Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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03. Mai 2010

Führungs-Kräfte stärken - Neues Angebot der Führungs-Akademie

Die eigene Führungs- und Leitungskompetenz reflektieren und optimieren –  ein neues Angebot der Führungs-Akademie

Wie schaffe ich es, dass mein Team mir folgt, fragen sich nicht nur unerfahrene Leitungs- und Führungskräfte. In Zeiten, in denen Patentrezepte der Komplexität der Realitäten immer weniger Rechnung tragen, suchen viele auch im Bereich Führung vergebens nach optimalen Lösungen: Alleine die Vielzahl unterschiedlichster Führungsdefinitionen, -stile und -erwartungen lässt die Betroffenen orientierungslos. In Sportverbänden und -vereinen ist dies besonders prekär für diejenigen Leitungspersonen, die „ihrem“ Team gegenüber nicht weisungsbefugt sind, sondern Gremien, Projektgruppen, Arbeitskreise etc. „als Gleiche“ führen sollen und somit auf „good will“ setzen müssen.

Es ist aber nicht nur die Frage nach einem erfolgversprechenden Führungsstil. Unklar ist vielen auch, wie sie es schaffen können, ihre persönliche (Führungs-)Kompetenz zu entwickeln und zu stärken? Zum ersten lernt man Führung am Menschen, also konkret beim Führen und Leiten von Personen und Teams. Führungskonzepte und -instrumente unterstützen die Führungs- und Leitungskraft dabei, die richtigen Fragen zu stellen und sich weitere Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Entscheidend dabei ist allerdings nicht die bloße „Kopie“ der Methode oder des Instruments, sondern die Fähigkeit zur Reflexion und Umsetzung der „Erkenntnisse“ auf den konkreten Alltag und die Anpassung der Methoden an den eigenen Persönlichkeitsstil.

Die Führungs-Akademie des DOSB bietet seit einigen Jahren zur Stärkung der Führungskräfte in den Sportorganisationen Maßnahmen und Veranstaltungen mit unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema an:
- So berichteten erfolgreiche Bundestrainer (u.a. Bernhard Peters, Olaf Kortmann, Markus Weise und Martin Plewa) von ihrem Führungsalltag, die Seminarteilnehmer/innen diskutierten den Transfer in ihren Vereins-/Verbandsführungsalltag und vereinbarten konkrete individuelle Maßnahmen.
- Im Auftrag eines Spitzenverbandes wurde ein dreimodulares Programm zur Stärkung der „Führungskompetenz in Veränderungsprozessen“ für die Führungskräfte gestaltet.
- Seminare mit vielen Coaching- und Beratungssequenzen machten aufbauend auf den persönlichen Stärken einer Person und deren Umfeld weitere Handlungsoptionen sichtbar.
- Mittels der LIFO-Führungsstile, einem Verfahren zur Darstellung und Verdeutlichung der eigenen Verhaltensmuster, wurden weitere Möglichkeiten zur Stärkung der Führungskompetenz erarbeitet.
- Kommunikationsseminare (z.B. „Schwierige Gespräche führen“) arbeiteten am wesentlichen Führungsaspekt, der Kommunikation und
- individuelles Coaching von sowie angeleitete kollegiale Fallberatung in Qualifizierungsprogrammen unterstützten Führungspersonen in der erfolgreichen Bewältigung spezieller Herausforderungen.

Das Angebot unterschiedlicher Facetten und Wege zur Stärkung individueller Führungsstile in der Führungs-Akademie wird nun durch einen neu aufgenommenen Ansatz erweitert. Das Besondere an diesem Ansatz ist der Einsatz von Pferden als Feedbackgeber für das eigene Führungsverhalten. Die Methode – die in der Weiterbildung von Führungskräften bereits intensiv und erfolgreich genutzt wird - geht davon aus, dass die ‚Zusammenarbeit’ mit dem Pferd auf eine sehr direkte Art das eigene Führungsverhalten reflektiert. Sie eröffnet der Leitungskraft in der konkreten Handlung – der Führung des Pferdes - einen neuen Erfahrungsraum: die klare, direkte und nonverbale Rückmeldung über Ressourcen und noch fehlende Handlungskompetenzen.

In der Arbeit mit einem ungewohnten Gegenüber, dem Pferd, werden Unsicherheiten und Ambivalenzen auftauchen und somit herausfordernde Situationen entstehen. Das Pferd spiegelt  die Angemessenheit von Lösungsversuchen und die Teilnehmer/innen können in einem geschützten Rahmen experimentieren, wie diese Herausforderungen kreativ zur Weiterentwicklung genutzt werden können.

Die sofortige Rückmeldung durch die Verhaltensänderung des Pferdes macht eine kreative und prozessorientierte Lösungssuche möglich. Präsenz, Einstimmen auf das Gegenüber, Gestaltung eines Dialogs und die Übernahme von Führung kann nicht vorgespielt werden, sondern muss für das Pferd auf allen Ebenen unseres Verhaltens wahrnehmbar sein. Die Übereinstimmung von Körpersprache und verbalen Äußerungen fördert die Motivation des Pferdes in seiner Mitarbeit. So berichtete ein Seminarteilnehmer, dass er nach langer Zeit wieder ein „echtes“ Feedback erhalten habe. Seine eigenen Mitarbeiter würden ihre Rückmeldungen an seine Erwartungen anpassen, das Pferd aber habe eine unabhängige Position und wäre zu „oberflächlicher“ Anpassung nicht bereit.

Alle diese Erfahrungen bedeuten aber nur dann eine Bereicherung für Führungskräfte, wenn der Transfer in ihren Arbeitsalltag geleistet wird. Anhand systemischer Führungs- und Managementmodellen, wie sie beispielsweise der Prof. für Führung und Organisation, Fritz B. Simon, beschreibt, müssen die erlebten Erfahrungen eingeordnet und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit im konkreten Tätigkeitsbereich überprüft.

Mit dem Seminar „Gruppen leiten – Neue Impulse für die eigene Leitungskompetenz“ (26. – 28. August) greift die Führungs-Akademie diesen Ansatz zur Verbesserung individueller Führungsqualitäten auf. Für die Durchführung des Seminars konnten Dirk Baum und Imke Urmoneit gewonnen werden. Beide verfügen über eigene Teamleitungserfahrungen, leiten die Weiterbildungen des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten und sind seit vielen Jahren in systemischen Arbeitskontexten, z.B. im Rahmen von Supervision und Coaching, tätig.

Anmeldungen für das dreitägige Seminar in Köln vom 26.-28.8.2010 sind ab sofort möglich. [Link zum Seminar]

Literatur:
Aufschlussreiche Überblicke über die Weiterentwicklung der persönlichen Führungskompetenz  bieten z.B. die folgenden Publikationen:

- Kurt Buchinger, Herbert Schober „Das Odysseusprinzip“ – Leadership revisited, Klett-Cotta Verlag
- Johannes Herwig-Lempp „Ressourcenorientierte Teamarbeit“, Vandenhoeck & Ruprecht
- Fritz B. Simon „Gemeinsam sind wir blöd!? Die Intelligenz von Unternehmen, Managern und Märkten“, Carl Auer Verlag.