Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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03. Mai 2010

Im Interview: Josef Ambacher, Präsident des Deutschen Schützenbundes

Als viertgrößter Sportverband ist der Deutsche Schützenbund mit knapp 1,5 Millionen Mitgliedern in über 15.000 Vereinen einer der ganz großen Verbände im deutschen Sport. Josef Ambacher, der den Verband seit 1994 führt, hat schon früh die Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie gesucht. Im Interview äußert er sich zu Themen und Erfahrungen und zu aktuellen Projekten.

RED: Herr Ambacher, der Deutsche Schützenbund arbeitet seit einiger Zeit intensiv mit der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes zusammen. Auf welche Themengebiete erstreckt sich diese Kooperation?


AMBACHER: Die gute und intensive Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie des DOSB hat beim Deutschen Schützenbund schon Tradition. Bereits 1995/1996 haben wir als einer der ersten Verbände eine Strukturberatung in Anspruch genommen und diesen Prozess auch mit der Entwicklung einer zeitgemäßen Satzung verknüpft. Gegenwärtig läuft eine Fortbildungsreihe für die Geschäftsführer der zwanzig DSB-Landesverbände zu allen wichtigen Themen des Verbandsmanagements. Darüber hinaus arbeitet eine eigene Arbeitsgruppe des Deutschen Schützenbundes unter Vorsitz von DSB-Vizepräsidenten Jonny Otten am großen Zukunftsthema Mitgliederentwicklung.


RED: Wie sieht diese Zusammenarbeit im Bereich Mitgliederentwicklung konkret aus?

AMBACHER: Mit der Führungs-Akademie des DOSB haben wir uns zu den Problemfeldern Mitgliederbindung und –entwicklung externen Sachverstand ins Haus geholt, um den schleichenden Mitgliederverlust in unserem Verband umfassend zu analysieren, zu stoppen und im besten Fall umzukehren. Angesichts der demografischen und sozio-kulturellen Entwicklungen in unserem Land ist das wahrlich keine einfache Aufgabe! Dazu wurde gemeinsam mit der Führungs-Akademie eine umfassende Befragung ausgewählter Vereine im DSB, aller Landesverbandspräsidenten und -geschäftsführer durchgeführt. Deren Ergebnisse lieferten erste Hinweise auf Stärken und Schwächen der Vereins- und Verbandarbeit.


RED: Was schätzen Sie besonders an der Beratung durch die Führungs-Akademie?

AMBACHER: Als ausgesprochen hilfreich hat sich dabei immer wieder der analytische und unabhängige Blick der Führungs-Akademie auf verbandliche Prozesse und Strukturen erwiesen. In regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen unserer Arbeitsgruppe und der Führungs-Akademie werden Probleme und Defizite in der Mitgliederarbeit thematisiert und Zielstellungen im Blick auf die zukünftige Mitgliederentwicklung formuliert. Besonders nützlich war in diesem Zusammenhang eine zusätzliche Mitgliederbefragung im Rahmen des aktuellen Sportentwicklungsberichts, die es uns ermöglichte, ca. 1.500 zusätzliche Schützenvereine hinsichtlich ihrer Mitgliederstruktur und Zielgruppenausrichtung zu befragen. Von großer Bedeutung wird nun auch die Verzahnung dieser Ergebnisse mit den Fortbildungsworkshops der Landesverbands-Geschäftsführer sowie mit der Arbeit der ehrenamtlichen Verbandsvertreter im Gesamtvorstand sein, denn sie alle sind wichtige Multiplikatoren für unser Projekt.

RED: Welche weiteren Meilensteine sieht Ihr Projekt vor?

AMBACHER: Die gewonnenen Erkenntnisse werden momentan ausgewertet und systematisiert. Unser Vizepräsident, Jonny Otten, hat im Rahmen der Gesamtvorstandssitzung im März 2010 einen ersten umfassenden Zwischenbericht über die Arbeit der AG Mitgliederentwicklung im Zusammenwirken mit der Führungs-Akademie gegeben. Der Abschlussbericht mit konkreten Ergebnissen und Handlungsschritten ist für die Delegiertenversammlung im Rahmen des Deutschen Schützentages 2011 vorgesehen. Wichtig sind dann konkrete Maßnahmen und sichtbare Hilfen für unsere Vereine und Landesverbände, damit sie ihre Mitgliederzahl auch in Zukunft halten oder sogar noch ausbauen können. Dafür eignet sich – denke ich – gerade das Jahr 2011 gut, wenn der Deutsche Schützenbund auf 150 Jahre Verbandsgeschichte zurückblicken wird. Auch darüber hinaus werden Führungs-Akademie und DSB viel gemeinsam zu tun haben: Es laufen bereits erste Planungen für eine erneute Struktur- und Satzungsberatung. Und auch die Qualifizierungsoffensive der hauptamtlichen Führungskräfte in den Landesverbänden wird fortgesetzt.
(Das Gespräch führte Hans-Peter Detmer)