Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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Peter Lautenbach, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport, Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund e. V.

Peter Lautenbach, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport, Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund e. V.

20. Dezember 2011

Interview mit Peter Lautenbach, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport in der Deutschen Sportjugend (dsj) zum Projekt „JETST! – Junges Engagement im Sport“


Im Jahre 2009 startete die Deutsche Sportjugend das Projekt „JETST! – Junges Engagement im Sport“. Die Deutsche Sportjugend setzte sich mit diesem Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, gezielt für die Engagementförderung junger Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen zum Sport ein, um nicht zuletzt auch zur Gewährleistung von Bildungs- und Chancengerechtigkeit beizutragen. Vor wenigen Tagen wurde die Projektphase mit einer Abschlusspressekonferenz beendet. PETER LAUTENBACH, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport in der Deutschen Sportjugend und Gesamtverantwortlicher für das Projekt „JETST! – Junges Engagement im Sport“ zieht im Gespräch mit Hanspeter Detmer Bilanz.


FRAGE: Ist nach knapp zwei Jahren Projektverlauf das Ziel erreicht worden, chancengerechte Zugänge zum Engagement im Sport für Jugendliche und junge Erwachsene unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion oder Kultur zu eröffnen?

PETER LAUTENBACH: Was uns zunächst einmal gelungen ist: Wir haben für 8 Modellprojekte Rahmenbedingungen aufgezeigt, wie auch für Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen zum Sport – der Zugang zu unseren Strukturen gelingen kann. Und wir haben es in den Modellprojekten auch geschafft, diese jungen Menschen in unsere Strukturen so zu integrieren, dass sie auch aktiv waren und mitgestaltet haben. Das gelang in der Regel über eine Ausbildung, die sie bei uns gemacht haben. Wir haben z.B. in Zusammenarbeit mit der DITIB (DITIB Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) in Köln ein Projekt mit jungen muslimischen Frauen gemacht, die dann mit unserer Unterstützung zu Übungsleiterinnen und Rettungsschwimmerinnen ausgebildet werden sollten. 

Dann haben wir ein Projekt gemacht, in dessen Rahmen junge Leute den Status eines Gruppenhelfers bzw. Gruppenhelferin erworben haben. Sie sollten lernen, wie man eine Gruppe leitet bzw. wie man Gruppenleiter unterstützen kann. Es ist uns damit gelungen Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen man Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen eine entsprechende Teilhabe am Sport ermöglichen kann. 


FRAGE: Sie haben die DITIB genannt. Aber es sind auch Institutionen und Organisationen in das Projekt mit einbezogen worden, die sich um Menschen mit anderen Benachteiligungen als etwa einem Migrationshintergrund kümmern.

PETER LAUTENBACH: Eine andere Zielgruppe waren Menschen mit geistiger Behinderung. Da haben wir im Rahmen eines Projekts mit Special Olympics Deutschland zusammengearbeitet. Menschen mit geistiger Behinderung sollten bei größeren Sportveranstaltungen mitarbeiten. Wir waren alle selber überrascht, wie engagiert junge Menschen mit geistiger Behinderung, u.a. im Catering und im gastronomischen Servicebereich, aktiv waren. Sie haben außerdem bei größeren Veranstaltungen im Organisationsteam als Volunteers Aufgaben übernommen. Das war schon eine große bedeutsame Gruppe, die wir mit unseren Maßnahmen erreicht haben.

Eine dritte Gruppe waren junge Leute aus bildungsfernen Schichten. Da haben wir ein Modellprojekt bei der TuS Bergedorf gefördert, wo junge Leute ein Bootshaus umgestaltet haben, das Treffpunkt junger Leute werden soll. Die Initiative ging übrigens von dieser Gruppe aus.

Insgesamt war es ein großes Spektrum, in das unsere Zielgruppen passten. 


FRAGE: Die Führungs-Akademie des DOSB hat das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Projekt gemeinsam mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Wie hilfreich war für Sie als Gesamtverantwortlicher für das Projekt diese Begleitung und Beratung? 

PETER LAUTENBACH: Im Kern sollte die in Köln ansässige Führungs-Akademie in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) unsere Projekte evaluieren. Allerdings haben die Führungs-Akademie und das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik ihre Aufgaben auch weiter gesehen. Man hat nicht nur kalt evaluiert, sondern uns auch wissenschaftlich beraten. Wir hatten eine kleine Steuerungsgruppe, in der auch die Vertreter der Führungs-Akademie und des ISS mitgewirkt haben, institutionalisiert. Für unsere Multiplikator/inn/en in den Modellprojekten haben wir Fortbildungsangebote platziert. Und im Rahmen der Evaluation wurden letztlich elf Handlungsempfehlungen formuliert. Bei all diesen Aktivitätaen hat uns die Führungs-Akademie unterstützt. Das war für uns außerordentlich hilfreich. 


FRAGE: Was hat sie im Projektverlauf am meisten beeindruckt?

PETER LAUTENBACH: Da kann ich natürlich nur meinen ganz persönlichen Eindruck schildern: Besonders beeindruckt war ich vom Verlauf der Abschlusspressekonferenz. Da hatten wir aus dem Projekt in Bergedorf noch einige Jugendliche dabei, die über das Projekt in Bergedorf und „JETST“ zu einem Engagement gekommen sind. Das hat mich schon berührt, dass da so aktiv mitgestaltet worden ist. Denn das ist eine Rückmeldung, die sehr positiv und beeindruckend ist.


FRAGE: Jetzt muss sich natürlich das, was im Projektverlauf erarbeitet worden ist, in der alltäglichen Praxis der Vereine und Verbände bewähren. Wie sieht die praktische Fortführung aus?

PETER LAUTENBACH: Das Projekt ist in der Tat abgeschlossen, weil es ganz bewusst als Modellprojekt initiiert worden war. Als Bundesorganisation können wir ja nur Impulse setzen. Wir können zwar auch noch bedingt fördernd wirken, wenn es gilt, den Funken, den wir gezündet haben, nun auch weiterzutragen. Aber grundsätzlich ist unsere Hauptaufgabe beendet. 

Wir haben Modellprojekte durchgeführt und mit den sog. „Naumburger Thesen zum Engagement“ und mit den Handlungsempfehlungen im Umgang mit Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen Ergebnisse vorgelegt, mit denen unsere Mitgliedsorganisationen und deren Untergliederungen etwas anfangen können. Wir haben eine erste ausführliche Dokumentation einer schon im November 2010 durchgeführten Konferenz vorgelegt. Und wir werden auf der Grundlage der Handlungsempfehlungen noch eine weitere Arbeitshilfe erstellen. Schließlich werden wir auch noch einen ausführlichen Abschlussbericht veröffentlichen, so dass wir auf unserer Ebene am Ende das geleistet haben werden, was wir leisten können.

Im Rahmen unserer Modellprojekte haben wir schon nachgewiesen, dass da noch große Potentiale sind, die genutzt werden können. Da müssen aber auch wir als organisierter Sport uns noch ein Stück bewegen, um für die Menschen, die im Mittelpunkt unserer Arbeit standen, gute Bedingungen zu schaffen. Denn nur, wenn sie sich bei uns wohl fühlen, kommen sie auch gerne zu uns.

Wir werden natürlich große Tagungen und Fachtagungen mit unseren Mitgliedsorganisationen nutzen, die Ergebnisse unserer Arbeit zu kommunizieren. Weitergearbeitet werden muss jetzt allerdings auf den regionalen Ebenen. Und wie schon gesagt: Wenn wir um Rat gefragt werden, sind wir gerne zur Auskunft und Unterstützung bereit. 


FRAGE: Geplant sind die Veröffentlichung der Projektergebnisse auf Fachtagungen sowie die Erstellung von Handreichungen und Arbeitshilfen. Wann ist für den alltäglichen Gebrauch damit zu rechnen?

PETER LAUTENBACH: Alle Arbeitsergebnisse werden wir nun zusammenfassen. Wir werden die Handreichungen und Arbeitshilfen auf jeden Fall im ersten Viertel des Jahres 2012 auf den Markt bringen. 

[Das Gespräch für die FA führte Hanspeter Detmer, Köln]