Forum der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

4. Kölner Sportrede, Köln 28.4.10: Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, spricht zum Thema: "Sport zwischen Kommerzialisierung und sozialem Engagement“

Foto: A. Bowinkelmann

Zum vierten Male fand diese von der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes ins Leben gerufene und gemeinsam mit der Stadt Köln ausgerichtete Sportrede im historischen Kölner Rathaus  statt. 

Mehr als 230 Zuhörerinnen und Zuhörer, unter ihnen der Innen- und Sportminister des Landes NRW, Dr. Ingo Wolf, der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, der Abteilungsleiter Sport im Bundesinnenministerium, Gerhard Böhm, der Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes Friedhelm Julius Beucher, der DOSB-Schatzmeister Hans-Peter Krämer sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport waren der Einladung des Kölner Oberbürgereisters, Jürgen Roters, gefolgt.

Walter Schneeloch, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins der Führungs-Akademie und Vizepräsident Sportentwicklung und Breitensport des DOSB hatte die hohen Erwartungen der Anwesenden mit den Worten umschrieben: „Das Aufzeigen des Spannungsfeldes ‚Sport zwischen Kommerzialisierung und sozialem Engagement’ wird sicherlich gesellschaftspolitische Impulse setzen. Schließlich entfalte der Sport erst im Zusammenwirken der unterschiedlichen Säulen seine Kraft. Würde sich eine der Säulen daraus verabschieden, würde der Sport seine Kraft verlieren. Würden die wirtschaftlichen Interessen alleine überwiegen, würde der Sport nicht mehr das sein, was er sei: Sport als Spiel, als Lebensfreude und Lebenserfahrung.“

Auch Landesinnenminister Dr. Wolf kündigte Dr. Zwanziger mit Vorschusslorbeer an: „Der wirtschaftliche Erfolg des Fußballs in Deutschland ist nicht erklärbar ohne seine soziale Verwurzlung. Damit verbunden ist seine Integrationsfähigkeit. Ich kann nur jedem empfehlen, das in der Frankfurter Rundschau erschienene Interview mit dem türkischen Nationalspieler Halil Altintop über den Anteil seines kleinen Vereins Schwarz-Weiß Gelsenkirchen an seinem Sozialisationsprozess zu lesen. Der Sport ist Teil einer gesellschaftlich verbindenden Kraft, die soziale und ökonomische Chancen öffnet.“

Damit waren dem vierten Kölner Sportredner Dr. Theo Zwanziger die Steilvorlagen zugespielt. Gleichzeitig passte er sich aber auch gut ins Zusammenspiel ein und ließ sich nicht in die Spezialecke des Fußballs abdrängen: „Wenn mir die Gelegenheit zu einer solchen Rede geboten wird, dann nehme ich sie dankbar an. Denn es geht mir immer um den gesamten Sport und nicht nur um den Fußball. Zu meinen Idolen gehörten der Tischtennisspieler Eberhard Schöler und der hier im Saal sitzende Leichtathlet Manfred Germar. Und ich weiß auch, dass das Verhältnis der TV-Sendezeiten verschiedener Sportarten untereinander keineswegs das Leistungsverhältnis der Sportarten richtig wieder gibt. Wir dürfen die Einheit des Sports nicht aufs Spiel setzen.“

Das Spannungsfeld zwischen Kommerzialisierung und sozialem Engagement des Sports zeigte der DFB-Präsident am Beispiel der Namensgebung von Stadien aus. München hat seine Allianz-Arena, die für Kommerz steht; das WM-Stadion in Kaiserslautern trägt den Namen des legendären Fritz Walter, der Sinnbild ist für Fairness, Teamgeist und andere traditionelle Werte des Sports. Zwanziger: „Ich wünschte mir eine gute Lösung, wie man verständliche wirtschaftliche Interessen mit der Tradition sportlicher Werte verbinden kann.“
„Der DFB ist gemeinnützig,“ betonte Dr. Zwanziger. „Gemeinnützigkeit richtet sich nicht gegen kommerzielles Handeln und die Wirtschaft, sondern betont die gemeinnützige Verwendung der erwirtschafteten Mittel. Mit neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten begann der Sport auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Zwanziger erinnert an die zahlreichen Stiftungen, mit denen der DFB soziale Projekte unterstützt: “Der Kommerz dient diesen sozialen Stiftungen.“ Und er hilft, im Ehrenamt Qualifizierungsmöglichkeiten zu nutzen. Dies sei wichtig, denn „wir müssen Werte vermitteln“. Seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen könne der Sport nur nachkommen, wenn er seine guten Produkte wirtschaftlich vermarktet und er sich auch seiner politischen Verantwortung bewusst wird.

„Mit einer solchen Rede wird die Kölner Sportrede, die von der in der Domstadt beheimateten Führungs-Akademie des DOSB initiierte wurde, immer mehr ein gesellschaftspolitisches Markenzeichen der Sportstadt Köln,“ stellte Walter Schneeloch auch in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender des Vereins `Führungs-Akademie´ fest. Und Kölns neuer Oberbürgermeister Jürgen Roters, erst zehn Minuten vor dem Festakt von einer Reise aus Chicago und Indianapolis zurückgekehrt, meinte: „Die Kölner Sportrede ist inzwischen für alle ein fester Bestandteil, die über die Entwicklung des Sports nachdenken.“ (HpD)