Forum der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

5. Kölner Sportrede, Köln 4.4.11: Christian Ude: Sport und Kommune. Zwischen Großveranstaltungen, ehrenamtlichem Engagement und knappen Kassen

[Fotos: A. Bowinkelmann]

Eine bessere Vorbereitung auf sein Treffen in London mit hochrangigen Repräsentanten des Weltsports gut 90 Tage vor der IOC-Vergabe der olympischen Winterspiele 2018 hätte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude kaum haben können: Mit seiner witzigen Einleitung in die 5. Kölner Sportrede, veranstaltet im Kölner Rathaus von der Führungs-Akademie des DOSB und der Stadt Köln, zog Ude die rund 200 geladenen Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur sogleich in seinen Bann. Glänzend verstand es der Münchener OB, das Problem aller Kommunen im Spannungsfeld – so das Thema seines Vortrags – „Zwischen Großveranstaltungen, ehrenamtlichem Engagement und knappen Kassen“ darzustellen.

Trotz eines Finanzlochs deutscher Kommunen von mehr als 40 Milliarden Kassenkredite verteidigte Ude die Bewerbung Münchens und seiner bayerischen Partnergemeinden um die Austragung der Winterspiele 2018: „Die Investitionen in Olympia sind die nachhaltigsten Geldausgaben, die man sich vorstellen kann.“ München sei mit der Austragung der Sommerspiele 1972 noch heute das beste Beispiel. Ohne die Einhaltung eines straffen Entwicklungszeitplans hätten sich kommunal bedeutende Wohnungsbauprojekte oder infrastrukturelle Maßnahmen wie der Ausbau von Verkehrswegen kaum zukunftsorientiert vorantreiben lassen.

Hinzu komme, so Ude weiter, dann auch noch die psychologische Bedeutung eines solchen Engagements. München 1972 war wichtig für die Überwindung einer belastenden Vergangenheit. Winterspiele 2018 forcieren nicht nur Investitionsprogramme, sondern prägen auch die zukünftige Wahrnehmung unseres Landes in der Welt. Zudem hat ein solches Weltereignis eine beispiellose Bedeutung für die Integration in den Kommunen ebenso wie im Weltmaßstab. Udes Zuruf an die Gegner der Winterspiele 2010 in Bayern: „Ihre Kritik geht an den Realitäten vorbei. Wenn fundamentalistische Kritik vorgetragen wird, dann werden damit nur Ressentiments bedient. Aber wir müssen den Kritikern mit unseren guten Argumenten entgegentreten. Vergessen wird, dass Garmisch in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen ist. Wir müssen auch an die Zukunft der Jugend denken und den jungen Leuten neue Chancen geben.“

Als Christian Ude auf die knappen Kassen der deutschen Kommunen zu sprechen kam, konnte er sich Kritik an manche Sportarten und deren Repräsentanten in den nationalen und internationalen Verbänden nicht ersparen: „Was die Ausstattung von Sportstätten anbetrifft, so müssen wir hinterfragen, ob viele Anforderungen und Änderungen an Reglements nicht überzogen sind. Auf jeden Fall müssen wir die vorhandenen Sportstätten intensiver nutzen.“

In seiner Begrüßung aller Teilnehmer an der 5. Kölner Sportrede im Kölner Rathaus hob Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters hervor, dass diese Veranstaltung der Führungs-Akademie des DOSB mit Sitz in Köln sportpolitische Akzente in Deutschland setzt. Die Erkenntnis, wie Sport in die kommunale Verantwortung eingebunden werden kann, war ihm besonders wichtig.
Walter Schneeloch als Vorsitzender des Trägervereins Führungs-Akademie wünschte dem Münchner Oberbürgermeister und Sportredner Ude im Namen aller Anwesenden viel Erfolg bei der Olympiabewerbung. Der langanhaltende Applaus für Christian Ude war Beleg für die Olympiaunterstützung aller Anwesenden.
[Hanspeter Detmer]