FA-Boxenstopp - 4 Fragen an Wigbert Walter

Im Interview des aktuellen Newsletters blicken wir hinter die Kulissen des FA-Boxenstopps. Was waren bisherige Themen? Wie wird das Austausch-Format angenommen und was erwartet Sie beim nächsten Boxenstopp?

Red: Wigbert, Du bist das Gesicht hinter den Kulissen des FA-Boxenstopps und moderierst den monatlichen Austausch unter Kolleginnen und Kollegen aus der Sportwelt. Was steckt hinter der Idee des „FA-Boxenstopps“ und wie ist diese entstanden?

W. Walter: Auf die Frage, was Menschen momentan am meisten vermissen, sind die Antworten oftmals der Kontakt zu anderen und der simple Austausch – abseits beruflicher Themen: das kurze Gespräch auf dem Flur, an der Kaffeemaschine oder die gemeinsame Mittagspause. Videokonferenzen werden als wirksames und effizientes Mittel erlebt, um fachliche Inhalte zu tauschen, Wissen zu vermitteln oder zu erlangen, aber der „soziale Kitt“ scheint auf der Strecke zu bleiben. Mit dem Boxenstopp haben wir ein Forum geschaffen, in dem sich haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende aus der Sportwelt zu einem Thema ungezwungen austauschen, um dabei zu erleben, dass sie mit ihren Fragen und Herausforderungen nicht alleine sind. Eventuell erhalten sie sogar direkt aus der Gruppe Antworten auf ihre Fragen. Beim Boxenstopp geht es in erster Linie nicht darum, etwas zu lernen oder besonders effizient zu sein, vielmehr ist es der Versuch, ein wenig „Sportfamilien-Atmosphäre“ durch die nüchterne Mattscheibe des Bildschirms zu übertragen.

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Red: Am 20.01.2021 fand der nunmehr dritte Boxenstopp statt. Wie beschreibst Du die thematische Entwicklung des Formats und wie wird dieser lockere Dialog „after work“ von den Teilnehmenden angenommen?

W. Walter: Im ersten Boxenstopp im November 2020 haben die Teilnehmenden kurz vor dem zweiten „Lockdown“ ihre Ideen, Erfolgsstories und ihre Lernerfahrungen im Einsatz digitaler Medien geteilt. Mitte Dezember haben wir gemeinsam Bilanz des herausfordernden Sportjahres 2020 gezogen und Weihnachtswünsche für den deutschen Sport gesammelt: „Mehr Offenheit auch für die digitalen Medien.“, „eine schnelle Rückkehr zum aktiven gemeinsamen Sporttreiben…“, „weniger plötzlichen Aktivismus, mehr Verlässlichkeit in der Planung“ und „ermöglichende Strukturen, Prozesse und Persönlichkeiten“. Im Januar dieses Jahres haben wir das Thema Homeoffice samt Vorteilen und Herausforderungen aufgegriffen und an vielen Beispielen festgestellt: Eine der größten Herausforderungen, egal ob Verbands- oder Vereinsebene, ist es, in Bewegung zu bleiben – sowohl mental als auch körperlich. Die Zahl der Teilnehmenden ist von ca. 20 Personen im November auf nahezu 100 Teilnehmende beim letzten Boxenstopp angewachsen. Das lässt vermuten, dass wir mit diesem Format einen willkommenen Beitrag leisten. Das freut und motiviert mich natürlich, genau so weiter zu machen.

Red: Durch den ungezwungenen und gemeinsamen Austausch in der Gruppe kommen viele Themen ans Licht, die die Kolleginnen und Kollegen aus der Sportwelt im Zuge der Corona-Pandemie beschäftigen – seien es positive oder negative Aspekte. Wie würdest Du das aktuelle Stimmungsbild wiedergeben? Gerne an thematischen Beispielen skizziert.

W. Walter: Natürlich bleibt die Pandemie mit ihren Einflüssen auf unsere Sportwelt omnipräsent. In den Vereinen/Verbänden gibt es sehr viele kreative Ideen, um den Kontakt zu Mitgliedern aufrecht zu halten: Es werden Rallyes und Challenges organisiert, deren Ergebnisse dann zu virtuellen Siegerehrungen führen; in Hamburg wurden mobile Hygienestationen für den Trainingsbetrieb und Wettkämpfe entwickelt. Besonders beeindruckt haben mich verschiedene Initiativen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl als Verein in anderen Lebensbereichen außerhalb des Sports gezeigt haben, z.B. Besuche in Seniorenheimen oder das Angebot von Einkaufshilfen.

Die aktuelle Stimmung würde ich mit „noch durchhaltend“ beschreiben. Es gibt unzählige weitere, sehr gute Ideen und Initiativen zur Bewältigung der aktuellen Lage und gleichzeitig fehlt uns allen ein konkreter Zeitpunkt, an dem wir wieder gemeinsam Sport treiben dürfen. Viele Konzepte unserer Vereine und Verbände zielen darauf ab, dies so schnell es geht wieder möglich zu machen und wurden durch den flächendeckenenden „Lockdown“ der Politik jäh ausgebremst. Da werden erste Anzeichen von Frustration schon deutlich.

Red: Wigbert, vielen Dank schon einmal für Deine zahlreichen Einblicke. Natürlich möchten wir abschließend auch einen Ausblick wagen: Welches Thema greifst Du für den kommenden Termin am 17.02.2021 von 17:00-18:00 Uhr auf?

W. Walter: Spätestens seit „Ausbruch“ der Pandemie ist das Wort Digitalisierung (wieder) in aller Munde. Auch im Sportsystem Deutschland gehen wir mit der Abstraktheit dieses Begriffes in gewisser Weise inflationär um: „Wir müssen digitaler werden“ ist sicher nicht nur für mich ein oft gehörter Satz. Aber was heißt das konkret? Im vierten Boxenstopp stellen wir die Frage: Welche ganz konkreten Digitalisierungs-Initiativen haben Sie in Ihren Vereinen und Verbänden bereits umgesetzt und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Was planen Sie aktuell? Teilen Sie Ihre Erfolgsstories und Illusionen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen! Wir hoffen, mit diesen Fragen im Rahmen des vierten Boxenstopps einen ersten „Griff“ an den Begriff zu bekommen und mit konkreten Ideen die Digitalisierung sportlich nach vorne zu bringen – zumindest ein wenig!