Forum der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Bundesinnenminister Schäuble ruft zur Mäßigung im Sport auf:
"Nicht durch Übertreibung Bewährtes zerstören"

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble hat bei der 1. Kölner Sportrede vor Auswüchsen im Sport gewarnt. "Wir müssen aufpassen, dass wir das Bewährte nicht durch Übertreibungen zerstören", sagte Schäuble am 30. Oktober 2006 im Hansesaal des historischen Rathauses von Köln. "Wir brauchen einfach Elemente der Mäßigung." Der Innenminister sprach auf der Premieren-Veranstaltung der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor rund 100 Gästen aus Politik, Sport und Medien. Mit-Gastgeber war die Stadt Köln.

Das mediale Interesse an den Ausführungen von Schäuble, der als profunder Kenner nicht nur des Spitzensports gilt, war groß. Als Beispiel: Für die elektronischen Medien hatten der WDR für sich selbst und das ARD-Mittagsmagazin, das ZDF für den Sportblock der heute-Nachrichten und reuters TV Kamerateams entsandt. Zudem wurde das Ereignis von vier Kameras des Spartensenders Phoenix aufgezeichnet und einen Tag später zeitversetzt im Programm ausgestrahlt.

Die Grußworte hatten für den Gastgeber, die Führungs-Akademie, der Vorsitzende des Trägervereins, Walter Schneeloch, und der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, gesprochen.



Beide kündigten an, dass die Kölner Sportrede künftig eine jährliche Wiederholung finden und zu einer schönen Tradition werden solle. Nach diesem Duo sprach noch der ehemalige Sportminister des Landes NRW, Dr. Michael Vesper, in seiner neuen Funktion als Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes und der parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium des Landes NRW, Manfred Palmen.



Schäuble streifte in seiner Rede fast alle wesentlichen Elemente des Sports und behielt seinen Appell zur Mäßigung und Besinnung weitgehend bei, ob es die Medien waren, das Doping, der Sport generell. Bei den elektronischen Medien mit dem Fernsehen an der Spitze kritisierte er die einseitige Konzentration auf nur noch ganz wenige Sportarten. "Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehen muss, wie die Leichtathleten sich abmühen müssen, um wenigstens etwas Aufmerksamkeit zu erlangen", sagte Schäuble, der seine Zusage zur Kölner Sportrede bereits vor mehr als einem Jahr gegeben hatte, jetzt aber erst dazu kam, sie zu verwirklichen. Er wolle nicht das Rad zurückdrehen, "ich möchte aber dafür werben, dieser Konzentration entgegen zu treten".

Bei den Sportwetten regte er ein Nachdenken an, ob alle Bereiche des Lebens den freien Gesetzen des Marktes unterliegen müssten, wie es die EU einfordert. In Deutschland basiert die Finanzierung des Sportsystems zu Großteilen auf Mitteln der staatlichen Lotterien. Diesen Weg stellt die EU-Behörde, aber auch manches deutsche Gericht in Frage. Hierfür erhofft sich Schäuble Argumentationshilfen vom Sport.


Beim Kampf gegen das Doping kündigte Schäuble an, dass es auf jeden Fall zu gesetzgeberischen Maßnahmen kommen wird. "Ob sie dann den Titel Anti-Doping-Gesetz tragen, werden wir sehen", sagte der Innenminister. "Im Kern geht es darum, die Doping-Bekämpfung effektiver zu machen". Das Ermittlungspotenzial der staatlichen Stellen müsse erschlossen werden. Aber Schäuble sieht den besten Weg in einer engen Kooperation mit dem Sport, um von beiden die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

Schäuble ist der Führungs-Akademie eng verbunden und war schon an dem Gründungs-Prozess vor 1980 beteiligt. "Die Führungs-Akademie steht für etwas ganz Wichtiges: Das ehrenamtliche Engagement", betonte Schäuble vor seinen Zuhörern.