Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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09. September 2013

Board Skills – Anforderungen an eine zeitgemäße Verbandsführung

Die gestiegene Komplexität in der Arbeit von Sportverbänden in den letzten Jahren sowie die immer anspruchsvoller und umfangreicher werdenden Anforderungen hinsichtlich Vorschriften, gesetzlichen Rahmenbedingungen für verschiedene Fachgebiete oder Auflagen erfordern mehr als profunde Kenntnisse einer Sportart und hohes Engagement. Von der Verbandsführung wird mittlerweile erwartet, dass sie solide Kenntnisse und Erfahrungen in der Anwendung von Managementmethoden und Führungsinstrumenten mitbringt. Gefragt ist eine vermehrte Managementorientierung.

Auch wenn Methoden aus der Privatwirtschaft nicht 1:1 übertragbar sind, so wollte die Führungs-Akademie mit ihrem Workshop „Board Skills“ (5.-6.9.2013) mit dem erfahrenen Managementberater aus der Wirtschaft, Hans-Werner Feick, Geschäftsführer der Kienbaum Management Consultants GmbH, und der Direktorin der Führungs-Akademie, Gabriele Freytag, einen wechselseitigen Austausch zwischen Unternehmen und Sportverbänden initiieren – der sich auch aus Sicht der Teilnehmer(innen) spannend gestaltete.

Der wirtschaftliche Erfolg steht für die Vorstände der Unternehmen im Vordergrund. Dafür stehen Vorstandsvorsitzende unter gehörigem Druck Um diesem dauerhaft stand zuhalten, wird eine hohe innere Unabhängigkeit, Führungsqualitäten und ein sehr hoher Gestaltungswillen vorausgesetzt – und auch ein entsprechendes Machtbewusstsein gefordert, wie Herr Feick anschaulich verdeutlichen konnte. Das braucht es grundsätzlich auch für die Führung eines Sportverbandes, allerdings ist ein Sportverband nie nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Werte- und (Er-)Lebensgemeinschaft („Die Hockey-Familie“, „Wir Sportler im Norden“, „Einheit in der Vielfalt“), die durch Ehrenamt in der Führung gekennzeichnet und auf Committment und Engagementbereitschaft angewiesen ist.

Die Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptberuf sowie die Gestaltung der Führungsstrukturen angesichts der veränderten Anforderungen waren denn auch eines der intensiv diskutierten Themen im Workshop. Aber auch die Frage der Steuerung der Board- und der Verbandsarbeit beschäftigte die Teilnehmer(innen) intensiv. Die Fähigkeit zur Strategieentwicklung wird nicht umsonst als eine der wichtigsten Anforderungen an Boards genannt, um über eine Zukunfts- und Zielorientierung den Verband erfolgreich gemeinsam auszurichten. Im Gegensatz zur Wirtschaft ist hierbei allerdings im Verband noch mehr auf Überzeugungsarbeit und auf eine Einbindung der wichtigsten Anspruchsgruppen zu setzen. Strategieentwicklungsprozesse sind immer auch als Veränderungsprozesse zu sehen und entsprechend zu managen, will man als Board-Vorsitzender auch in die Umsetzung kommen.

Die dreizehn Teilnehmer und die eine Teilnehmerin waren sich allesamt einig: Auch wenn die Schilderung von Beispielen aus der Arbeit der Wirtschaftsspitzen an der einen oder anderen Stelle irritierend war, es löste viele Denkanstöße aus und vor allem regte es an, die eigene Führungsrolle zu hinterfragen und vor dem Hintergrund des eigenen Wertesystems zu justieren. Die Fortsetzung des Austausches wurde am Ende ausdrücklich gewünscht! [GF]