Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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01. Juli 2010

Im Interview: Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes

Am Ende eines mehrmonatigen Beratungsprozesses stand eine Neufassung der Satzung des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV), die auf dem 50. Kongress des DBV am 25./26. Juni in Leonberg von den Delegierten einstimmig angenommen wurde.

Die Bestätigung der neuen Satzung durch die Kongressteilnehmer/innen war nicht nur ein Erfolg für den Vorstand des Deutschen Boxsport-Verbandes, sondern auch für die Führungs-Akademie, die den DBV nach seiner Krisenintervention im Prozess der Strategie- und Strukturentwicklung begleitet und bei der konzeptionellen Gestaltung der neuen Satzung aktiv unterstützt hat.

Wie groß die Anstrengungen waren, um diesen Prozess erfolgreich abschließen zu können, und auch wie groß die Erleichterung der Delegierten war, dass es dem Vorstand in Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie gelungen ist, eine zeitgemäße und an den strategischen Zielen des Verbandes ausgerichtete Satzung auf den Weg zu bringen, lässt sich auch daran ablesen, dass der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes, Jürgen Kyas, und der Vizepräsident Finanzen, Hermann Sauer, unter großem Beifall der Delegierten für ihr herausragendes Engagement mit der goldenen Verdienstehrennadel des Verbandes ausgezeichnet wurden. In seinen Dank schloss Jürgen Kyas ausdrücklich die Führungs-Akademie, namentlich die Direktorin, Gabriele Freytag, und den Satzungsexperten Stefan Wagner, mit ein.

Über die Bedeutung des Kongresses sprach für den Newsletter der Führungs-Akademie Hp. Detmer mit dem Präsidenten des Verbandes, Jürgen Kyas.


RED.:  Worin liegt die besondere Bedeutung der Leonberger Beschlüsse für den DBV?

J. KYAS:  Unsere alte Satzung entsprach nicht mehr den finanziellen Vorgaben der Finanzämter. Damit bestand die Gefahr, dass wir unseren Gemeinnützigkeitsstatus verlieren und mit der alten Satzung somit den Weiterbestand unseres Verbandes gefährden würden. Das konnten wir mit dieser neuen Satzung ausräumen.


RED.:  Das heißt, sie haben sich mit der Führungs-Akademie in Verbindung gesetzt, um durch diese Unterstützung möglichst zeitnah eine Satzung auf den Weg bringen zu können, die das aktuelle Problem löst, gleichzeitig aber auch für die Zukunft und die weitere Entwicklung des Deutschen Boxsport-Verbandes tragfähig ist?

J. KYAS:  Das ist richtig. Und hier hat sich Frau Freytag, die Direktorin der Führungs-Akademie des DOSB, als Koordinatorin bei der Neufassung unserer Satzung glänzend eingebracht. Sie hat uns durch ihre Mithilfe viele Dinge aus dem Weg geräumt. Neben Frau Freytag muss ich auch auf Herrn Wagner, den Rechtsxperten der Führungs-Akademie verweisen. Auch er hat unser Handeln als Satzungsexperte erfolgreich begleitet. Beide haben sehr kritisch beobachtet, was wir von Verbandsseite aus eingebracht haben.


RED.:  Diese neue Satzung – ist sie nur deswegen neu gefasst worden, weil, wie Sie anfangs gesagt haben, die Finanzämter inzwischen ein sehr wachsames Auge auf die Verbände werfen oder gibt es auch noch andere Gründe?

J. KYAS:  Es sind nicht nur die Finanzämter, die wichtige Vorgaben machen. Wir müssen uns auch ausrichten nach den Bedingungen, die das Bundesinnenministerium des Innern nach Absprache mit dem DOSB stellt, wenn es um die Zuwendung öffentlicher Mittel zur Sportförderung geht. Der DOSB, das Bundesverwaltungsamt und das Bundesinnenministerium haben uns darauf hingewiesen, dass unsere alte Satzung nicht mehr den heutigen Anforderungen gerecht wird, wenn es darum geht, öffentliche  Mittel in Anspruch zu nehmen. Mit der neuen Satzung haben wir die bisherigen Schwachstellen beseitigt. Im Rahmen der neuen Satzung haben wir eine nicht unerhebliche Verschlankung unserer Verbandsführung vorgenommen und haben alles das neu gestaltet, was nicht mehr den Aufgaben und der Ausrichtung des Verbandes entsprach. Das war notwendig, weil die Strukturen innerhalb des Verbandes schwammig waren und auch weil sie sich verändert hatten. Und dadurch, dass jetzt innerhalb dieser neuen Verbandsstruktur mit der neuen Satzung für Klarheit gesorgt wurde, können wir jetzt wesentlich effizienter arbeiten als zuvor.


RED.:  Bevor Sie an die Führungs-Akademie mit der Bitte herangetreten sind, Sie in diesem Prozess zu unterstützen, haben Sie die Neugestaltung sicherlich auch schon innerhalb Ihres Verbandes diskutiert. Wo war der Knackpunkt, wo Sie gesagt haben: Intern kommen wir nicht mehr weiter; wir brauchen die externe Hilfe?

J. KYAS:  Wir haben noch rechtzeitig erkannt, dass man irgendwann betriebsblind wird. Das führt in der Regel dazu, dass, wenn man immer nur im eigenen Saft arbeitet, man auch immer wieder die selben Fehler macht. Man denkt oft nicht genug wertneutral, wie das eigentlich erforderlich ist. Hier ist es so gewesen, dass uns die Führungs-Akademie des DOSB als neutrale Institution hilfreich zur Seite gestanden hat, in dem uns Frau Freytag und Herr Wagner immer wieder auf Fehler hingewiesen haben. Das hat dann dazu geführt, dass wir das Heft dann total in die Hände der Berater der Führungs-Akademie gelegt haben. Was sich am Ende zu 100 Prozent bewährt hat. Ich kann allen Verbänden, die ebenfalls ihre Satzung erneuern wollen und müssen, nur raten, es ebenso zu machen. Die Betriebsblindheit wird auf diese Weise ausgeschaltet. Letztlich konnten wir auch dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesverwaltungsamt eine der modernsten Satzungsneufassungen vorlegen. Ich bin mir sicher, dass unsere neue Satzung zukünftig auch für andere Verbände Vorbild sein kann. Auch das BMI und das BVA haben die Inhalte der neuen Satzung bereits wohlwollend zur Kenntnis genommen.


RED.:  Der DBV stand Mitte letzten Jahres kurz vor der Insolvenz. Mit einem Interimsmanager an der Seite konnten zunächst die finanziellen und verwaltungsnotwendigen Grundlagen abgesichert werden. Welche Schwierigkeiten bestanden, den Verband auf einen neuen Strategie- und Strukturkurs zu bringen?

J. KYAS:  Wir waren als DBV finanziell in eine Schieflage geraten, wobei uns nicht eindeutig klar war, wo die Ursachen lagen. Dieser Interimsmanager hat uns zunächst einmal geholfen, diese Ursachen aufzuspüren. Der Interimsmanager ist übrigens über den DOSB durch die Führungs-Akademie gefunden worden. Unterstützt wurde diese Suche durch das Bundesministerium des Innern in Form eines Projektes. Dieses Projekt wurde entwickelt, damit in zukünftigen Fällen bei anderen Verbänden frühzeitig Fehler vermieden werden können und rechtzeitig eingegriffen werden kann. Das Projekt, das dann durch die Führungs-Akademie gelenkt und geleitet wurde, hat uns aus der Schieflage heraus gebracht, weil durch den Interimsmanager Schwachpunkte gefunden werden konnten, die wir dann entsprechend angehen und beseitigen konnten. 


RED.:  In der letzten Zeit ist eines der großen Themen im Sport die Integration von Migranten. Das ist eine Herausforderung für den Sport, die der DOSB in vollem Umfang angenommen hat. Der Boxsport gehört wahrscheinlich zu den Sportarten, die hier vor großen Herausforderungen gestanden hat und möglicherweise weiterhin steht. Schlägt sich diese Herausforderung auch in ihrer Satzung nieder?

J. KYAS:  Nein, diese Thematik wirkt sich nicht auf unsere Satzung aus. Integration ist für den Boxsport nie ein Problem gewesen. Integration hat bei uns bereits vor 40, 50 Jahren stattgefunden, als die ersten sogenannten Gastarbeiter in Deutschland auch ihren Sport entdeckt haben. Der Integrationsgedanke ist für uns Boxer schon seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit, die in der Satzung nicht festgeschrieben werden muss. Ausländische Mitbürger, die unseren Sport betreiben, sind einfach mitten unter uns. Und das müssen wir nicht über die Satzung festlegen. Inzwischen muss ich feststellen, dass ein hoher Prozentsatz der jungen Migranten, die sich inzwischen in unsere Gesellschaft integriert haben, eine tragende Säule in unserem Verband geworden ist.


RED.:  Noch ist der DBV nicht ganz über den Berg, auch wenn das neue Grundgesetz und die neue Satzung verabschiedet sind. Wie geht es jetzt weiter, was sind die nächsten Aufgaben?

J. KYAS:  Die nächste Aufgabe ist die Umsetzung der neuen Satzung. Wir haben begonnen, die interne Organisationsstruktur zu verschlanken. Viele Gremien fallen weg. Spätestens im Dezember dieses Jahres wollen wir diesen Prozess abgeschlossen haben. Dann sind wir zu 100 Prozent wieder so handlungsfähig, wie das die neue Satzung vorsieht. Dann hoffe ich, dass wir wesentlich effizienter arbeiten können, als das in der Vergangenheit der Fall war.


Herr Kyas, vielen Dank für das Gespräch!