Forum der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

Olympia in Peking und Doping Schwerpunkte in der Rede von Fritz Pleitgen bei der 2. Kölner Sportrede der Führungs-Akademie

Im Rahmen der 2. Kölner Sportrede der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat der ehemalige ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen die internationale Politik zu mehr entschlossenem Handeln gegenüber der chinesischen Führung aufgefordert. Der Sport sei trotz der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking nicht der richtige Ansprechpartner. „Was fragen wir denn die Sportler nach einem Boykott“, so Pleitgen: „Wenn es einen Boykott geben sollte, dann muss er umfassend sein, dann müssten die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen eingefroren werden.“ Allerdings erwartet der jetzige Vorsitzende der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH, der Gesellschaft zur Vorbereitung und Durchführung der Kulturhauptstadt Europas 2010, auch von einer solchen Aktion keine große Wirkung.

Die Forderung nach der Pressefreiheit und auf freie Meinungsäußerung an China und an das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatten zuvor der Innenminister von NRW, Dr. Ingo Wolf, und Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma erhoben. „Freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit müssen überall gelten – auch in China“, sagte Wolf vor den rund 180 Gästen. „Das IOC hat dies selber formuliert und muss es deutlich machen. Es muss in diesem Sinn auch seine Athleten und Athletinnen schützen.“ [Grußwort Dr. Ingo Wolf]

Es könne niemandem gleichgültig sein, wenn in Tibet eine jahrhundertealte Kultur marginalisiert und unterdrückt wird, meinte Oberbürgermeister Schramma, dessen Stadt seit über 20 Jahren intensive städtepartnerschaftliche Beziehungen zu Peking pflegt. Gerade der Sport baue aber Brücken. „In dieser weltweiten zivilen Bewegung liegt eine Kraft, die mit dazu beitragen wird, die Bürger- und Menschenrechte in der Volksrepublik China zu stärken.“ [Grußwort Fritz Schramma]
 

Eine schwierige Herausforderung sieht die neue Direktorin der Führungs-Akademie, Gabriele Freytag, auf die Medien zukommen. „Es besteht die Gefahr, dass der Sport hinter den politischen Themen verschwindet und damit sein emotionales Potenzial verliert.“ [Gabriele Freytag, Gespräch mit Clemens Löcke] Einig waren sich alle Redner in der Ablehnung eines Boykotts, da niemandem mit einer solchen Maßnahme gedient sei. „Ein Boykott hat in der Vergangenheit nichts gebracht“, sagte Pleitgen, der seine Karriere als Sportjournalist begonnen hat. Allerdings sei der Olympische Fackellauf durch Tibet eine böse Entgleisung. Auch NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf betonte in seinem Grußwort, dass ein Boykott der Olympischen Spiele keinem helfe. „Neben den Sportlern und Sportlerinnen wäre Tibet das größte Opfer einer Boykott-Entscheidung. Da bin ich ganz beim Dalai Lama“, so der Innenminister weiter.

Mit der Kölner Sportrede will die Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eine Tradition ins Leben rufen. „Sie will Akzente setzen und wichtige Denkanstöße zur Entwicklung des Sports liefern“, sagte DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch, gleichzeitig auch Vorsitzender des Trägervereins der Führungs-Akademie. [Grußwort Walter Schneeloch]. Die Premiere der Kölner Sportrede hatte der Bundesminister des Innern, Dr. Wolfgang Schäuble, gehalten.

Doping und Sport


Im zweiten großen Komplex seiner Rede beschäftigte sich Fritz Pleitgen mit den Auswüchsen des Dopings, die vor allem in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern zu einem Umdenken geführt hätten. Der ehemalige WDR-Intendant setzte sich für eine rigorose Linie im Kampf gegen Doping ein, da ansonsten die Verhältnisse außer Kontrolle geraten könnten. „Einigermaßen erfolgreich zu bestreiten ist der Anti-Doping-Kampf nur im Verbund von Sportverbänden, Organisationen, Politik und Medien“, sagte Pleitgen. Durch den Ausstieg von ARD und ZDF im letzten Jahr bei der Tour de France sei eine nützliche Diskussion angestoßen worden. Aber nicht nur er fürchte, dass künftig Dopingkontrollen bei Veranstaltungen laxer durchgeführt wurden, um den Verkauf von Übertragungsrechte nicht zu gefährden. „Erste Reaktionen von Verbänden bestätigen diese Vermutungen“, meinte Pleitgen.

Der Sport braucht einen Sportkanal


Die Kölner Sportrede bot Fritz Pleitgen auch die Gelegen­heit, seine Überlegungen zu einem Sportkanal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu formulieren. Er brachte damit die Idee des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, von einem öffentlich-rechtlichen Sportkanal wieder ins Gespräch. „Kurt Beck hatte beobachtet, dass – ob öffentlich-rechtlich oder privat – die Rundfunkanstalten sehr wenig, manchmal gar nicht über so genannte Randsportarten berichten“.

Pleitgen betonte eindringlich, dass die betroffenen Sport­vereine, die wertvolle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen leisteten, diese öffentliche Aufmerksamkeit insbesondere zur Gewinnung von Sponsoren benötigen. Es müsse ein Programm aufgebaut werden, dass sich ausschließlich nur den bisher vernachlässigten Sportarten zuwenden würde. Wie für die politische Berichterstattung könnte dies ein spezieller Ereignis- und Dokumentationskanal sein, ein Sport-Phoenix.

Mit einem relativ bescheidenen Gebührenaufschlag sei ein Sport-Phoenix zu machen. Kurt Beck habe seine Idee auf Grund von Widerstand durch die privaten TV-Sender, die eine unziemliche Ausweitung der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz befürchteten, und auf Grund des Widerstandes der Parteien, die keinen Ärger wollten, aufgegeben. Aus der Sicht von Pleitgen sollte das Thema von den Verantwortlichen noch einmal in aller Ruhe besprochen werden, denn es würde dem Breiten- und Behindertensport sehr helfen.

Sport und Kultur – auch bei der Vorbereitung Essens als Kulturhauptstadt Europas ein Thema


Pleitgen beschäftigte sich im historischen Hansasaal von Köln nicht nur mit aktuellen sportpolitischen Ereignissen. Er will sich in seiner Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH zur Vorbereitung der Kulturhauptstadt Europas 2010 im Ruhrgebiet dafür einsetzen, dass auch hier Kultur und Sport stärker aufeinander zugehen. Sport soll innerhalb der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt eines der Kernelemente werden. „Nicht nur der Sport, auch die Kultur wird davon profitieren, mit dem massenattraktiven Sport in einem Atemzug genannt zu werden“, sagte Pleitgen.

Pleitgen stellt sich einerseits vor, dass im Rahmen von relevanten Fußball-Länderspielen im Ruhrgebiet auf die bevorstehende Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet hingewiesen werden könne. Auf der anderen Seite könne der Sport an Aktionen im Rahmen der Kulturhauptstadt beteiligt werden. Die dreiundfünfzig Kommunen des Ruhrgebiets wollen sich allesamt an dem Programm beteiligen und sich jeweils eine Woche lang als lokale Kulturhauptstadt Europas zeigen.
Ein Tag könnte jeweils dem Sport gewidmet sein. Auch mit dem Landessportbund NRW würden schon entsprechende Gespräche geführt.

Kultur und Sport, so Pleitgen weiter, hätten derzeit auch insofern gleichartige Interessen, weil beide darum kämpften, als Staatsziel Verfassungsrang im Grundgesetz zu bekommen.