz zu verschiedenen aktuellen Themen der Leichtathletik an der mehr als 200 Trainer und Sportler teilnahmen und aus der sich nun verschiedene Regionalkonferenzen entwickelten. Dr. Bodo Ungerechts berichtete von der guten Praxis aus dem nationalen und internationalen Schwimmverband und sprach sich insbesondere für eine Stärkung der Rolle von Wissenschaftskoordinatoren aus. Diese sollten künftig mehr Einfluss bei der Vergabe von sportartspezifischen Forschungsanträgen haben.

 

Den abschließenden Vortrag in der Referatsreihe hielt Prof. Dr. Christian Raschner von der Universität Innsbruck aus Österreich zu „einem ganzheitlichen, wissenschaftlichen Betreuungskonzeptes im Jugendskirennlauf“. In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Positionen und Rollen der Wissenschaftskoordinatoren in den Verbänden weitgehend noch nicht gefestigt sind und einer weitergehenden Definition und vor allem Positionierung bedürfen. Dabei wurden zwei mögliche Strategien diskutiert. Erstens die Möglichkeit, dass der DOSB eine Verankerung von Wissenschaftskoordinatoren in den Verbänden einfordert, was aber durch die prinzipielle Verbandsautonomie nicht einfach durchzusetzen ist, und zweitens wurde darauf verwiesen, durch gute und gelingende Praxis in einzelnen Verbänden „Schneeballeffekte“ hervorzurufen. Also auf einen Prozess zu setzen, in dem sich die Position der Wissenschaftskoordinatoren aufgrund gelingender Veranstaltungen im kleinen, effizienten Kreise mit ebenso ertragreicher Kommunikation kontinuierlich weiterentwickelt und „herumspricht“.

Die große Relevanz der Position von Wissenschaftskoordinatoren in einem Verband wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass Wissen mittlerweile als eigener gesellschaftlicher Produktivfaktor betrachtet wird, der bereits gleichberechtigt neben Arbeit, Boden und Kapital genannt wird. Wissensarbeit wird so zu einer großen gesellschaftlichen Ressource und dies erst recht in einem Bereich wie dem Spitzensport, wo bereits geringste Unterschiede über Sieg und Niederlage entscheiden.

 

Daniel Illmer