Forum der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Videobeitrag zur KÖLNER SPORTREDE 2012

Einen kurzen Einblick in die 6. KÖLNER SPORTREDE 2012 geben die Bildergalerie und nachfolgender Videobeitrag.  

©2012 Führungs-Akademie des DOSB

KÖLNER SPORTREDE 2012: Gegen das Primat der Kurzfristigkeit: Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a.D., über ökonomische, ökologosche und gesellschaftlich-soziale Faktoren einer nachhaltigen Sportentwicklung

Foto: Andrea Bowinkelmann

In einer nachdenklich wie  Mut machenden Rede über Sport und Nachhaltigkeit verwies der diesjährige Festredner, Klaus Töpfer, zum einen auf  zahlreiche positive Entwicklungen, zu denen der Sport einen wichtigen Beitrag geistet habe,  sparte indes  u.a mit Blick auf die Vergabe der Fußball WM an Katar oder die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Sotschi auch nicht an Kritik. Im Ringen um Nachhaltigkeit habe der Sport, so Töpfer, schon aufgrund seiner großen Zahl an Mitgliedschaften eine große Bedeutung, die über den Sport selbst weit hinausgehe. Klare Position bezog er auch in der Frage des Verhältnisses von Ökonomie und Ökoöogie. Hier gebe es keinen Gegensatz, sondern eine gegenseitige Abhängigkeit. Wer um des kurzfristigen Erfolges willen die ökologischen Ressourcen missachte, werde langfristig auch ökonomisch keinen Erfolg haben.

Auch wenn der Sport schon sehr frühzeitig das Thema Umweltverträglichkeit aufgegriffen und in vielen Bereichen auch erfolgreich umgesetzt habe - in diesem Zusammenhang verwies er u.a. auch auf die gute Zusammenarbeit in seiner Zeit als Umweltminister mit der  1982 vom DSB eingesetzten und lange Zeit von Erika Dienstl geleiteten  Präsidialkommission "Sport und Umwelt" -  machte Töpfer auch deutlich, dass der Sport hier durchaus noch mehr leisten könne.

KÖLNER SPORTREDE 2012: "Auch im Sport müssen wir dazu beitragen, dass das Diktat der Kurzfristigkeit überwunden wird.“

Spätestens in dem Augenblick, in dem Prof. Dr. Klaus Töpfer das Thema seiner 6.KÖLNER SPORTREDE „Sport und Nachhaltigkeit – Sport zwischen Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlich-sozialer Verantwortung“ mit einem lokalen Bezug konkretisierte, wurde jedem der 170 von der Führungs-Akademie des DOSB und der Stadt Köln geladenen Gäste im ehrwürdigen Hansesaal des Kölner Rathauses klar, welche Wirkung von der KÖLNER SPORTREDE 2012 ausgehen soll.

„Wenn in einer so großen Stadt in den Medien und in breiten Bevölkerungsschichten lebhaft der Sinn der Anlage einer beleuchteten Laufstrecke im Stadtwald ausgelotet wird, wo der zukünftige Nutzen für den Sport und die Gefährdung der Natur und Umwelt liegt, dann ist der Sport in der Mitte der Gesellschaft angekommen,“ stellte Prof. Töpfer fest. Auch der Sport müsse sich immer intensiver dem Hinterfragen der Nachhaltigkeit, also den langfristigen Konsequenzen anstehender Entscheidungen stellen.

Sehr deutlich wurde Prof. Töpfer, als er nachdrücklich betonte: „Was wir gegenwärtig als Krisen bezeichnen, sehen und erleben müssen, sind eigentlich nichts anderes als Offenbarungseide der Kurzfristigkeit. Auch im Sport müssen wir dazu beitragen, dass das Diktat der Kurzfristigkeit überwunden wird.“

Sport und Umwelt – Prof. Töpfer wünscht sich eine optimale Abstimmung. Wenn ein Drittel der deutschen Bevölkerung sportlich aktiv ist und damit eine Wirtschaftsleistung von mehr als 100 Milliarden EURO jährlich bewegt, dann muss man sich schon fragen, wie sich das einbinden lässt in die Gesamtheit der Realität der deutschen Gesellschaft.

Wo Prof. Töpfer jegliches Gespür für Nachhaltigkeit vermisste und eher eine Dissonanz zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung erkannt hat, ist die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar und der Olympischen Winterspiele nach Sotschi, wo die Temperaturen im Januar bei plus 19 Grad liegen können. Töpfer: „Wir koppeln uns immer stärker von der Natur ab. Ganz deutlich wird das beim Einsatz von Schneekanonen. Eine Katastrophe wird erst dann eine Katastrophe, wenn der Mensch Veränderungen vorgenommen hat.“ Wie kommt der Sport aus der Kurzsichtigkeit und Kurzfristigkeit wieder heraus? Dem olympischen Dreiklang „Schneller, Höher, Stärker“ mit der damit verbundenen Forderung nach immer mehr steht Prof. Töpfer jedenfalls sehr skeptisch gegenüber.

Hoffnungslos sei er jedoch nicht. Aus vielen Fehlern der Vergangenheit habe der Sport auch schon gelernt. Hoffnungsvoll stimmte den ehemaligen Bundesumweltminister der Vergleich unter Umweltaspekten der olympischen Winterspiele im viel kritisierten französischen Departement Savoyen (Albertville/Courchevel 1992) und zwei Jahre später im hoch gelobten norwegischen Lillehammer. Auch für die jüngsten Sommerspiele in London gab Töpfer eine gute Note aus. Indem das olympische Gelände im Osten Londons gebaute wurde, habe der Sport durch seine neuen Entwicklungsmöglichkeiten positiv auf ehemals schwierige soziale Brennpunkte in dieser Region eingewirkt: „Sport ist eine fantastische Möglichkeit, vertikale Mobilität zu fördern.“

Offenbar sieht Prof. Töpfer im Sport eher die Möglichkeiten, die gesellschaftlich-soziale Verantwortung zu stärken als Ökonomie und Ökologie optimal zu balancieren. „In Afrika, wo ich acht Jahre lang für die UN in Kenia gearbeitet habe, hat der Sport eine große Bedeutung für den sozialen Aufstieg.“ In Deutschland sieht er, was den sozialen Aspekt betrifft, das Schwergewicht bei den Vereinen liegen: „Unsere Sportvereine haben die Integrationsfähigkeit zu ihrer Aufgabe gemacht.“

Zum Schluss seiner KÖLNER SPORTREDE kehrte Prof. Klaus Töpfer zum Umweltaspekt zurück. „Wenn wir nachhaltig denken und handeln, dann müssen wir uns auch mit CO²  beschäftigen. Wer heute eine Veranstaltung ausrichtet oder eine Sportstätte baut, der muss auch überlegen, wie CO²  neutral die Veranstaltung bzw. die Sportstätte sein kann.

Natürlich kam auch Fußball ins Gespräch. Wenn er, so Töpfer, nach einem Bundesligaspiel das Stadion verlasse, dann käme er sich oft vor, als wäre er auf einer Mülldeponie gewesen. Das sei wahrlich kein Ausdruck von Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Ganz anders sei es dagegen bei der Frauen-Fußball-WM zugegangen. Da sei alles sehr sauber und familienfreundlich gewesen. Und von Gewalt hätte keine Rede sein können. Das sei ein erfreulicher Aspekt aus dem sozialen Bereich gewesen.

Auf keinen Fall dürfe die Beschäftigung mit der Nachhaltigkeit jedoch zur Mode werden. Jede Mode würde zu Ende gehen. Die Nachhaltigkeit wird immer bedeutsamer, weil immer mehr Menschen Anspruch erheben auf ein menschliches Zusammenleben auf diesem Planeten. Das können wir nur schaffen, wenn wir die Stabilität der Natur verbinden können mit ökonomischen Erfolgen, und dies in einer Weise, dass sich die Menschen darin wiederfinden.

Viele Denkanstöße gab Prof. Dr. Klaus Töpfer in seiner KÖLNER SPORTREDE, womit er exakt jener Erwartung entsprach, die Walter Schneeloch als er Vorstandsvorsitzender der Führungs-Akademie des DOSB, zugleich auch Präsident des Landessportbundes NRW und Vize-Präsident des DOSB bei seiner Begrüßung des Festredners äußerte: „Ziel der Kölner Sportrede ist es, übergeordnete Themenfelder des Sports von einem externen Standpunkt aus zu beleuchten, Perspektiven zu skizzieren und – falls notwendig – Richtungsänderungen einzufordern.“ Schneeloch betonte zusätzlich, dass der DSB/DOSB schon seit mehr als 25 Jahren eine eigene Abteilung Umweltschutz habe und dass sich München um die Austragung der Winterspiele 2018 mit einem Konzept beworben hätte, wie es nachhaltiger nicht hätte sein können.

Schon in seiner SPORTREDE hatte Prof. Töpfer die Wichtigkeit der Vereine und Verbände sowohl im sozialen als auch im ökonomisch-ökologischen Bereich betont. Darauf machte in ihrer Dankesrede auch Gabriele Freytag, die Direktorin der Führungs-Akademie, aufmerksam. Letztlich seien sowohl die ökonomischen als auch die ökologischen Ressourcen begrenzt.

Die Denkanstöße, die Prof. Töpfer gegeben habe, müssten die Vereine und Verbände dazu bringen, sich weiterhin mit dieser Problematik intensiv zu beschäftigen. Dazu wolle auch die Führungs-Akademie mit ihrem Weiterbildungsangebot an Vereine und Verbände die notwendige Hilfestellung leisten, wobei der Focus der Führungs-Akademie auf der ökologischen und ökonomischen Beschäftigung mit der Nachhaltigkeit liege. [Hanspeter Detmer]

Grußwort Walter Schneeloch, Vorstandsvorsitzender der Führungs-Akademie des DOSB

Foto: Andrea Bowinkelmann

Sehr geehrter Oberbürgermeister Roters, sehr geehrter Herr Staatssekretär Bernd Neuendorf,

liebe Sportlerinnen und Sportler, sehr geehrte Gäste:

Willkommen zur Kölner Sportrede 2012!

Sport und Nachhaltigkeit – das Schwerpunktthema der diesjährigen Kölner Sportrede führt uns zunächst in den Wald. Dort hat sich Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem forstwirtschaftlichen Prinzip „Es darf nicht mehr Holz gefällt werden, als jeweils nachwachsen kann“ der Begriff der Nachhaltigkeit entwickelt.

Manchmal ist solch ein Wald vor lauter Bäumen nur noch schwer zu erkennen. Orientierung und der richtige Weg sind gefragt. Der Blick von außen kann dabei helfen. Gleiches verfolgt der Anspruch der Kölner Sportrede: Sie lädt meinungsbildende Gastredner ein, übergeordnete Themenfelder des Sports von einem externen Standpunkt zu beleuchten, Perspektiven zu skizzieren und – falls notwendig – Richtungsänderungen einzufordern. [mehr]

 

KÖLNER SPORTREDE 2012 mit Prof. Dr. Klaus Töpfer als Festredner am 6. Novemer 2012

Prof. Dr. Klaus Töpfer

Wir freuen uns, die Tradition der KÖLNER SPORTREDEN in diesem Jahr mit dem Executive Director des Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam, Prof. Klaus Töpfer, fortsetzen zu können.

Nach den Themenschwerpunkten „Zukunft des Sportsystems in Deutschland“ (2006), „Sport-Kultur-Medien“ (2008), „Sport–Wirtschaft– Verantwortung“ (2009), „Sport zwischen Kommerzialisierung und sozialem Engagement“ (2010) und „Sport und Kommune“ (2011) steht in diesem Jahr das Thema „Sport und Nachhaltigkeit“ im Mittelpunkt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist auch im Sport längst angekommen. Es hat in den letzten Jahren insbesondere in der Verbandsarbeit an Bedeutung zugenommen und wird zunehmend auch als wichtiger Baustein zukunftsfähiger Organisationskonzepte gesehen. Gleichwohl sehen wir hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial, das nicht nur dem Sport selbst zu Gute käme, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs über nachhaltiges und ressourcenschonendes Handeln unterstützen würde.

Prof. Klaus Töpfer hat in zahlreichen Funktionen, nicht zuletzt als Bundesumweltminister, als Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, die grundlegende Bedeutung nachhaltigen Handelns für die gesellschaftliche Entwicklung betont und die Debatte um die daraus resultierenden Konsequenzen maßgeblich beeinflusst.

Wir freuen uns daher ganz besonders über seine Bereitschaft, die Diskussion über die Bedeutung nachhaltigen Handelns im und für den Sport mit seinen Erkenntnissen und Erfahrungen zu bereichern.

Termin: Di., 6. November, 15:00 Uhr im Historischen Rathaus zu Köln
Teilnahme auf persönliche Einladung. Kontakt: Toni Niewerth, Führungs-Akademie des DOSB (niewerth(at)fuehrungs-akademie.de)