Nachrichten der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes

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31. August 2010

Führungskompetenz im Pferdestall erlernt – Premieren-Workshop der Führungs-Akademie

Ein Workshop der Führungs-Akademie des DOSB, durchgeführt in einem Pferdestall? Zunächst schwer vorstellbar, aber Workshop-Leiterin Tanja Gröber wollte neue Wege gehen: „Wir haben ein Experiment gewagt: Hier wird Führung nicht nur reflektiert, sondern auch mit einem unbekannten „großen Tier“ ausprobiert“ Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sollten „neue Impulse für die eigene Leitungskompetenz“ erhalten, so das Thema der dreitätigen Veranstaltung auf der modernen Reitanlage in Köln-Porz. Angesprochen waren Damen und Herren, die in Vereinen und Verbänden des deutschen Sports Führungsrollen innehaben und ihre Führungskompetenz weiter ausbauen wollen.

Gleich zu Beginn des Workshops setzte Imke Urmoneit, Dipl. Sozial- und Reitpädagogin, dem Erwartungshorizont Grenzen: „Wer Pferde führen kann, muss nicht gleichermaßen auch in der Lage sein, Menschen zu führen. Aber aus seinen Erfahrungen im Umgang mit Pferden kann der Mensch sehr viel Positives für den Umgang mit Mitarbeitenden oder den zu trainierenden Sportlern und Sportlerinnen ableiten.“ Pferde, so Referentin Imke Urmoneit, reagieren ehrlicher und direkter und bocken, wenn ihnen etwas nicht passt. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verhalten sich selten so direkt, vor allem wenn sie in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen; sie verabschieden sich innerlich und steigen allmählich aus der Kooperation aus. Das kann auch passieren, wenn die Führungspersönlichkeit ihr Personal überfordert. Eine Workshop-Teilnehmerin machte die Erfahrung: „Ich habe gemerkt, dass ich im Umgang mit dem Pferd oft mit meinen Ideen und Anforderungen zu schnell war. Erst als ich mich selber mit meinen Forderungen gegenüber dem Pferd zurücknahm und ihm dann die Chance bot, mein Vorhaben langsamer nach zu vollziehen, war ich erfolgreich. Das geht mir, wie mir jetzt sehr deutlich bewusst wurde, in meinem Verband genauso. Ich muss meine Mitarbeiter behutsamer, aber auch konsequenter mitnehmen.“

Führungskräfte, die nicht selten Angst vor der angenommenen Herausforderung haben - das soll es ja auch im Beruf sowie im Alltag von Führungspersönlichkeiten im Sport geben. „Als ich erstmals unmittelbaren Kontakt mit so einem riesigen Tier hatte“, bekannte eine Teilnehmerin, „hatte ich auch Angst. Aber dann habe ich gelernt, dass man durch eine richtige Ansprache eine positive Beziehung aufbauen und die Angst verlieren kann.“ Es war wie im richtigen Leben. Dazu gehörte auch das Pferdeputzen – es kommt der Fürsorge gegenüber dem Mitarbeiter gleich. Wichtig ist auch die Art der verbalen wie der non-verbalen Kommunikation. Reitpädagogin Imke Urmoneit: „Die Pferde müssen merken, wer die Führung hat; sonst kommen sie auf dumme Ideen“.“

Sieben Damen und zwei Herren hatten sich zu diesem Workshop der Führungs-Akademie des DOSB angemeldet – eine genaue Umkehrung des Geschlechterverhältnisses auf den Führungsebenen des organisierten deutschen Sports. Tanja Gröber von der Führungs-Akademie des DOSB: „Wir freuen uns, dass wir mit diesem doch etwas anderen Seminar Aufsehen erregt haben, viele bei uns nachgefragt haben und wir diese heterogene Seminargruppe erreicht haben. Alle Zwei- und Vierbeiner hatten nicht nur Spaß, sondern jede/r konnte individuell für sich etwas mitnehmen.“ Die Begeisterung der Premierenteilnehmer war jedenfalls so groß, dass die Führungs-Akademie des DOSB das Seminar im nächsten Jahr wieder anbieten wird.
[Hanspeter Detmer] [Erstveröffentlichung:DOSB-Presse, 31.08.10]