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Newsletter Nr. 72 /// MAI 2018 - Sonderausgabe 2. Sportverbändeforum der FA /// 

F�hrungs-Akademie

    /// Sonderausgabe: 2. Sportverbändeforum der Führungs-Akademie

INHALT
EDITORIAL
•   Veränderung managen - Zukunft gestalten: Das 2. Sportverbändeforum der FA

IMPULSBEITRÄGE
•   Impulsvortrag 1 - Dr. Friedrich Curtius
•   Impulsvortrag 2 - Veronika Rücker
•   Impulsvortrag 3 - Thomas Schalberger

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 1
•   Organisation entwickeln
•   Digitalisierung vorantreiben
•   Strategie umsetzen

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 2
•   Orientierung geben
•   Personal entwickeln
•   Verbandskultur entwickeln

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 3
•   Verband entwickeln
•   Trends entdecken
•   Veränderung verantworten

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sportverbändeforum_Rücker_Bartels©Führungs-Akademie

einige Tage sind nun seit dem zweiten Sportverbändeforum der Führungs-Akademie vergangen und wir möchten Sie gerne an den spannenden Themen teilhaben lassen. Daher haben wir uns auch dieses Mal dazu entschlossen, einen Sondernewsletter herauszugeben, der Ihnen einen Überblick zu diesem Veranstaltungsformat der Führungs-Akademie ermöglicht.

Freuen Sie sich auf interessante Einblicke in die Impulsvorträge, den Podiumsdialog und die Themen der Foren des Sportverbändeforums.

Weitere Informationen zum Sportverbändeforum finden Sie unter dem hierfür eingerichteten Menüpunkt auf unserer Website, darunter auch Impressionen aus den Forumstagen in Köln und das Video mit der vollständigen Rede von Rainer Maria Kardinal Woelki.


Florian Scheibe
Direktor

    /// 2. SPORTVERBÄNDEFORUM DER FÜHRUNGS-AKADEMIE

EDITORIAL

©Führungs-Akademie

Veränderung managen – Zukunft gestalten in der Diskussion: Das zweite Sportverbändeforum der Führungs-Akademie blickt aus verschiedenen Perspektiven auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen und Veränderungsprozesse von Sportverbänden und setzt Impulse aus der Wissenschaft und Wirtschaft
Florian Scheibe, Direktor der Führungs-Akademie

Dr. Daniel Illmer, ehem. stellv. Direktor der Führungs-Akademie

Nach dem Erfolg des ersten Sportverbändeforums 2016 im Kölner Rheinauhafen fand am 27./28. April 2018 die zweite Auflage dieses Veranstaltungsformats der Führungs-Akademie statt. Das RheinEnergieSTADION bot durch die einmalig kölsche Atmosphäre und Stadioneinsicht den perfekten Rahmen. Einen Höhepunkt bildete am ersten Veranstaltungstag die 9. KÖLNER SPORTREDE zum Thema „Wert des Sports“, gehalten von Rainer Maria Kardinal Woelki. 

Mit dem Ziel die verschiedenen Facetten von Veränderungsmanagement und Zukunftsgestaltung für Sportverbände zu beleuchten, bot das Forum viel Raum für Berichte aus der Praxis für die Praxis sowie intensiven Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. An vielen Stellen im Sport sind Veränderungen zu beobachten, beispielsweise durch den Prozess der Digitalisierung, der Einführung von Good Governance oder der Weiterentwicklung des Spitzensports. Organisationen stehen vor Herausforderungen hinsichtlich ihrer Verbandsstruktur und –kultur und sind gefordert neue Lösungen zu entwickeln. Da wir als Führungs-Akademie viele dieser Veränderungsprozesse begleiten, haben wir uns bewusst für diesen Fokus für das Verbändeforum entschieden.

Genauso bewusst haben wir uns entschlossen, bei der Wahl der Themen sowie der Referentinnen und Referenten über den Tellerrand des Sports hinaus zu schauen und gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden außerhalb des Sports zu diskutieren. Dies eröffnete Einblicke in zum Teil ganz neue Formen von Zusammenarbeit und Struktur in den Organisationen und sorgte für lebhafte Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Foren beleuchteten des Weiteren Themen wie die Möglichkeiten der Digitalisierung, den Prozess einer Leitbildentwicklung oder die gezielte Kompetenzförderung im Rahmen von Personalentwicklung. Besonders erfreulich war der Auftritt zweier bedeutender Akteure im deutschen Sport. Zum einen präsentierte Dr. Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes e.V., in seinem Impulsvortrag das Thema “Verbandsentwicklung gestalten“ und gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen detaillierten Einblick in die organisationale Neuausrichtung des DFB. Zum anderen nahm Veronika Rücker als Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V. das „Managen von Veränderung“ in den Fokus und stellte einen Übertrag verschiedener Organisationsmodelle auf den DOSB her.

Der Vorstand der Führungs-Akademie zog auch in diesem Jahr ein positives Resümee des Sportverbändeforums. Die breite Auswahl und praxisnahe Umsetzung der Themen hob der Vorstand besonders hervor. Zusätzlich bestätigten die Teilnehmer/-innen die gelungene zweite Auflage durch ihr Feedback, aus dem deutlich hervorging, wie wichtig der regelmäßige Austausch der Spitzenkräfte untereinander ist und das auch ein Blick außerhalb der Organisation und des Sports für neue Impulse sorgen kann.

IMPULSVORTRAG 1

Sportverbändeforum_Thumann©Führungs-Akademie

Verbandsentwicklung gestalten
Dr. Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes e.V.

Zum Auftakt des Sportverbändeforums umriss Dr. Friedrich Curtius das Thema "Verbandsentwicklung gestalten" nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung im DFB und seiner Position als Generalsekretär, die er seit März 2016 bekleidet. Der promovierte Jurist betrachtete in seinem Impulsvortrag die organisationale Neuausrichtung des DFB, die er als bisher größtes Projekt seiner Amtszeit federführend seit Anfang 2017 begleitet und aktiv vorangetrieben hat.

Als Problematik stellte Dr. Curtius u. a. unklare Strukturen innerhalb des Verbandes vor, die zu ineffizienten Arbeitsabläufen führten und einer Veränderung bedurften.

Um die besonderen Bedürfnisse der Stakeholder innerhalb und außerhalb des Verbandes zu ermitteln, führte der DFB eine weitreichende Umfrage durch. Dieses Meinungsbild nutzte der Verband für den Aufbau einer neuen Organisationsstruktur, die alle Unterorganisationen unter einem Dach zusammenführte.

Das Projekt mit dem Namen „Umschaltspiel“ beinhaltet die Umsetzung von erforderlichen Veränderungen für die Aufstellung des „neuen DFB“ mit einer klaren Struktur und dem Motto „Alles für den Sport“. 

Nach dem Vortrag nutzen die Teilnehmer/-innen die Chance für Fragen, vor allem bezüglich auftretender Probleme und Widerstand bei der Durchführung eines solchen Strukturprozesses innerhalb des Verbandes.

IMPULSVORTRAG 2

Sportverbändeforum_Vesper©Führungs-Akademie

Veränderung managen
Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V.

Nach nunmehr 117 Tagen im Amt der Vorstandsvorsitzenden des DOSB, nahm die ehemalige Direktorin der Führungs-Akademie das Thema „Veränderung managen“ in den Blick. Dabei beschäftigte sie sich mit der Frage, was Change Management für eine Organisation wie den DOSB bedeutet und welche Veränderungen hilfreich und vor allem notwendig sind. Zunächst definierte sie anhand eines theoretischen Modells die Erfolgsfaktoren eines Verbandes und die Elemente unternehmerischer Orientierung. Hierzu stellte sie unterschiedliche Entwicklungsstufen der Zusammenarbeit von Organisationen vor. In den letzten Jahren sind vermehrt Organisationsformen entstanden, die organisch wachsen und flexibler und freier gestaltet sind als frühere Formen.

Anhand dieser theoretischen Organisationsmodelle stellte Veronika Rücker den Bezug zum DOSB und dessen Bild der Zukunft sowie den Weg dorthin her. Dabei sei die Entwicklung hin zu einer modernen, innovativen und flexiblen Organisation genauso von Bedeutung wie der Service und Support für die Mitgliedsorganisationen und DOSB-nahen Institutionen. Zudem sieht sich der DOSB der Zukunft als Steuerer und Gestalter des Spitzensports und als einflussreicher Akteur in Politik und Gesellschaft. Intern wird sich der Verband insbesondere mit Themen wie Personalentwicklung und effizienter, ressortübergreifender Zusammenarbeit beschäftigen.

IMPULSVORTRAG 3

Sportverbändeforum_Hörmann©Führungs-Akademie

Zukunft gestalten
Thomas Schalberger, General Manager Public Relations & Press, Toyota Deutschland GmbH

Am zweiten Tag des Sportverbändeforums eröffnete Thomas Schalberger von der Toyota Deutschland GmbH mit seinem Impulsvortrag „Zukunft gestalten“. Seit 2014 leitet er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und gab einen Einblick in die Unternehmensphilosophie.

Er skizzierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Weg Toyotas anhand der Begriffe „Yokoten“ (Teilen der besten Ideen auf breiter Ebene), „Genchi Genbutsu“ (Gehe zur Quelle/Ursachenforschung vor Ort), und „Challenge“ (Herausforderung). Zudem erläuterte er die Partnerschaft mit den Olympics und Paralympics und zeigte, inwieweit sich die sportlichen Werte in der Unternehmensphilosophie und -strategie wiederfinden. Der Sport stellt für Toyota eine geeignete Kommunikationsplattform dar, um die Ziele und Werte des Unternehmens zu transportieren.

Insbesondere aufgrund der wachsenden Herausforderungen im Mobilitätssektor durch neue Kundenanforderungen, neue Technologien, neue Wettbewerber und neue Regelungen gilt es, das Unternehmen ständig weiterzuentwickeln. Toyota geht die Herausforderungen des Wandels mit einer langfristig orientierten Ausrichtung des Denkens und Handelns an, die sich anhand der Transformation vom Webstuhlhersteller (1937) bis hin zum modernen Mobilitätskonzern (2030) nachvollziehen lässt. Der von Thomas Schalberger gelieferte Impuls führte zu interessierten Nachfragen und spannenden Eindrücken in die Mobilität der Zukunft.

PODIUMSDIALOG

Sportverbändeforum_Fuchs

Verbandsführung gestalten
Dr. Christoph Niessen, Vorsitzender der Geschäftsführung und des Vorstandes, Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V.

Thiemo Fojkar, Vorsitzender des Vorstandes, Internationaler Bund e.V.

Moderation: Clemens Löcke

Die Kernfrage des Podiumsdialoges zwischen Dr. Christoph Niessen, Vorsitzender des Vorstandes und der Geschäftsführung des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen e.V. und Thiemo Fojkar, Vorsitzender des Vorstandes des Internationalen Bundes e.V., behandelte den Mehrwert und Nutzen einer Umstellung der Verbandsführung auf einen hauptamtlichen BGB-Vorstand. Moderiert durch Clemens Löcke entwickelte sich eine lebhafte, in Teilen auch kontrovers geführte Diskussion zu diesem Thema. 

Es zeigte sich im Laufe des Dialoges, dass die Redner in ihren Verbänden ganz unterschiedliche Erfahrungen hinsichtlich der Implementierung eines BGB-Vorstandes gemacht haben. Während beide Organisationen den Wandel vollzogen haben, ging die Umstrukturierung beim LSB Nordrhein-Westfalen auch mit personellen Veränderungen einher, während der Internationale Bund das Führungsmodell mit dem bestehenden Personal durchführte. Beide Verbände haben positive Erfahrungen mit der Umstellung gemacht, wodurch sie eine Erhöhung der Handlungs- und Entscheidungsschnelligkeit, der Effizienz und der Professionalisierung erreichten. Des Weiteren schaffte die Umstellung insbesondere im Bereich der Haftung mehr Klarheit.

Dennoch stellten beide Redner fest, dass sich die Organisationen aus dem Sport und aus dem Wohlfahrtsbereich nur schwer vergleichen lassen. Im Rahmen des Podiumsdialoges konnten nicht nur die Teilnehmer/-innen viel über die Herausforderungen bei der Umstellung auf einen hauptberuflichen Vorstand lernen. Auch die Redner stellten heraus, dass sie jeweils von der anderen Organisation lernen konnten.

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 1

Sportverbändeforum_ForumI©Fotolia.com

1 Organisation entwickeln

Organisationen entwickeln und verändern sich und Führungskräfte sind immer wieder gefordert, die Strukturen und Prozesse anzupassen, neu zu justieren und auszurichten.

Am ersten Tag des Sportverbändeforums starteten Dr. Alexander Herr (Therapeut und Coach, Mitglied der Geschäftsführung, sysTelios Gesundheitszentrum Siedelsbrunn GmbH & Co. KG) und Mechthild Reinhard (Mitgründerin und Geschäftsführerin, sysTelios Gesundheitszentrum Siedelsbrunn GmbH & Co. KG, Therapeutin und Supervisorin) mit dem Thema „Organisation entwickeln“. Sie stellten in einem offenen Dialog mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Organisation mithilfe von diversen Materialien anschaulich dar und gingen besonders auf den Vergleich von starren Systemen und lebenden Organismen ein. 

Während in vielen Organisationen die Struktur im Vordergrund steht und der Aufbau anhand dieser Struktur erfolgt, präsentierten sie einen anderen Blickwinkel. Inhalt, Sinn (die gemeinsame Mitte) und Zweck haben dabei einen höheren Stellenwert und um diese genannten Anforderungen zu erfüllen, formen sich in den Organisationen je nach Anlass verschiedene Teams. Somit ist die Struktur nicht die Grundlage, sondern wird als flexibler Rahmen gesehen, der sich den verschiedenen Situationen anpasst. Diese Darstellung erzeugte in der Gruppe verschiedene Meinungen, wodurch intensive und kontroverse Diskussionen entstanden, die zu einer Bereicherung dieses Workshops führten.

 

2 Digitalisierung vorantreiben

Digitalisierung ist im organisierten Sport in aller Munde und füllt derzeit viele Konferenzen – doch was bedeutet dieses Thema eigentlich? Diesen und weiteren Fragen gingen Simon Franke, Seniorberater Sport und Digital Media bei der rosenbaum nagy management & marketing GmbH, und Dr. Julia Walter, Generalsekretärin des Deutschen Motor Sport Bunds e.V., auf spannende und anschauliche Weise nach. Dabei wurde zunächst der Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation deutlich gemacht und ein Vorgehen für eine mögliche digitale Transformation aufgezeigt, bevor der Motor Sport Bund veranschaulichte, dass auch die Sportverbände digitale Transformation meistern können und eine Veränderung hin zu digitaler Kommunikation und Abläufen auch in den als starr bezeichneten Sportverbandsstrukturen möglich ist. Dabei geht es unter anderem auch um die Reduzierung von Verwaltungsaufwand, z. B. bei der Lizenzvergabe, die beim Deutschen Motor Sport Bund inzwischen über ein Onlineportal und per App möglich ist. 

Viele Teilnehmer/-innen des Forums haben sich bereits mit dem Thema beschäftigt und stehen nun vor der Herausforderung der Umsetzung. Durch das Zusammenspiel der beiden Referenten konnten theoretisches Wissen und praktische Hinweise diskutiert werden, wie der Prozess im Sportverband Erfolgschancen hat. Von Schwierigkeiten der Vereinigung der digital natives mit älteren Generationen über notwendige personelle Ressourcen im Verband hin zum Zeitrahmen der Umsetzung konnten die Führungskräfte ihre Erfahrungen austauschen und mögliche Strategien diskutieren. 

Mit der Aufforderung von Simon Franke „Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“, wurde auch deutlich, dass die Frage nicht lautet, ob eine digitale Transformation stattfinden muss, sondern wann und wie. Eine digitale Transformation ist ein großer Schritt für die Verbände hin zu einer zeitgemäßen Aufstellung, sodass beide Referenten ihr Publikum ermutigten, das Thema anzugehen und umzusetzen. [LtB]

 

3 Strategie umsetzen

Strategieentwicklung und Strategieumsetzung sind wesentliche Hebel, um die Organisation auszurichten und zu entwickeln. Die Kunst der Fuge: Der Erfolg jeder Strategie hängt von ihrer Umsetzung ab. Wie gelingt es in komplexen Organisationen mit einer starken Stakeholderorientierung, Klarheit zu schaffen und Impulse für Entwicklung zu setzen? 

Diesen Fragen nahm sich Dr. Lutz-Bengsch als Vorstandsvorsitzender des Landessportbund Sachsen-Anhalt e.V. an. Er berichtete zunächst von den Gründen, die zu einer neuen strategischen Ausrichtung des Verbands führten. Hierzu gehörte unter anderem die Notwendigkeit, ein klares Bild des Verbandes nach innen und nach außen zu kommunizieren, um auf diese Weise mehr Transparenz zu schaffen. Er betonte in seinem Vortrag vor allem, dass Strategie ein fortlaufender Prozess sei, der immer wieder neu betrachtet werden müsse. Zudem erläuterte er die Aufgabe eines Verbandes, als Best Practice Beispiel für die Mitgliedsvereine voranzugehen und beratend tätig zu sein. Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass die Mitgliedsorganisationen bei der Umsetzung einer Strategie stets miteinbezogen werden müssen, um den Mehrwert für sie herauszustellen.

Aus der Perspektive eines Sportartikelherstellers blickte Matthias Fritz als Director Sports Marketing der adidas AG auf das Thema Strategie. Er ließ die Teilnehmer/-innen an der Vision des Unternehmens „CREATING THE NEW“ teilhaben, dessen Mission es ist die beste Sportmarke der Welt zu sein. Als Herausforderung beschrieb er die Veränderungen des Umfeldes, denen sich Organisationen anpassen müssen. Zudem ging er auf die Positionierung des Unternehmens und Nachhaltigkeit im Produktionsprozess ein.

Auf Basis der einleitenden Beiträge entwickelte sich in der Fragerunde ein reger Austausch der Teilnehmer/-innen, zum einen zu der Relevanz von Konkurrenzunternehmen und zum anderen zu der Übertragbarkeit der Strategie auf den eigenen Verband/Verein, der oftmals heterogenere Zielgruppen bedienen muss.

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 2

Sportverbändeforum_ForumI©Fotolia.com

1 Orientierung geben

Einen Verband zu führen, beinhaltet sowohl operatives Management als auch ein langfristiges und strategisches Vorausschauen. Insbesondere für das strategische Management braucht es gute Instrumente und Verfahren, um eine langfristige Planung zu ermöglichen.

Bereichert wurde das Forum durch die Impulse von zwei Gastrednern. Thomas Urban (Generalsekretär, Deutscher Behindertensportverband e.V.) veranschaulichte die Problematik einer fehlenden Befassung mit Struktur- und Strategiefragen im eigenen Verband. Ohne eine gemeinsame Orientierung kann auch keine gemeinsame Richtung vorgegeben werden. Diese langfristige Orientierung erhalten Verbände am besten durch die Implementierung von festen Planungsinstrumenten, die von möglichst allen Ebenen miterarbeitet und mitgetragen werden. Von großer Bedeutung sind dabei die Verständigung auf ein Leitbild und das Selbstverständnis, die er als attraktiven Kern beschrieb, um die Rolle des Verbandes neu zu definieren. Anhand der Vorstellung von Planungsebenen ermöglichte Thomas Urban den Teilnehmern einen genauen Einblick in den Prozess einer strategischen Planung, die gleichzeitig auch immer ein Veränderungsprozess ist. 

Als zweite Gastrednerin begrüßte Anna Elleke (Organisationsentwicklung, VAUDE Sport GmbH & Co. KG) die Teilnehmer/-innen und stellte die Sichtweise eines nachhaltigen, innovativen Outdoor-Ausrüsters vor. Ein Leitbild ist von großer Bedeutung, wenn es darum geht Orientierung und Sicherheit zu geben. Werte, Haltung und Kultur sind die Basis einer langfristigen Orientierung bei VAUDE. Sämtliche neue Lösungen werden anhand dieses Leitbildes entwickelt, das als Fundament des gesamten Unternehmens gilt und für alle Mitarbeitenden präsent ist. Neben Handlungsgrundsätzen sind auch Werte damit verknüpft, die von dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern gelebt werden. Besonders die Themen Firmenidentität und Nachhaltigkeit, nicht nur in der Produktion, im Unternehmen brachte Anna Elleke den Teilnehmerinnen und Teilnehmern näher.

Insgesamt zeigte sich, auch durch das gute Zusammenspiel der beiden Referenten, dass die Rahmenbedingungen zwar unterschiedlich sind, Prozesse aber ähnlich. Wer das Ziel nicht kennt, wird den Weg nicht finden.

 

2  Personal entwickeln

Der Erfolg von Sportorganisationen ist eng verknüpft mit der Qualifikation und Motivation ihrer ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiter/-innen und Führungskräfte. Das macht Personalentwicklung zu einer bedeutenden Management- und Führungsaufgabe, die in Sportorganisationen allerdings nur selten systematisch betrieben wird.

Das Teilnehmerfeld des Workshops bot eine große Bandbreite unterschiedlicher Entwicklungsstadien im Gebiet der Personalentwicklung in den einzelnen Verbänden. In Form eines Interviews beantwortete Dr. Silke Wechsung, Head of Corporate HR-Development & Diversity bei der TÜV Rheinland AG, was erfolgreiche Personalentwicklung ausmacht und welche Maßnahmen dafür definiert werden können. Daraus entstand bereits eine erste Grundlage für einen Meinungsaustausch innerhalb der Gruppe.

Florian Scheibe, Direktor der Führungs-Akademie, stellte das Thema Arbeiten mit Kompetenzen als wesentliche Säule der Personalentwicklung vor. Anhand eines Qualifizierungsprojekts ging er auf die Kompetenzermittlung ein. Zum Schluss präsentierte Dr. Silke Wechsung das Kompetenzmodell des TÜV Rheinland, wodurch die Teilnehmer/-innen einen Praxistransfer zu ihrer eigenen Arbeit mit Kompetenzen herleiten konnten.

 

3 Verbandskultur entwickeln

Eine Kultur in Verbänden entwickelt sich, wird gelebt, prägt das Handeln und Verhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der ehrenamtlich Tätigen und wird selten hinterfragt. Noch schwerer ist es, Kultur, bzw. kulturelle Merkmale zu verändern. 

Michaela Röhrbein, Generalsekretärin des Deutschen Turner-Bunds e.V., widmete sich in ihrem Vortrag der Etablierung einer neuen Kultur zum Umgang mit gemeinschaftlich demokratisch gefassten Beschlüssen im DTB. Aus einer Notwendigkeit heraus ergab sich diese Schlussfolgerung, die auch die Gründung der Kommission „Umsetzungskultur“ hervorrief. Diese erarbeitete ein Grundsatzpapier zur Etablierung einer neuen Umsetzungskultur mit dem Ziel der flächendeckenden Umsetzung von Beschlüssen auf allen Ebenen. Dazu identifizierte sie bestimmte Voraussetzungen für einen gelingenden Prozess. Neben Vertrauen in mithandelnde Personen, Transparenz der Entscheidungsprozesse, Solidarität, waren auch die Kooperationsbereitschaft zwischen den Verbandsebenen und eine ergebnisoffene Diskussionskultur grundlegend wichtig. Zudem präsentiere Michaela Röhrbein anhand des Projektes „Offensives Kinderturnen“ Informations- und Austauschformate, die den Umsetzungsprozess begleiteten.

Eine neue Form der Unternehmenskultur stellte Sebastian Schmidt, Upstalsboomer bei der Upstalsboom Hotel+Freizeit GmbH & Co. KG vor. Als theoretischen Hintergrund skizzierte er zunächst das Handeln von Personen, die sich meist in einer Komfortzone befinden und gestaltet werden, anstatt selbst zu gestalten. Erst durch das Verlassen dieser Zone sind ein Kulturwandel und eine Weiterentwicklung möglich. Angekommen in der Stretch-Zone bleibt mehr Raum für neue Ideen und die Erweiterung des Blickwinkels. Zudem motivierte er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Potenzial im Individuum selbst zu suchen und dieses nicht über die Funktion oder das Aufgabenfeld zu ermitteln. Durch diese Herangehensweise der Kompetenzermittlung werden oftmals neue Möglichkeiten der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung erschlossen. Die motivierenden Vorträge von Sebastian Schmidt und Michaela Röhrbein sorgten im Anschluss für eine spannende Diskussion, in der besonders die unterschiedliche Herangehensweise der Kulturveränderung eines traditionellen Verbandes und eines modernen Wirtschaftsunternehmens aufgezeigt wurde.

BERICHTE AUS DEN FOREN - FORUM 3

Sportverbändeforum_ForumIII©Fotolia.com

1 Verband entwickeln

Für Verbandsentwicklung gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Dazu gehören Themen wie Leitbildentwicklung, Führungsstruktur, Organisationsentwicklung und Gestaltung von Zusammenarbeit. Eine sinnvolle Betrachtung sollte aber auch die kritische Betrachtung von Prozessen und Abläufen innerhalb einer Verbandsorganisation sein. Wie sieht ein strukturiertes Vorgehen im Bereich Verbandsentwicklung aus?

Dr. Olaf Tabor stellte als Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins e.V. das Thema Effizienz im Kontext der drei Ansatzpunkte Strategie, Struktur und Kultur bezogen auf den DAV vor.

Durch den Anstoß verschiedener Entwicklungsprozesse in den letzten Jahren skizzierte er insbesondere den kürzlich abgeschlossenen Effizienzprozess in der Geschäftsstelle des DAV. Dabei ging es um die systematische Erfassung und Bewertung aller Aufgaben und Funktionen in der Geschäftsstelle sowie um die damit verbundene Reduktion und Neuordnung zugunsten einer verbesserten Arbeitseffizienz.

Die Ergebnisse dieses Prozesses erläuterte Dr. Tabor den Teilnehmern anschaulich. Neben einer klaren Aufgabenverteilung und Kommunikation der Zuständigkeiten folgte auch die Einführung von heterogen besetzten Teams für Querschnittaufgaben, beispielsweise im Marketing, in der Ausbildung oder in der IT. Eine deutliche Effizienzsteigerung im Bereich der Kernprozesse zählte auch zu den positiven Folgen des Prozesses, genau wie die Verbesserung der Dienstleistungsorientierung oder der Zusammenarbeitskultur. Künftig ist zur Erhaltung der hohen Qualitätsanforderungen die fortlaufende Überprüfung der Kernprozesse weiterhin unerlässlich. Insofern gingen zahlreiche Impulse aus dem Effizienzprozess unmittelbar in Linienaufgaben eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses über.

Durch die dargestellten, erfolgreich angestoßenen Prozesse und die damit verbundene Weiterentwicklung des Verbandes, blickt der DAV positiv in die Zukunft. Er wird auch weiterhin aktiv Trends aufgreifen und die eigene Organisation fortlaufend überprüfen. Für beides wird die Digitalisierung ein wesentlicher Faktor und eine wichtige Zukunftsaufgabe sein. Auch dieses Thema hat der DAV bereits langfristig angelegt.

 

2 Trends entdecken

Trends kennenzulernen, Trends zu erkennen und die Zukunft aktiv zu gestalten – darum ging es im Forum „Trends entdecken“. Head of Research der Innovationsmanufaktur Martin Strehler stellte erst die verschiedenen Arten von Trends (von Hype bis Megatrend) vor und gab dann einen Überblick wie Trends erfasst und überwacht werden können. 

Weiterführend ging er auf verschiedene Trends wie z. B. die Entwicklungen im Bereich Wearables und Fitness Devices ein und zeigte auf, wie schnell Produkte und neue Kategorien (z. B. Hearables) dort entstehen. Als ein Diskussionspunkt ergaben sich Schwierigkeiten beim Übertrag dieser schnelllebigen technischen Möglichkeiten auf den Verband. Aufgrund des Alltages kann dort noch kaum ein Bezugspunkt zur Technologisierung hergestellt werden. Die Teilnehmer/-innen erhielten aber die Möglichkeit selbst einzuschätzen, welche Trends sie als besonders relevant für den Sport und die eigene Organisation sehen, z. B. die Individualisierung oder das veränderte Gesundheitsbewusstsein.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass sich (gesellschaftliche) Trends entwickeln, ob Verbände mitmachen wollen oder nicht. Es gilt diese im Blick zu halten und es braucht eine bewusste Entscheidung, inwiefern ein Trend im Verband verfolgt wird.

 

3 Veränderung verantworten

Veränderungen zu begleiten und zu verantworten ist eine der Kernaufgaben von Führungskräften in Sportorganisationen. Was sind aus psychologischer Sicht dabei wesentliche Kompetenzen von Führungskräften und wie gelingt es, Teams in Veränderungssituationen zu unterstützen?

Markus Flemming (Sportpsychologe und Geschäftsführer, Coaching Competence Cooperation) blickte auf das Thema „Veränderung verantworten“ und motivierte die Teilnehmer/-innen mit einem lebendigen Vortrag zu einer positiveren Haltung gegenüber Veränderungen und Herausforderungen. Als ehemaliger professioneller Goalkeeper beim Eishockey und heutiger Sportpsychologe ist Markus Flemming dem Spitzensport sehr nahe und nahm daher die psychologische Perspektive, bezogen auf die persönliche Ebene, in den Fokus. Vertrauen in eine neu erlernte Fähigkeit, in ein neues Konstrukt oder in sich selbst bzw. das eigene Team sind Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Weiterhin sind vor allem eine wertschätzende und transparente Kommunikation von großer Bedeutung. Durch die langjährige Arbeit mit Sportteams nahm Markus Flemming einen Übertrag auf den Umgang mit Verantwortung in Organisationen vor und widmete sich in der anschließenden Teilnehmerrunde allen aufkommenden Fragen, die sich mit der Umsetzung im eigenen Verband beschäftigten.

Impressum
Führungs-Akademie des DOSB
Stadthaus, Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Redaktion: Rebekka Malchow

Vorstandsvorsitzender: Walter Schneeloch
Direktor: Florian Scheibe
Vereinsregister: Berlin Charlottenburg
Registernummer: 95 VR 6642 NZ
Steuernummer: 045 250 07559