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Newsletter Nr. 61 /// JUNI-JULI 2016 /// 

F�hrungs-Akademie

    /// Sonderausgabe: 1. Sportverbändeforum der Führungs-Akademie

INHALT
EDITORIAL
•   Zeitgemäßes Management: Das 1. Sportverbändeforum der FA

IMPULSBEITRÄGE
•   Impulsbeitrag 1 - Jürgen Thumann
•   Impulsbeitrag 2 - Dr. Michael Vesper & Dr. Stefan Vesper
•   Impulsbeitrag 3 - Alfons Hörmann
•   Impulsbeitrag 4 - Daniel Kompe
•   Impulsbeitrag 5 - Mahbod Asgari

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 1
•   Spitzenleistungen ermöglichen
•   Sport vermarkten
•   Organisation führen

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 2
•   Brand marken
•   Visionen beziffern
•   Integrität vorleben

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 3
•   Interessen vertreten
•   Komplexität meistern
•   Zukunft einschätzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sportverbändeforum_Rücker_Bartels©Führungs-Akademie

kurz vor der Sommerpause möchten wir Sie gern teilhaben lassen am ersten Sportverbändeforum der Führungs-Akademie. Daher haben wir uns entschlossen, einen Sondernewsletter herauszugeben, der Ihnen Einblicke in dieses neue Veranstaltungsformat der Führungs-Akademie ermöglicht.

Freuen Sie sich auf einen spannenden Blick auf die Impulsbeiträge und Themen der Foren des Sportverbändeforums.

Weitere Informationen zum Sportverbändeforum finden Sie unter dem hierfür eingerichteten Menüpunkt auf unserer Website, darunter auch das Video mit der vollständigen Rede von Alfons Hörmann sowie ein zusammenfassendes Video und Impressionen aus den Forumstagen in Köln.

Veronika Rücker
Direktorin

    /// 1. SPORTVERBÄNDEFORUM DER FÜHRUNGS-AKADEMIE

EDITORIAL

©Führungs-Akademie

Zeitgemäßes Management in der Diskussion: Das erste Sportverbändeforum der Führungs-Akademie verbindet aktuelle Entwicklungen in den Sportverbänden mit neuen Impulsen aus der Wissenschaft und der Wirtschaft
Dr. Daniel Illmer, Stellv. Direktor der Führungs-Akademie

Mit der Idee, in zwei Tagen aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema „zeitgemäßes Management" zu schauen fand das erste Sportverbändeforum der Führungs-Akademie in Köln vom 27.-28. April statt. Hervorragende Redner zu vielen unterschiedlichen Facetten des Managements, intensiver Austausch und konstruktive Diskussionen in einer inspirierenden Atmosphäre in den Räumen von Microsoft Deutschland waren prägend für die Veranstaltung.

Im Fokus standen sowohl klassische Managementthemen, wie das „Führen von Organisationen“ oder die Anforderung Ziele und Visionen im Sinne eines strategischen Controllings mit Kennzahlen zu belegen, als auch aktuelle Themen, wie die Frage nach zeitgemäßen Verbandsstrukturen und nach der Umsetzung von Good Governance in zeitgemäße Compliance-Konzepte. Mit Themen wie „Komplexität meistern“ oder „Zukunft einschätzen“ wurden im Rahmen des Sportverbändeforums auch inhaltliche Schwerpunkte gesetzt, die sonst eher selten im Fokus stehen und einen eher explorativen Charakter hatten. 

Mit der Auswahl der Themenstellungen in den Foren und in den Hauptvorträgen sollten unterschiedliche Facetten eines zeitgemäßen Managements deutlich werden. Gleichzeitig war es ein sehr wichtiges Ziel des Verbändeforums, den Blick nach außen in die Politik, Wirtschaft oder auch in andere Non-Profit-Organisationen zu richten und im Dialog zu prüfen, inwiefern Ansätze und Ideen aus diesen Bereichen auf den organisierten Sport übertragbar sind.

Dabei hat sich im Ergebnis gezeigt, dass gerade dieser systematische Perspektivwechsel als sehr wertvoll für die Arbeit in den Verbänden erlebt wurde. Sehr spannend an dieser Stelle war zum Beispiel das Format „Vesper und Vesper im Dialog“, in dem sich Michael Vesper als Vorstandsvorsitzender des DOSB und Stefan Vesper als Generalsekretär des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK) über die jeweils eigenen Verbandsstrukturen und die Wahrnehmung des anderen Verbands austauschten.

Inhaltlich wurde deutlich, dass zeitgemäßes Management vor allem die Bereitschaft zur Veränderung und zur Anpassung bedeutet. Insbesondere diesen Punkt stellte Jürgen Thumann in seinem Einführungsvortrag als die zentrale Kompetenz von Management heraus. Eine zentrale These, die vor allem in den Beiträgen von Alfons Hörmann und Mahbod Asgari deutlich wurde, ist, dass es gerade in Verbänden häufig Krisensituationen als Auslöser braucht, um Veränderungen einzuleiten.

Ein weiteres Ergebnis des Sportverbändeforums war die Erkenntnis, dass Aspekte der „digitalen Transformation" im Sport aktuell noch zu wenig Berücksichtigung finden, wie durch den Beitrag von Daniel Kompe (Microsoft Deutschland) offensichtlich wurde.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass eine Managementorientierung im organisierten Sport von zunehmender Bedeutung ist. Was das konkret bedeutet und in welchen Ausprägungen sich das Management von Sportverbänden zeigt, dazu hat das erste Sportverbändeforum der Führungs-Akademie wichtige Impulse und Antworten geliefert.

IMPULSBEITRAG 1

Sportverbändeforum_Thumann©Führungs-Akademie

Zeitgemäßes Management
Jürgen Thumann, ehem. Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie

Zum Auftakt des Sportverbändeforums umriss Jürgen Thumann das Thema "Zeitgemäßes Management" nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in unterschiedlichen Führungsrollen. Als Unternehmer, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie und als ehemaliger Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung kennt Jürgen Thumann beide Perspektiven – den des unternehmerischen Managements ebenso wie den des Sportverbandsmanagements – wobei sein Vortrag besonders die erstere in den Blick nahm.

Dabei ging er insbesondere auf die Rolle von Führungskräften im Unternehmen bzw. in einer Organisation und auch das Zusammenspiel mit den Mitarbeiter(inne)n näher ein. Bei der Zusammenstellung eines guten Teams stellen laut Thumann nicht nur fachliche, sondern vor allem auch Führungskompetenzen der einzelnen Mitarbeiter(innen) ein bedeutendes Auswahlkriterium dar. Mit der bildlichen Darstellung von Jon Collins „Imagine, you are a bus driver“ (aus dem Buch „Good the Great“) beschrieb Thumann auf anschauliche Weise die bedeutende Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung, als Manager ein passendes Mitarbeiterteam zusammenzustellen und vor allem auch zu halten. Gegenseitiges Vertrauen, Integrität und gute Kommunikation mit und zwischen den Mitarbeiter(inne)n sind dabei für Thumann die wichtigsten Facetten zeitgemäßen Managements, um die vielfältigen Herausforderungen einer komplexer werdenden Welt zu meistern. Dazu gehöre, so Thumann, neben herausragenden fachlichen Qualifikationen nicht zuletzt auch die Kraft, „Visionen beziffern, Integrität vorleben (und) Komplexität meistern“ zu können.

Mit Blick auf die kommenden zwei Veranstaltungstage ermutigte Thumann die Teilnehmer(innen), sich der Themen des Sportverbändeforums anzunehmen und sich neuen Herausforderungen zu stellen, denn ein zeitgemäßer Manager ist man, wenn man „sich nie zu alt fühlt, Gewohnheiten zu durchbrechen und neue Wege zu gehen“.[LtB]

IMPULSBEITRAG 2

Sportverbändeforum_Vesper©Führungs-Akademie

Vesper & Vesper im Dialog: Zeitgemäße Verbandsstrukturen. Was können der Sport und die Kirche voneinander lernen?
Dr. Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) &
Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär, Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK)

Mit Dr. Stefan Vesper und Dr. Michael Vesper gab es beim Sportverbändeforum ein Familientreffen der besonderen Art - ein Gespräch der beiden Vesper-Brüder, die in zwei der größten gesellschaftlichen Institutionen Deutschlands arbeiten.
Dr. Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des DOSB, und sein Bruder, Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK), erörterten Fragen rund um das Thema Organisationsstrukturen. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Georg Anders.

In lockerer Unterhaltung wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Organisationsstrukturen in den Blick genommen und die Frage gestellt, was Kirche und Sport voneinander lernen können.

Große Gemeinsamkeiten fanden sich demnach in den Wertesystemen, die die beiden Organisationen trotz ihrer Unterschiedlichkeit als Grundsatz in ihrer Organisation verankert sehen und zu vermitteln versuchen. Auch die Aufteilung in haupt- und ehrenamtliche Strukturen stellt beide Organisationen vor ähnliche Herausforderungen. So zeigten beide Redner auf, dass die Aufgabenfülle der ehrenamtlich Engagierten immer größer und der potenziell verfügbare Personenkreis immer kleiner werde. Das steigende Arbeitspensum berge damit die Gefahr, in den bestehenden Mustern zu verharren und keine Kapazitäten für neue Ideen in dem straffen Zeitbudget einzuplanen. Um weiterhin die Aufgaben eines zeitgemäßen Managements erfolgreich bewältigen zu können, seien daher, so Stefan Vesper, haupt- wie ehrenamtliche Führungskräfte gefordert, sich regelmäßig diese „Freiräume zum Nachdenken (zu) erhalten“. [LtB]

IMPULSBEITRAG 3

Sportverbändeforum_Hörmann©Führungs-Akademie

Sportdeutschland – zeitgemäß und stark für die Zukunft
Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Den Auftakt der nachmittäglichen Zusammenkunft im Plenum machte Alfons Hörmann, der sein Verständnis von zeitgemäßem (Sportverbands-)management darstellte und den Teilnehmer(innen) Mut zur Veränderung für ein zukunftsstarkes Sportdeutschland aussprach. In seiner Rede grenzte der DOSB-Präsident die Sportstrukturen zunächst von dem am Vormittag im Fokus stehenden Unternehmertum ab, indem er auf die Besonderheit von Haupt- und Ehrenamt einging. Das Ehrenamt - mit seinen „Herzblutmenschen“ - sei eine Schule für hochrangige Manager und Angestellte, wenn es um die Frage nach Begeisterung und Motivation gehe, so Hörmann. Er gab aber auch zu bedenken, dass Wandel durch personelle Veränderungen besonders im Ehrenamt zuweilen schwerer umzusetzen sei.

In seiner Rede spannte der Präsident des DOSB einen inhaltlichen Bogen zu den Beiträgen des ersten Veranstaltungstages und griff dabei die These auf, dass Krisen auch eine Chance für Veränderung seien: „Wenn eine echte Krise angesagt ist," so sein Fazit, "besteht in aller Regel die Chance, mehr zu verändern, als wenn die Dinge noch nicht ganz so schwierig sind“.

Die Führungskräfte ermutigte Hörmann, Veränderungsprozesse anzustoßen, bevor die Krisen zu groß würden und - mit der Zukunft fest im Blick - die Verbände entsprechend zu gestalten. Mit der Umkehrung des bekannten Sprichworts in „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“, betonte er abschließend die Bedeutung eigener Gestaltungsspielräume für gelingende Veränderungsprozesse. [LtB]

IMPULSBEITRAG 4

Sportverbändeforum_Kompe

Digitale Transformation - zwischen Hype und Realität
Daniel Kompe, Technologie-Strategieberater, Microsoft Deutschland

Die digitale Transformation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft war Schwerpunkt des Impulsvortrags von Daniel Kompe, Technologie Strategieberater der Microsoft Deutschland GmbH.

Gesellschaftliche Trends wie der demographische Wandel und der Fachkräftemangel sowie technologische Trends wie das Cloud- oder Social Computing beeinflussen unseren privaten wie beruflichen Alltag. Fitness-Tracker animieren zu sportlicher Aktivität, Apps überwachen die Temperatursteuerung von Büroräumen, smarte Haushaltsgeräte unterstützen im Haushalt und Entertainment Systeme sorgen für einen angenehmen Feierabend. Schon jetzt ist unser Alltag von digitaler Technologie geprägt.

Eine endgültige Vermischung von Realität und digitaler Welt soll durch das neue Microoft Tool „HoloLens“ möglich werden. Eine entsprechende Brille ermöglicht die Darstellung von Hologrammen und soll für Arbeitserleichterungen im beruflichen Alltag sorgen.

Wie sich die digitale Transformation auf den Sport und das Management großer Sportorganisationen auswirkt, zeigte Kompe unter anderem anhand eines Fanprojekts des Fußballclubs Real Madrid. Der Softwarehersteller hatte für diesen eine eigene Plattform entwickelt, in der Fans persönlich zugeschnittene Inhalte und digitale Dienstleistungen erhalten und damit noch enger am Clubgeschehen teilhaben können. [RE]

IMPULSBEITRAG 5

Sportverbändeforum_Asgari©Führungs-Akademie

Gestärkt aus der Krise - Verbands- und Kulturwandel gestalten
Mahbod Asgari, Geschäftsführer, ADAC

Der zweite Veranstaltungstag startete mit dem Impulsvortrag des Geschäftsführers des ADAC, Mahbod Asgari, der über den Kulturwandel beim ADAC in Folge der Glaubwürdigkeitskrise 2014 berichtete und spannende Einblicke in das Krisenmanagement und den Reformprozess lieferte. Dabei stellte er fest, dass eine Krise immer Fluch und Chance zugleich sein kann: „Wir sind gezwungen worden, Veränderungen vorzunehmen und das ist natürlich etwas schwieriger als wenn man das freiwillig macht. Auf der anderen Seite durften wir beim ADAC Sachen gestalten, die hätten wir in zehn, fünfzehn Jahren nicht gestalten können, wenn der Druck von außen nicht gewesen wäre.

Die Krise beim ADAC kam nach 111 Jahren Vereinsgeschichte und traf die Organisation gewissermaßen aus ‚heiterem Himmel‘. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der ADAC kein Krisenmanagement benötigt, allerdings hatte er auch keine Vorkehrungen getroffen, um auf eine Krise vorbereitet zu sein. Auch mit dem Blick auf andere Organisationen – unabhängig davon, ob Verband (DFB) oder Unternehmen (VW) - fokussierte Asgari auf die Gründe der Krisen: „Auslöser waren Managementfehler, aber Ursache war die Organisationskultur“.

Mit Beispielen aus der Strategie- und Strukturreform zeigte Asgari auf ebenso spannende wie anschauliche Weise, wie der ADAC der Krise begegnet ist und wie versucht wurde, einen Kulturwandel herbeizuführen. Einführung von Kommunikationsregeln, Trainings von Führungskräfte-Feedbacks und die Einführung von Reformbegleitern waren, so Asgari, nur einige der Punkte, die der ADAC zur Kulturveränderung eingesetzt hat. Als Geschäftsführer einer Organisation, die gerade eine massive Krise zu bewältigen hatte, lieferte der Beitrag einen sehr intensiven Einblick in den Reformprozess des ADAC und gab damit weit über den Einzelfall hinausweisende Impulse zur Krisenprävention wie – sollte es notwendig werden - Krisenbewältigung im eigenen Verband. [LtB]

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 1

Sportverbändeforum_ForumI©Fotolia.com

1 Spitzenleistungen ermöglichen
Am ersten Tag des Sportverbändeforums berichten David Egli und Dirk Schimmelpfennig darüber, wie Spitzenleistungen im Sport in der Schweiz und in Deutschland jeweils ermöglicht werden.

Dazu stellte David Egli, stellvertretender Leiter der Abteilung Leistungssport von Swiss Olympic, das Verbands-Fördermodell von Swiss Olympic vor. Darin sind sowohl die Leistungen von Swiss Olympic gegenüber den Sportverbänden beschrieben als auch ein Bewertungssystem für die Sportarten enthalten. Neben dem Fördersystem entwickelt Swiss Olympic aktuell ein Rahmenkonzept für die Sport- und Athletenentwicklung. Damit soll eine gute Verzahnung verschiedener Institutionen im Entwicklungsverlauf sportlicher Karrieren ermöglicht werden und eine Optimierung der Nachwuchs- und Leistungsentwicklung erreicht werden. Der Grundgedanke dieses Ansatzes ist, dass jede Sportart unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten für Nachwuchs- und Leistungsentwicklung hat und dass das Modell wertvolle Impulse dazu liefert, einen jeweils sportspezifischen Ansatz zu formulieren.

Im Anschluss berichtete Dirk Schimmelpfennig (Vorstand Leistungssport des DOSB) von der Neustrukturierung des Leistungssports in Deutschland und den aktuellen Überlegungen dazu. Ausgehend von den Athleten (der Athlet im Fokus) sollen die Förderstrukturen optimiert werden, zum Beispiel durch eine Neuausrichtung der Verbandsförderung oder der Bundesstützpunkte. Ein zentraler Hebel für die Neustrukturierung des Leistungssports wird darüber hinaus in der Professionalisierung des Leistungssportpersonals gesehen sowie in einer verstärkt zentralen Steuerung des Systems Leistungssport.

In der anschließenden Diskussion wurden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Schweiz und dem System in Deutschland deutlich und vor allem auch die Schwierigkeiten, die in jedem Land bei der Entwicklung von Spitzenleistung zu beachten sind. [DI]


2 Sport vermarkten
Das Forum „Sport vermarkten“ befasste sich inhaltlich mit verschiedenen Formen der Vermarktung von Produkten und Leistungen. Die Komplexität des Themas zeigte sich bereits in einem weit gefassten Verständnis von Vermarktung und in entsprechend unterschiedlichen Definitionsansätzen. So wurde unter anderem die Frage nach dem Vermarktungsobjekt ausgiebig diskutiert: Geht es um die Bekanntmachung und Bewerbung einer Sportorganisation oder steht nicht vielmehr der Sport als solcher im Vordergrund? Wie können in diesem Zusammenhang Synergien genutzt werden? In seinem Beitrag motivierte Jan Pommer, Geschäftsführer der Deutschen Sportmarketing GmbH, die Teilnehmenden dazu, das Thema Vermarktung aktiv anzugehen, Kampagnen zu starten und „einfach mal aus(zu)probieren“, statt sich in zu vielen theoretischen Konzepten und Szenarien zu verlieren.

Gérard Goodrow, freier Kurator und ehemaliger Leiter der ART COLOGNE, unterstützte diesen Ansatz und stellte an konkreten Beispielen erfolgreiche Marketingstrategien im Kultursektor vor. So machte er beispielsweise deutlich, dass oftmals neben der direkten Ansprache der relevanten Zielgruppe auch ein Querdenken erforderlich ist und die Verbreitung von Werbung auch über bestimmte Multiplikatoren erfolgen kann.

Im engen Dialog mit den Referenten nutzten die Teilnehmer(innen) die Möglichkeit, das Thema Sportvermarktung konkret auf ihre Verbände und Sportarten zu übertragen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. [SW/RE]


3 Organisation führen 
Das Thema zeitgemäße Führungs- und Organisationsstrukturen war Schwerpunkt des Forums „Organisation führen“. Neben zeitgemäßen Personalkonzepten wurde auch die Organisation selbst - mit ihren Strukturen und Prozessen - in den Blick genommen.

Bereichert wurde das Forum durch die Impulse von gleich drei Gastrednern. Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH, berichtete von Veränderungsprozessen, die die Koelnmesse in den letzten Jahren durchlaufen hat. Er stellte die Ziele vor, die das Unternehmen bis 2025 erreichen möchte. Dabei betonte er insbesondere die Bedeutung einer klaren, strategischen Zielsetzung als mächtiges Führungsinstrument. Des Weiteren sei die interne Kommunikation zur Information und zum Austausch der Mitarbeiter(innen) ebenso wichtig wie die Investition des Unternehmens in die Führungskultur.
Wie ein umfangreicher Strategieprozess aussehen kann, stellte Klaus Filbry, Geschäftsführer des SV Werder Bremen vor und erläuterte die 5-Jahres-Strategie des Fußball-Bundesligavereins. Dabei verdeutlichte er die Verantwortung der Führungskräfte für die Umsetzung der Zielvorgaben, wie beispielsweise der Personalentwicklung, der Stärkung der Marke, der Erhöhung der Wirtschaftlichkeit oder der Nachwuchsförderung.
Dass es unabdingbar ist, die Mitarbeiter(innen) einer Organisation in Veränderungsprozesse mit einzubeziehen, unterstrich auch Klaus Rambach, Geschäftsführer des Bayerischen Landessportverbands, in seinem Beitrag. Dabei beschrieb er die Vorgehensweise des umfangreichen Veränderungsprozesses seines Verbandes in der Abfolge Strategie, Struktur, Prozesse und Kultur.
Der Blick hinter die Kulissen ermöglichte den Teilnehmer(inne)n, Herausforderungen von Unternehmen und Verbänden kennenzulernen, Lösungsansätze zu diskutieren und von einem Erfahrungsaustausch zu profitieren. [FS/RE]

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 2

Sportverbändeforum_ForumI©Fotolia.com

1 Brand marken
Eine Marke hilft, Identität zu vermitteln, schafft wertvollen Wiedererkennungswert und soll zur Mitgliedergewinnung und -bindung beitragen. Das Forum „Brand marken“ zeigte auf, welche Voraussetzungen und Entwicklungsstufen es beim Aufbau einer Marke zu beachten gilt und wie diese in den Verbandsstrukturen verankert werden kann.

Sportverbände werden selten als Marke wahrgenommen und eine klare Vorstellung von Aufgaben sowie Tätigkeitsfeldern eines Verbands ist laut einer Studie der Repucom GmbH in der Gesellschaft kaum vorhanden. Es gilt daher, sich als Sportorganisation mit dem Thema Markenbildung auseinanderzusetzen und diese strategisch zu planen. Dabei geht es, so Dr. Fabian Hedderich, Geschäftsführer der Repucom Consulting GmbH, um Fragen, wie z.B. welche Beteiligungsprozesse dabei berücksichtigt werden sollten, wie wichtig eine Vorabanalyse der Marktsituation ist oder wie eine sinnvolle Zielsetzung gestaltet werden kann.

Einblicke in die konkrete Umsetzung einer Verbandsmarke lieferte Ludger Schulte-Hülsmann, Generalsekretär der DLRG und präsentierte eindrucksvoll den umfassenden Markenaufbau der eigenen Organisation. Dabei ging er auf Schwierigkeiten und Erfolgsfaktoren ein und zeigte auf, wie der Verband von einer starken Marke profitiert.

Gemeinsam mit den Teilnehmer(inne)n wurden Anregungen und Impulse gesetzt, sich auch im eigenen Verband näher mit dem Thema zu beschäftigen. [DI/RE]

2  Visionen beziffern
Wie bringt man eine Vision für den Verband mit Zahlen in Einklang? Strategisches Controlling anhand von Kennzahlen verdeutlicht Entwicklungen und hilft der Verbandsspitze Fragen zu beantworten: Sind wir auf dem richtigen Weg? An welchen Kennzahlen lässt sich das festmachen und mit welchen Indikatoren kann man individuelle Kernleistungen seines Verbandes beziffern?

Im zweiten Forum wurden unter der Moderation von Florian Kaiser Möglichkeiten betrachtet, strategische Visionen auf operative Kennzahlen herunter zu brechen.

Zwei Impulsvorträge boten Beispiele für mögliche Umsetzungen von Kennzahlenmodellen und luden im Anschluss zu einer Diskussion ein.
Prof. Dr. Lutz Thieme von der Hochschule Koblenz verdeutlichte zunächst die beiden unterschiedlichen Perspektiven des Controllings. Auf der einen Seite ist damit eine interne Steuerung innerhalb des Verbandes möglich, was vergleichbar ist mit dem Controlling in einem Unternehmen. Auf der anderen Seite stellt die Steuerung der Mitgliedsorganisationen auf Grund der Autonomie und Heterogenität der einzelnen Organisationen eine besondere Herausforderung dar. Hier gilt es, gemeinsame Visionen trotz verschiedener Interessenschwerpunkte zu entwickeln, denn gerade Kennzahlenmodelle bezogen auf die Mitgliedsorganisationen können als Grundlage für die Verteilung von Fördermitteln dienen und Transparenz schaffen.

Wichtig für die Durchsetzung eines Kennzahlenmodells sei auch dessen soziale Akzeptanz. Anhand von zwei Beispielen, eines Spitzensportverbandes und eines Landessportbundes, wurden Umsetzungsmöglichkeiten praktisch dargestellt und verdeutlicht, wie durch Kennzahlensysteme Transparenz in die Mittelverteilung gebracht werden kann.

Der stellvertretende Vorsitzende des Landessportbundes Niedersachsen, Norbert Engelhardt, stellte das Kennzahlenmodell des LSB Niedersachsen vor, das sich gerade in der Entwicklung befindet. Es wurde eine breite Palette an möglichen Kennzahlen dargestellt, die für Steuerung in Betracht kommen. Das Modell wurde aufgrund des Niedersächsischen Sportfördergesetzes entwickelt und gibt in Zukunft Aufschluss über den Fluss der Fördermittel, die das Land den Landesfachverbänden zur Verfügung stellt und die durch den LSB verteilt werden.

Im anschließenden Austausch gab es viele Fragen zur Umsetzbarkeit und zum Erfolg der vorgestellten Kennzahlensysteme. In der Diskussion wurde deutlich, dass kein Kennzahlenmodell „gerecht“ sein kann. Hier gilt es, einen Weg zu finden, um auf der einen Seite den Anforderungen der Zuwendungsgeber zu entsprechen und gleichzeitig intern im Verband ein transparentes, nachvollziehbares und passendes System zu etablieren, das zu einer besseren Mittelverteilung beiträgt und den Mitgliedsverbänden dazu dient, sich in den entscheidenden Tätigkeitsfeldern weiterzuentwickeln. [FK/MS]

3 Integrität vorleben
Sportverbände sind zunehmend gefordert, Prinzipien von Good Governance in der Verbandsführung zu verankern und konstruktiv umzusetzen. Das Forum „Integrität vorleben“ zeigte anhand von Praxisbeispielen aus Sport und Wirtschaft Maßnahmen und Bedingungen für die praktische Umsetzung von Compliance-Konzepten auf.

Dr. Peter Dieners, Rechtsanwalt und Partner bei Clifford Chance Deutschland, stellte Anforderungen an die Unternehmens- bzw. Verbandsführung vor und motivierte die Teilnehmer(innen), rechtzeitig Veränderungsprozesse anzustoßen. Ein erster Schritt sei die Durchführung einer Risikoanalyse, die die spezifischen Merkmale der jeweiligen des Verbandes unter die Lupe nimmt.

Einblicke in das Compliance Management von Bayer und TSV Bayer Leverkusen ermöglichte Lars Küpper, Leiter der Rechtsabteilung bei Bayer 04 Leverkusen, und stellte die „License to operate“ vor. Diese sei ein präventiver innovativer Ansatz mit festen Regularien und Prozessen innerhalb der Organisation. Demnach können Verstöße gegen Good Governance Prinzipien unter anderem dadurch vermieden werden, indem Mitarbeiter(innen) mit spezifischen Fallbeispielen geschult werden, Prozesse regelmäßig überwacht werden und eine „Compliance-Kultur“ entsteht.

Auf Basis der einleitenden Beiträge entwickelte sich ein reger Austausch der Teilnehmer(innen) über aktuelle Aktivitäten, Herausforderungen und Arbeitshilfen in der Umsetzung von Good Governance in der eigenen Organisation. [FS/JK]

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 3

Sportverbändeforum_ForumIII©Fotolia.com

1 Interessen vertreten
Wenn es um die Vertretung von Verbandsinteressen in der Politik geht, sind Lobbyisten gefragt. Einer von ihnen ist Christian Sachs, Leiter des Hauptstadtbüros des DOSB. Er vertritt die Interessen des DOSB und seiner Mitgliedsorganisationen im Parlament, der Regierung und deren Umfeld. Zu seinen Aufgaben zählen u.a. Informationen sammeln, Kontakte pflegen, ein Netzwerk aufbauen, Veranstaltungen organisieren und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Im Rahmen des Forums ‚Interessen Vertreten‘ gab Christian Sachs den Teilnehmer(inne)n einen Einblick in die politischen Gespräche, bspw. im Zuge der Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele in Hamburg 2024.

Empfänger der Interessensvertretung ist die Politik und damit auch Dr. Carsten Liese, Referent für Sport und bürgerliches Engagement der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Als Referent dieses Forums klärte Dr. Liese zunächst über die Aufgaben von Sportpolitik auf und zeigte die jeweiligen Funktionen von Bundesregierung, Bundestag und Fraktion auf.

Leidenschaftlich und engagiert referierten die beiden Referenten abwechselnd über ihre Rollen und Aufgaben. Die anschließende Diskussion im Plenum verdeutlichte die hohe Bedeutung, die Verbandsvertreter der politischen Kommunikation in Kommune, Land und Bund beimessen. [FS /JK]


2 Komplexität meistern
Zwei Impulsvorträge luden in Forum III, moderiert durch Veronika Rücker, zu einer spannenden Diskussion über den Umgang mit Komplexität und deren Vor- und Nachteile ein.

Prof. Dr.-Ing. Eckehard Fozzy Moritz (CEO der Innovationsmanufaktur GmbH) stellte in seinem Beitrag zwei zentrale Herausforderungen für Organisationen in den Mittelpunkt, die in gewissem Maße im Widerspruch zueinander stehen: Auf der einen Seite nehme die real existierende Komplexität zu, auf der anderen Seite verringere sich unsere Fähigkeit zu ihrer Beherrschung. Anhand einiger Beispiele aus der Praxis erläuterte Moritz, welche ‚Werkzeuge‘ in Organisationen eingesetzt werden könnten, um diese Herausforderung erfolgreich meistern zu können. In seinem Fazit kommt er zu dem Ergebnis, dass man zum Umgang mit der Komplexität das Denken weiten und den Rahmen groß aufspannen sollte. Es gilt aber auch, den Fokus zu klären. Komplexität ist aus Sicht von Prof. Moritz herausfordernd und der Umgang damit vielfältig.

Was Komplexität im Verbandsmanagement ausmacht und wie man diese steuern kann, waren die zwei Leitfragen des Vortrags von Dr. Christoph Niessen, Vorsitzender der Geschäftsführung und des Vorstandes des LSB NRW. Unter dem Motto „Komplexität ist schwierig, aber nicht schrecklich“, stellte er Möglichkeiten vor, mit Komplexität umzugehen. Dabei spannt er den Rahmen auf, Komplexität zu reduzieren vs. Komplexität zu erhöhen. Für beide Wege stellt er Instrumente und konkrete Maßnahmen aus der Verbandspraxis vor. Er macht deutlich, dass die Reduzierung von Komplexität nicht in jedem Falle der richtige Weg zur Lösung sei. Unter bestimmten Umständen könne es sogar notwendig sein, dass eine wirkliche Veränderung nur dann erreicht werden könne, wenn man die Komplexität der Aufgabenstellung erhöhe.
Gerade deshalb - so die ermunternde Aufforderung Niessens – sei es wichtig, Komplexität zunächst einmal zuzulassen, damit wir uns nicht zu weit von der Wirklichkeit entfernen, denn diese ist nun einmal komplex. [MS/VR]

3 Zukunft einschätzen
Prognosen und Einschätzungen zukünftiger Entwicklung zu tätigen, ist eine wesentliche Voraussetzung für strategisches Arbeiten. Wohin bewegt sich unsere Gesellschaft, was wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern und welche Dinge haben Bestand? Wie kann man die Zukunft aktiv mitgestalten und wie schafft man Innovation? Diesen und anderen Fragen müssen sich Organisationen und Unternehmen widmen, um zeitgemäß aufgestellt zu sein und auf Herausforderungen effektiv reagieren zu können.

Zukunft lässt sich zu einem gewissen Grad beeinflussen, stellte Dr. Dirk Steinbach fest. Führungskräfte benötigen demnach ein „Zukunftswissen“ und sollten sich systematisch mit Zukunftsfragen auseinandersetzen. Als mögliche Instrumente hierfür nannte der Geschäftsführer der SPIN Sport Innovation GmbH unter anderem den Einsatz von Zukunftswerkstätten, Szenarienanalysen oder Experteneinschätzungen.

Wie professionalisiert eine Zukunftseinschätzung durchgeführt werden kann, stellte Christian Huber, Leiter Technologiemanagement und –prognose der BMW Group beeindruckend dar. Hierbei ging er insbesondere auf die aktuellen Herausforderungen in der Beziehung zwischen IT-Branche und Automobilindustrie näher ein und stellte das sog. Technology Trend Radar als ein Tool zur Einschätzung von Trendentwicklungen vor.

Auch der Sport ist zunehmend gefordert, Zukunft einzuschätzen und entsprechend der Zeit vielleicht sogar einen Schritt voraus zu sein, wie sich in den anschließenden Diskussionen zeigte. [DI/RE]

Impressum
Führungs-Akademie des DOSB
Stadthaus, Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Redaktion: Kathrin Radermacher

Vorstandsvorsitzende: Veronika Rücker
Direktor: Florian Scheibe
Vereinsregister: Berlin Charlottenburg
Registernummer: 95 VR 6642 NZ
Steuernummer: 045 250 07559